Schwe­re Ge­richts­schlap­pe für Air Ber­lin

Im Streit um die so­ge­nann­ten Co­desha­ring-Flü­ge mit Eti­had hat die Flug­ge­sell­schaft das Nach­se­hen. Ein Ge­richt un­ter­sagt bei­den Air­lines die ge­mein­sa­me Durch­füh­rung von 31 Stre­cken wäh­rend des lau­fen­den Win­ter­flug­plans.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON MAXIMILIAN PLÜCK

DÜSSELDORF Für Deutsch­lands zweit­größ­te Flug­ge­sell­schaft hät­te das Jahr 2015 wahr­lich bes­ser zu En­de ge­hen kön­nen. Doch ei­ne Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts in Braun­schweig mach­te Air Ber­lin ei­nen Strich durch die Rech­nung. Die Rich­ter un­ter­sag­ten der deut­schen Flug­ge­sell­schaft und ih­rer Part­ner-Air­line Eti­had das so­ge­nann­te Co­desha­ring auf 31 Stre­cken.

Der et­was sper­ri­ge Be­griff steht für ein Ko­ope­ra­ti­ons­mo­dell, bei dem sich zwei Flug­ge­sell­schaf­ten ei­nen Flug tei­len – ei­ne Air­line nimmt Pas­sa­gie­re der an­de­ren mit. Bei­de Part­ner bie­ten den Flug mit ei­ner je­weils ei­ge­nen Flug­num­mer an. Da­durch kön­nen sie Flü­ge ver­kau­fen, die sie selbst nicht be­trei­ben, und so ihr Stre­cken­netz er­wei­tern so­wie mög­li­cher­wei­se auch in neue Märk­te vor­drin­gen. Pas­sa­gie­re er­ken­nen Co­desha­re-Flü­ge am Ver­merk „Ope­ra­ted by“oder „Wird durch­ge­führt von“ver­bun­den mit dem Na­men ei­ner Air­line, bei der sie nicht ge­bucht ha­ben.

Mit den Co­desha­re-Flü­gen woll­te Air Ber­lin ei­nen zu­sätz­li­chen Um­satz von et­wa 140 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr – in et­wa so viel wie man an Luft­ver­kehrs­steu­er be­zah­le. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um hält ei­nen Teil der Flü­ge al­ler­dings für rechts­wid­rig, Grund­la­ge ist ein Luft- ver­kehrs­ab­kom­men mit den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten. Der Bund hat­te die um­strit­te­nen Ge­mein­schafts­flü­ge En­de Ok­to­ber „letzt­ma­lig und be­fris­tet bis zum 15. Ja­nu­ar 2016“er­laubt. Da­mit soll­ten Nach­tei­le für Pas­sa­gie­re ver­mie­den wer­den. Aus dem Un­ter­neh­men hat­te es zu­vor War­nun­gen vor ei­nem Aus für die Air­line ge­ge- ben, soll­ten die Flü­ge nicht ge­neh­migt wer­den.

Eti­had woll­te das nicht auf sich sit­zen las­sen und ei­ne Ver­län­ge­rung der Er­laub­nis zu­min­dest bis zum En­de des Win­ter­flug­plans am 26. März 2016 durch­set­zen. Doch ge­nau mit die­sem An­lie­gen schei­ter­te das Un­ter­neh­men nun in Braun­schweig. In ei­ner Er­klä­rung heißt es, „die Vor­aus­set­zun­gen der er­for­der­li­chen Be­triebs­ge­neh­mi­gung für die um­strit­te­nen Flug­stre­cken“sei nicht er­füllt. Die 31 Stre­cken sei­en nicht von der zwi­schen­staat­li­chen Ver­ein­ba­rung zwi­schen Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten er­fasst. Eti­had könn­te nun ge­gen den Be­schluss Be­schwer­de beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lü­ne­burg ein­le­gen.

„Wir be­dau­ern die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts in Braun­schweig“, er­klär­te Air Ber­lin am Nach­mit­tag. „Für un­se­re Kun­den ent­ste­hen da­durch kei­ne Nach­tei­le. Al­le bis­her ge­buch­ten Co­desha­reFlü­ge von Eti­had Air­ways und Air Ber­lin wer­den wie ge­plant durch­ge- führt. Un­ser zu­künf­ti­ger ge­mein­sa­mer Flug­plan bleibt da­durch un­ver­än­dert buch­bar.“Auch al­le Flü­ge über Abu Dha­bi hin­aus in das welt­wei­te Eti­had Air­ways Netz­werk wür­den wei­ter ge­mein­sam ver­mark­tet.

Wie das gan­ze kon­kret um­ge­setzt wer­de und wie vie­le zu­sätz­li­che Ma­schi­nen Air Ber­lin zum Ein­satz kä­men, sei der­zeit noch nicht ab­seh­bar. „Si­cher ist aber: Kun­den, die ei­nen von der Ent­schei­dung be­trof­fe­nen Air-Ber­lin-Flug ge­bucht ha­ben, wer­den trotz­dem mit uns flie­gen“, so ein Spre­cher.

Eti­had-Chef Ja­mes Ho­gan hat wie­der­holt be­tont, dass die Co­desha­re-Flü­ge ein we­sent­li­cher Grund für das En­ga­ge­ment der Ara­ber in Ber­lin sei­en. „Es geht nicht um Eti­had – die Ver­ein­ba­rung ist ele­men­ta­rer Be­stand­teil der Sa­nie­rung von Air Ber­lin“, sag­te Ho­gan En­de Ok­to­ber in Abu Dha­bi. „Eti­had Air­ways steht wei­ter­hin zu Air Ber­lin. Wir wer­den un­se­ren Part­ner bei al­len Schrit­ten un­ter­stüt­zen“, hieß es nun in ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­er­klä­rung.

FOTO: ANDRE­AS ENDERMANN

Ei­ne Ma­schi­ne der zweit­größ­ten deut­schen Flug­ge­sell­schaft Air Ber­lin am Düs­sel­dor­fer Flug­ha­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.