Städ­te­bund warnt vor La­denster­ben durch Online-Han­del

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON LUD­WIG KRAU­SE

DÜSSELDORF Bis zum Jahr 2020 dro­hen deutsch­land­weit 50.000 Ge­schäf­te in In­nen­städ­ten zu schlie­ßen. Da­vor warnt der Städ­te- und Ge­mein­de­bund und be­kräf­tigt da­mit ei­ne War­nung des Ein­zel­han­dels­ver­ban­des Deutsch­land (HDE). „Wenn nicht recht­zei­tig ge­gen­ge­steu­ert wer­den kann, droht ei­ne Ver­ödung der In­nen­städ­te“, sagt Städ­te­bund-Spre­cher Franz-Rein­hard Hab­bel (65). Die hö­he­re Mo­bi- li­tät der Kun­den und Ein­kaufs­zen­tren so­wie der Online-Boom mach­ten dem Han­del in In­nen­städ­ten zu schaf­fen. „Da­bei darf es aber kein Schwarz-Weiß-Den­ken ge­ben“, sagt Hab­bel. Die Ge­schäf­te vor Ort müss­ten sich den Kun­den­wün­schen deut­lich stär­ker als bis­her an­pas­sen. „Der sta­tio­nä­re Han­del hat Zu­kunft – aber nur wenn er sich än­dert.“

Um dem Ne­ga­tiv­trend ent­ge­gen­zu­wir­ken, for­dert der Ver­band deut­lich fle­xi­ble­re Öff­nungs­zei­ten. Dem­nach soll Ein­kau­fen im Mond­licht nicht nur an aus­ge­wähl­ten Ta­gen mög­lich sein. „Je­der Händ­ler soll­te ent­schei­den dür­fen, sein Ge­schäft in der In­nen­stadt bis 22 Uhr ge­öff­net zu las­sen“, sagt Hab­bel. Dies schlie­ße na­tür­lich auch mit ein, sich be­wusst ge­gen sol­che Öff­nungs­zei­ten ent­schei­den zu kön­nen. „Bei ei­nem Dorf in der Ei­fel ist das im Zwei­fel eher nicht nö­tig.“Auch ei­ne deut­lich stär­ke­re Prä­senz der Lä­den im In­ter­net, Ver­kehrsund Park­kon­zep­te wür­den zwangs- läu­fig zur Stär­kung der In­nen­städ­te da­zu­ge­hö­ren. Letz­te­res frei­lich geht nur in Zu­sam­men­ar­beit mit den Kom­mu­nen und der lo­ka­len Po­li­tik. „Ei­ne Stär­kung der Händ­ler ist aber auch in ih­rem In­ter­es­se. Städ­te oh­ne Han­del sind to­te Städ­te.“

Ei­ne Um­fra­ge des HDE hat­te be­reits im Sep­tem­ber 2014 er­ge­ben, dass die sin­ken­den Kun­den­fre­quen­zen in In­nen­städ­ten mit­tel­fris­tig zu gro­ßen Pro­ble­men füh­ren könn­ten. Auch in NRW ha­ben Händ­ler da­mit be­gon­nen, sich für Online-Of­fen­si­ven zu­sam­men­zu­schlie­ßen. So ha­ben 50 Ein­zel­händ­ler aus Mön­chen­glad­bach im Ok­to­ber ein neun­mo­na­ti­ges Pi­lot­pro­jekt mit der In­ter­net-Ver­kaufs­platt­form Ebay ge­star­tet. Ziel ist es, den sta­tio­nä­ren um die Vor­tei­le des On­line­Han­dels zu er­wei­tern. Ein ver­gleich­ba­res Pro­jekt hat­te es vor­her nur im New Yor­ker Stadt­teil Brook­lyn ge­ge­ben. Auch in Wup­per­tal ha­ben sich lokale Ge­schäf­te zu­sam­men­ge­schlos­sen, um ih­re Wa­ren im In­ter­net an­zu­bie­ten.

Vor al­lem in­ha­ber­ge­führ­te Ein­zel­händ­ler sieht der Städ­te- und Ge­mein­de­bund in Ge­fahr. „Wir er­ken­nen das Pro­blem, dass auch im­mer mehr Fi­lia­lis­ten die klei­nen Ge­schäf­te ver­drän­gen und so­mit die In­di­vi­dua­li­tät ver­lo­ren geht. Da­bei brau­chen wir ei­ne ge­sun­de Mi­schung aus bei­dem.“

Was den Um­satz an­geht, blickt der HDE zu­frie­den auf das Jahr 2015. Im No­vem­ber hob er sei­ne Pro­go­no­se auf ein Plus von 2,7 Pro­zent auf 471 Mil­li­ar­den Eu­ro an.

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