Hartz-IV-Stu­die: Trotz Er­hö­hung we­ni­ger zum Le­ben

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

BER­LIN (RP/epd) Aus der Sicht des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) ist die an­ste­hen­de ge­rin­ge An­he­bung der Hartz-IV-Re­gel­sät­ze kei­ne ech­te Er­hö­hung des Exis­tenz­mi­ni­mums. Dass der Re­gel­satz um fünf Eu­ro auf 404 Eu­ro stei­ge, „kann nicht ka­schie­ren, dass Hartz-IVund So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ger heu­te we­ni­ger zum Le­ben ha­ben als zum Start von Hartz IV 2005“, er­klärt der DGB auf sei­ner In­ter­net­sei­te. Das zei­ge ei­ne Ge­gen­über­stel­lung der Ent­wick­lung der Re­gel­sät­ze im Ver­gleich zur Ent­wick­lung der Ver­brau­cher­prei­se, über die „Spie­gel Online“be­rich­tet hat.

Der auf Nah­rungs­mit­tel ent­fal­len­de An­teil am Re­gel­satz be­trägt laut des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des mehr als ein Drit­tel, näm­lich 35,5 Pro­zent. Wäh­rend die Re­gel­sät­ze von 2005 bis 2015 um 15,7 Pro­zent nach oben gin­gen, stie­gen die Prei­se für Nah­rungs­mit­tel um 24,4 Pro­zent. Bei den Ver­brau­cher- prei­sen fällt die Dif­fe­renz ins­ge­samt ge­rin­ger aus. Hier wir­ken sich teu­re­re Ver­brauchs­gü­ter wie et­wa Elek­tro­nik­ge­rä­te aus, die sel­te­ner an­ge­schafft wer­den. Ei­ne be­son­de­re Be­las­tung für die Bud­gets der Hil­fe­emp­fän­ger sind die Strom­kos­ten. Sie ha­ben sich seit dem Jahr 2005 um et­wa 54 Pro­zent er­höht. Zu den Haus­halts­strom­kos­ten hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt noch im Ju­li 2014 ge­for­dert, dass der Ge­setz­ge­ber bei kurz­fris­ti­gen Preis­stei­ge- run­gen auch ei­ne An­pas­sung der Re­gel­sät­ze vor­neh­men müs­se. „Dem ist der Ge­setz­ge­ber bis heu­te nicht nach­ge­kom­men“, mo­niert der Ge­werk­schafts­bund. „Ein Teil der Ge­sell­schaft, dar­un­ter über­pro­por­tio­nal vie­le Kin­der, droht von der all­ge­mei­nen Wohl­stands­ent­wick­lung ab­ge­hängt zu wer­den“, kri­ti­sier­te DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach. Die Bun­des­re­gie­rung dür­fe bei der nächs­ten Neu­be­stim­mung des so­zio­kul­tu­rel­len Exis­tenz­mi­ni­mums ab 2017 nicht wie­der die Re­gel­sät­ze klein­rech­nen. Auch das Deut­sche Kin­der­hilfs­werk for­dert ei­ne deut­li­che An­he­bung des Re­gel­sat­zes für Kin­der.

Je­weils zum 1. Ja­nu­ar ei­nes Jah­res wird der Re­gel­satz an­ge­passt. Er be­ruht zu 70 Pro­zent auf der Preis­ent­wick­lung der Gü­ter, die im Re­gel­satz be­rück­sich­tigt wer­den. Die an­de­ren 30 Pro­zent wer­den ab­hän­gig von der Ent­wick­lung der Löh­ne im Ver­gleich zum Vor­jahr er­mit­telt.

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