INTERVIEW BAS­TI­AN PAS­TEW­KA „Ich er­ken­ne jetzt fal­sche Fuff­zi­ger“

In der neu­en ZDF-Mi­ni-Se­rie „Mor­gen hör ich auf“spielt Bas­ti­an Pas­tew­ka (43) ei­nen in­sol­ven­ten Fa­mi­li­en­va­ter, der sich sein Geld selbst druckt. Die Rol­le ist eher ernst an­ge­legt. Ein Ge­spräch über Geld, Glück und die De­fi­ni­ti­on von Er­folg.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - JÖRG ISRINGHAUS FÜHRTE DAS GE­SPRÄCH.

KÖLN Manch­mal ver­schwim­men Kunst und Wirk­lich­keit auf be­ängs­ti­gen­de Wei­se. Bas­ti­an Pas­tew­ka sieht beim Tref­fen in Köln aus wie Pas­tew­ka, Drei-Ta­ge-Bart, V-Aus­schnitt-Pull­over, ver­bind­li­ches Lä­cheln. Er ha­dert mit ei­nem Te­le­fon, bis ihm ei­ne Mit­ar­bei­te­rin ge­dul­dig er­klärt, wel­che Tas­ten er drü­cken muss; wäh­rend­des­sen stol­pert der In­ter­view­er über ein Ka­bel. Ist das Pas­tew­kas Slap­stick-Au­ra? Er nickt ent­schul­di­gend. Da­bei ist er doch ab 2. Ja­nu­ar in ei­ner na­he­zu erns­ten Se­rie zu se­hen: Als Plei­tier Jo­chen Leh­mann fälscht er in „Mor­gen hör ich auf“50-Eu­ro-Schei­ne und stellt da­mit sei­ne Exis­tenz auf den Kopf. Kön­nen Sie jetzt ech­te von fal­schen Fünf­zi­gern un­ter­schei­den? BAS­TI­AN PAS­TEW­KA Aber selbst­ver­ständ­lich. Mein Au­ge ist jetzt per­fekt für das We­sent­li­che ge­schult. Ich ha­be mir die Ori­gi­nal­schei­ne so gut an­ge­schaut, dass ich die ko­pier­ten im­mer er­kannt ha­be. Und ich weiß jetzt, wie es geht. Aber ich darf es nie­man­dem ver­ra­ten. Sie kön­nen al­so al­le Si­cher­heits­merk­ma­le ei­nes Scheins auf­zäh­len? PAS­TEW­KA Ex­akt. Das kann ich. Zum Bei­spiel? PAS­TEW­KA Das darf ich Ih­nen nicht sa­gen. Da­mit ma­che ich mich schon straf­bar (lacht). Aber eins ist klar: Ich ha­be kei­ne Ah­nung, und was wir im Film an Fäl­schungs­pro­zess zei­gen, hat mit der Wahr­heit nichts zu tun. Das ist kein rich­ti­ges Fäl­schen, nicht ein­mal fal­sches Fäl­schen. Hat sich Ihr Ver­hält­nis zu Geld durch die Se­rie ver­än­dert? PAS­TEW­KA Nein. Mein per­sön­li­ches Ver­hält­nis zu Geld war schon im­mer ein ge­sun­des, weil ich ver­sucht ha­be, nicht von mei­nem Kon­to­stand auf mei­nen Cha­rak­ter zu schlie­ßen, egal wie hoch oder nied­rig der je­mals ge­we­sen ist. Das hat sich bis heu­te nicht ge­än­dert. Wenn Sie zu Hau­se die per­fek­te Geld­druck­ma­schi­ne ste­hen hät­ten ... PAS­TEW­KA Wo man 50 Cent ein­wirft und hin­ten kom­men 50 Eu­ro raus. ..., kä­men Sie in Ver­su­chung, die­se an­zu­wer­fen? PAS­TEW­KA Wer nicht? Wer wür­de nicht sa­gen, ich ver­dop­pe­le mal mein Ver­mö­gen? Die Ver­lo­ckung ist da. Mir fehlt al­ler­dings die­ses Zo­cker-Gen, das mei­ne Rol­le durch den Film bringt. Ich glau­be aber, dass die Men­schen ver­sucht sind, ihr Ver­mö­gen zu ver­grö­ßern. Die Se­rie will ja zei­gen, dass in je­dem Men­schen kri­mi­nel­le Ener­gie schlum­mert. Al­les nur ei­ne Fra­ge der Ver­zweif­lung oder der Ge­le­gen­heit. PAS­TEW­KA Und ei­ne Fra­ge der Rea­li­tät. Wir er­le­ben ja, wie Groß­kon­zer­ne schum­meln, wie Ban­ken ins Vi­sier der Auf­sich­ten ge­ra­ten. Die Kri- mi­nel­len sind ja nicht die Wirt­schaft, die Ban­ken, die, die, die, son­dern das sind ja wir, die Men­schen. In uns steckt die­ser Fun­ke. Wir müs­sen uns fra­gen, in wel­cher Welt wir le­ben, wenn wir ei­nen Be­trug be­ge­hen. Das ist die zen­tra­le Fra­ge und das The­ma un­se­rer Mi­ni-Se­rie. Sie sa­gen, Sie sind kein Zo­cker­typ. Sie set­zen al­so auf Si­cher­heit? PAS­TEW­KA Im Grun­de mei­nes Her­zens spe­ku­lie­re ich nicht auf Ver­mö­gens­ma­xi­mie­rung, son­dern auf ma­xi­ma­len Ge­nuss. Ich bin ein Ge­nuss­mensch und füh­le mich in vier Mo­na­ten Ar­beit für ei­ne ZDF-Se­rie deut­lich woh­ler als beim Be­trach­ten mei­nes Kon­to­stands. Das liegt dar­an, dass ich mein Hob­by zum Be­ruf ma­chen durf­te. Die­sem gro­ßen Glück ste­he ich so de­mü­tig ge­gen­über, dass ich des­halb al­les an­de­re si­cher ha­ben will. Als mein ers­ter Ge­halts­scheck vor 22 Jah­ren kam, wuss­te ich, ich muss jetzt al­les klar­ma­chen, was äu­ßer­lich ist – mei­ne Ver­si­che­run­gen, zum Bei­spiel. Ich bin da fuchs­ge­nau. Für mich ist Kon­sum­qua­li­tät nicht gleich Le­bens­qua­li­tät. Si­cher­heit ist Schau­spie­ler schwer zu fin­den: Die Ar­beit ist ein per­ma­nen­ter Flirt mit dem Schei­tern. PAS­TEW­KA Ex­akt. Ha­pe Ker­ke­ling hat neu­lich sinn­ge­mäß ge­sagt: Er war im­mer froh, wenn es vor­bei war. Das kann ich voll und ganz un­ter­schrei­ben.

als Heu­te schau­en Sie aber si­cher ent­spann­ter in die Zu­kunft? PAS­TEW­KA Im Ge­gen­teil. Als ich an­ge­fan­gen ha­be, hat­te ich lang lau­fen­de For­ma­te, et­wa die Wo­chen­show. Das be­deu­te­te to­ta­le Si­cher­heit. Das ist mir da­nach nie wie­der pas­siert. Da gab es im­mer wie­der lan­ge Pau­sen, ei­nen lang­wie­ri­gen krea­ti­ven Weg, und dann in­ten­si­ve Pro­jek­te. Das Ver­hält­nis von Out­put zu In­put wur­de im­mer klei­ner. Sie sind auf vie­len Bau­stel­len un­ter­wegs, ste­hen auf der Büh­ne, syn­chro­ni­sie­ren, dre­hen Fil­me. Ist das von Not­wen­dig­keit oder Spaß ge­trie­ben? PAS­TEW­KA Es ist von der Not­wen­dig­keit ge­trie­ben, von et­was exis­tie­ren zu wol­len, aber da­mit mei­ne ich we­ni­ger die Be­zah­lung. Es ist mein Wunsch, die­se Ab­wechs­lung zu ha­ben. Mei­ne Neu­gier auf neue Pro­jek­te ist so groß – ich ha­be in vie­len Sa­chen kei­nen Ehr­geiz, ha­be kei­ne Ah­nung von Fuß­ball, von Sport, ich bin auch kein sehr po­li­ti­scher Mensch –, aber bei Dreh­bü­chern wie in die­sem Fall wa­che ich auf, durch so­was fres­se ich mich durch wie durch ei­ne Dok- tor­ar­beit. Weil es mir ein Glücks­ge­fühl ver­mit­telt. Zu­rück zu „Mor­gen hör ich auf“: Fin­den Sie den Ver­gleich mit der US-Se­rie „Brea­king Bad“be­rech­tigt? PAS­TEW­KA Es gab nie ei­nen di­rek­ten oder in­di­rek­ten Auf­trag des ZDF oder sonst­wem, ei­ne Se­rie zu ma­chen, die „Brea­king Bad“äh­nelt. Ver­bun­den mit die­ser Aus­sa­ge war wohl der Wunsch zu be­to­nen, das „Mor­gen hör ich auf“ähn­lich viel Auf­merk­sam­keit er­zie­len könn­te. Ich tue mich im­mer schwer da­mit, Er­folg zu pro­gnos­ti­zie­ren. Das Eti­kett wird aber an uns haf­ten blei­ben. Bei der Ar­beit ha­ben wir das je­doch kom­plett aus­ge­blen­det. Ist das Eti­kett viel­leicht schäd­lich, weil es fal­sche Er­war­tun­gen schürt? PAS­TEW­KA Das kann sein. Aber es ist sehr schwer, den Er­war­tun­gen des Pu­bli­kums vor­an zu spe­ku­lie­ren. Ich kann für mich nur sa­gen: Es bringt nichts, sich in den Ver­gleich mit ir­gend­et­was zu stel­len. Wie schau­en Sie Se­ri­en? Das so­ge­nann­te Bin­ge-Watching ist ja schwer an­ge­sagt. PAS­TEW­KA Ge­nau so. Erst wer­den al­le Fol­gen ge­sam­melt, dann an ei­nem Wo­che­n­en­de weg­ge­guckt. Wo­che für Wo­che auf ir­gend­et­was war­ten, das ma­che ich nicht. In mei­ner Frau ha­be ich zu­dem mei­ne Meis­te­rin ge­fun­den. Die sagt, zwei Fol­gen wer­den wir ja wohl noch schaf­fen, ist doch erst 2Uhr. Wor­an mes­sen Sie Er­folg? Quo­te al­lei­ne ist ja heu­te, wo Fil­me auch in der Me­dia­thek aus­ge­wer­tet und als DVD ver­kauft wer­den, nicht mehr un­be­dingt aus­schlag­ge­bend. PAS­TEW­KA Im­mer dann, wenn die Quo­te nicht die Er­folgs­grund­la­ge ist, kön­nen wir uns ja freu­en. Mo­men­tan sa­gen al­le, Strea­m­ing-Di­ens­te sei­en das neue Pa­ra­dies. Aber nie­mand weiß, wie vie­le User et­wa Net­flix hat. Ich weiß nur, dass ich un­glaub­lich Zu­spruch von Fans be­kom­me, seit mei­ne Se­rie „Pas­tew­ka“dort an­ge­bo­ten wird. Ob ich dar­aus auf ei­ne ge­wis­se Quo­te oder ei­nen ge­wis­sen Er­folg schlie­ßen kann, weiß ich aber nicht. Fern­seh­ma­cher sa­gen al­ler­dings bis heu­te, die Quo­te ist al­les, wor­um es letzt­lich geht. Das ist nach wie vor so. Jetzt wer­den zum Schein noch Ziel­grup­pen er­wei­tert, das ist aber al­les nur, um den ei­ge­nen Fort­be­stand zu si­chern. Wäh­rend sich im Netz so viel Wahn­sin­ni­ges ver­brei­tet, dass man we­der auf Qua­li­tät noch auf Quo­te ach­ten muss. Und der ei­ge­ne Er­folg? Wor­an be­mes­sen Sie den? PAS­TEW­KA Man weiß es nicht. Man kriegt kein Bun­des­ver­dienst­kreuz da­für oder ei­ne Ur­kun­de, auf der steht: Hast du gut ge­macht. Son­dern du gibst Dei­ne Spiel­lau­ne letzt­lich in die lee­re Step­pe. Zu „Mor­gen hör ich auf“kann ich nur sa­gen, dass das ei­ne un­ge­heu­er an­ge­neh­me und an­stren­gen­de Ar­beit ge­we­sen ist. Das ist für mich auch schon ein Er­folg. Pas­tew­ka ist ja längst ei­ne Mar­ke. Lau­fen Sie Ge­fahr, die­se Mar­ke mit zu viel Aus­flü­gen zu ver­wäs­sern? PAS­TEW­KA Ich ma­che die Sen­dun­gen nicht in ers­ter Li­nie für die Spe­zi­es Fan. Weil ich dann ein viel grö­ße­res Pro­blem hät­te – näm­lich, dass ich mich mit ei­ner klei­nen Grup­pe ver­ab­re­de und sa­ge, ihr folgt mir jetzt bis an mein Le­bens­en­de. Das will ich nie­man­dem zu­mu­ten. Es ist wahn­sin­nig schwie­rig, sich je­mals mit dem Pu­bli­kum zu ver­bin­den, zu ver­brü­dern und al­le zu­frie­den­zu­stel­len. Ich glau­be, man soll­te es ma­chen für das Pu­bli­kum X. Und wer weiß, ob das viel­leicht nur mei­ne Mut­ter ist.

FOTO: DPA

Schau­spie­ler und Co­me­di­an Bas­ti­an Pas­tew­ka

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