Ein Schalt­jahrs-Kind spricht Kl­ar­text

2016 gibt es wie­der ei­nen 29. Fe­bru­ar – wer an dem Tag ge­bo­ren ist, hat es nicht leicht. Doch nicht das Phä­no­men Schalt­jahr nervt, son­dern die Mit­men­schen tun es, fin­det Holger Hint­zen, in Mön­chen­glad­bach le­ben­der RP-Re­dak­teur.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON HOLGER HINT­ZEN

Nein, über mein Ge­burts­da­tum re­de ich nicht ger­ne. Das hat nichts mit mei­nem Al­ter zu tun. Son­dern mit den im­mer glei­chen Re­ak­tio­nen mei­ner Mit­men­schen auf die Tat­sa­che, dass ich an ei­nem 29. Fe­bru­ar ge­bo­ren wur­de. Dank der Be­mü­hun­gen des Paps­tes Gregor XIII. um ei­nen schnit­ti­ge­ren Ka­len­der ist die­ser Tag zwar seit mehr als 400 Jah­ren weit­hin ge­üb­te Pra­xis. Den­noch haut das Da­tum die meis­ten Men­schen im­mer noch aus den Pan­ti­nen. Ty­pi­sches Par­ty-Ge­plau­der: „Waaaas? Du hast am 29. Fe­bru­ar Ge­burts­tag? Ahh, wie ist das denn so, nur al­le vier Jah­re Ge­burts­tag zu ha­ben? Los, sag doch mal...“Und schon soll ich wie­der er­klä­ren. Seufz.

Da­bei ist die Wahr­heit höchst sim­pel: Das ein­zig Be­son­de­re an die­sem Ge­burts­da­tum ist, im­mer wie­der die­se Fra­gen be­ant­wor­ten zu müs­sen. „Ja, aber...“Nein, nix aber! Das ge­le­gent­li­che Vor­han­den­sein ei­nes 29. Fe­bru­ars ist nicht auf­re­gen­der als die Tat­sa­che, dass ein 31. De­zem­ber im Ka­len­der zu fin­den ist, ein 31. No­vem­ber aber nicht. Oder hat bis­her je­mand den 31. No­vem­ber ernst­haft ver­misst? Ich je­den­falls nicht. Mer­ke: Je­der Tag im Le­ben zählt. Aber wie er heißt, ist völ­lig schnurz.

Jahr­zehn­te­lan­ge Er­fah­rung hat mich je­doch ge­lehrt: Es wird wei­ter ge­fragt – oder auch fein­sin­nig kom­men­tiert: „Hey, wenn Du nur al­le vier Jah­re Ge­burts­tag hast, kannst du ja erst mit 260 Jah­ren in Ren­te ge­hen, hihi!“Das ist na­tür­lich Blöd­sinn. Denn dank Ren­ten­re­form soll ich als 1964er Spät­le­se erst mit 268 Jah­ren voll­um­fäng­lich des Gna­den­bro­tes teil­haf­tig wer­den. Aber das ist kein Knal­ler­the­ma, mit dem man auf ei­ner Par­ty ei­ne un­be­kann­te Schö­ne in ein an­re­gen­des Ge­spräch ver­wi­ckeln könn­te. Glau­ben Sie mir, Tests ha­ben zu un­be­frie­di­gen­den Er­geb­nis­sen ge­führt.

Das Schlim­me ist halt: Al­ters­wei­ser Gleich­mut be­züg­lich des Schalt­jahr-Phä­no­mens sta­chelt den in­qui­si­to­ri­schen Ei­fer der Mit­men­schen erst rich­tig an. „Ja, aber wann fei­erst Du denn Ge­burts­tag, wenn der Fe­bru­ar 28 Ta­ge hat? Das muss doch blöd sein. Oder ist doch auch ganz prak­tisch, weil Du Dir aus­su­chen kannst, wann Du fei­erst. Oder?“In Jüng­lings­jah­ren ant­wor­te­te ich an die­ser Stel­le wahr­heits­ge­mäß: „Ich feie­re halt, wann es am bes­ten passt.“

Heu­te, im fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um mei­nes Er­den­wan­dels, ist das an­ders. Zu fei­ern, dass man äl­ter wird, er­scheint mir nicht mehr als ein stim­mi­ges Kon­zept. Al­so pfle­ge ich zur Zeit mei­nes Wie­gen­fes­tes ei­ner Lieb­lings­be­schäf­ti­gung nach­zu­ge­hen und auf Rei­sen zu sein. So will ich es auch 2016 hal­ten. Wenn wie­der mal ein 29. Fe­bru­ar im Ka­len­der er­scheint, möch­te ich ihn ir­gend­wo auf Sri Lan­ka igno­rie­ren. Da un­ten ist es le­cker warm – und die ha­ben da ein ent­spann­tes Ver­hält­nis zu Ka­len­der­fra­gen. Neh­men wir zum Bei­spiel Di­wa­li, ein gro­ßes Fest, das im­mer am 15. Tag des Hin­du­mo­nats Kar­tik be­ginnt. Der Clou: Weil der Ter­min nach dem Mond be­rech­net wird, schun­kelt der Di­wa­li-Ter­min über die Jah­re läs­sig zwi­schen Mit­te Ok­to­ber und Mit­te No­vem­ber.

In­ter­es­sant, nicht wahr? Im Fe­bru­ar muss ich un­be­dingt ein paar Sri Lan­ker fra­gen, wie das ei­gent­lich ist, wenn man Di­wa­li je­des Jahr an an­de­ren Ta­gen fei­ert. Das ist doch jeck, oder? Los, sagt doch mal...

FOTO: ANDRE­AS KREBS

Dia­lo­gre­dak­teur Holger Hint­zen ist ge­bür­ti­ger Jü­che­ner.

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