Ei­ne Ty­po­lo­gie der WG-Mit­be­woh­ner

Rheinische Post Moenchengladbach - - HOCHSCHULE -

BER­LIN (dpa) Mit dem Stu­di­um be­ginnt für vie­le ein Aben­teu­er: das Le­ben in ei­ner WG. Ge­ra­de in Städ­ten, in de­nen der Wohn­raum knapp und teu­er ist, ist die­se Wohn­form sehr be­liebt. Die WG bringt aber nicht nur das er­sehn­te Zim­mer in der zen­tral­ge­le­ge­nen Alt­bau­woh­nung, son­dern auch die unterschiedlichsten Mit­be­woh­ner mit sich. Ob Cha­ot oder Spie­ßer: Man­chen Zim­mer­nach­barn trifft man im­mer wie­der. Hier ei­ne Ty­po­lo­gie di­ver­ser WG-Ge­nos­sen und Tipps da­zu, wie man es mit ih­nen aus­hält. Spie­ßer Er liebt den Ge­ruch vom frisch ge­wisch­ten Fuß­bo­den. Mit der Lei­den­schaft zum Lis­ten­schrei­ben treibt der Spie­ßer sei­ne Zim­mer­nach­barn zur Weiß­glut. Cha­os ist sein Feind. Der Putz­plan sein bes­ter Freund. „Wer sich an die­sen hält, wird kei­ne Pro­ble­me mit dem Spie­ßer ha­ben“, sagt Mat­thi­as Hen­sche vom Wohn­raumser­vice des Hoch­schul So­zi­al­werks Wup­per­tal. Cha­ot Wo ist mein Schlüs­sel? Hat je­mand mein Haus­tier ge­se­hen? Das sind die Stan­dard­sät­ze des Chao­ten. Das Zim­mer die­ses Mit­be­woh­nerTyps sieht man nur sel­ten. Die Tür ist meis­tens zu. Soll­te man doch in sein Reich stol­pern, folgt im­mer: „Ich muss noch auf­räu­men.“In den meis­ten Fäl­len bleibt es bei der Ab­sichts­er­klä­rung. „Der Cha­ot lernt nur aus Feh­lern, al­so lie­ber nicht ein­mi­schen, wenn er wie­der et­was ver­lo­ren hat“, so Ste­fan Grob vom Deut­schen Stu­den­ten­werk in Ber­lin. Phan­tom Ein lau­tes Knar­ren, ein lei­ses Flüs­tern: Mehr be­kommt man vom WG-Phan­tom nicht mit. Mar­kan­tes­tes Er­ken­nungs­merk­mal – Ab­we­sen­heit. Ge­nau zwei­mal im WG-Le­ben sieht man das Phan­tom ga­ran­tiert: beim WG-Cas­ting und bei der Schlüs­sel­über­ga­be. Wer sich die Woh­nung mit die­sem Mit­be­woh­ner-Typ teilt, soll­te sich auf ru­hi­ge Aben­de al­lein in der Kü­che oder im Wohn­zim­mer ein­stel­len. Denn die WG mit ei­nem Phan­tom er­in­nert eher ans Al­lein­ele­ben. „Der WG-Be­woh­ner soll­te sich al­so im Vor­feld über sei­ne Wohn­art-Vor­lie­ben klar sein“, sagt Ka­trin Ban­se­mer vom Stu­die­ren­den­werk Hei­del­berg. Wer sich auf das bun­te Trei­ben in ei- ner Stu­den­ten-WG ge­freut hat, ist hier falsch. Ga­mer Sein Biorhyth­mus passt nicht in das WG-Le­ben. Wenn al­le schla­fen, wird der Ga­mer rich­tig wach. Nachts treibt er sich in der Welt von mys­ti­schen Spie­len her­um. In der vir­tu­el­len Welt fühlt er sich zu Hau­se. Tags­über holt er den man­geln­den Schlaf nach. Wer die­sen Mit­be­woh­ner-Typ nä­her ken­nen­ler­nen will, soll­te ein­fach mit ihm in die di­gi­ta­le Welt ab­tau­chen. Glu­cke Sie ist die gu­te See­le der WG. Das Wort Ge­mein­schaft wird bei der Glu­cke be­son­ders groß ge­schrie­ben. Rund um die Uhr möch­te die­ser Ty­pus für ein Mit­ein­an­der sor­gen. Egal, ob am Herd, vor dem Fern­se­her, ja und auch vor dem Spie­gel im Ba­de­zim­mer ist sie im­mer li­ve da­bei. Ne­ben­be­ruf­lich ist die Glu­cke WG-Ko­or­di­na­to­rin für Aus­flü­ge oder kusch­li­ge Koch­aben­de und Mo­de­ra­to­rin für end­lo­se Ge­sprä­che. Wer jetzt denkt: Zim­mer­tür zu, Glu­cke weg, der irrt. Die­se Mit­be­woh­ne­rin kennt kei­ne Gren­ze. „Hier hel­fen kei­ne An­deu­tun­gen, son­dern Sprech­zei­ten. Bei so ei­nem Mit­be­woh­ner-Typ muss man klar sa­gen, wann es ei­nem zu viel wird“, sagt Ste­fan Grob. Par­ty­lö­we Das Wohn­zim­mer wirkt wie ein U-Bahn­hof. Stän­dig schwir­ren neue Leu­te durch den Flur. Den Kö­nig des WG-Dschun­gels er­kennt man an sei­nem Dau­er­par­ty­mo­dus. Wer mit dem Par­ty­lö­wen zu­sam­men­wohnt, kann sei­ne Nacht­ru­he ver­ges­sen. „Wenn man bei der Feie­rei nicht mit­ma­chen möch­te, soll­te man Grup­pen­druck auf­bau­en und an­de­re Leu­te aus der WG mit ins Boot ho­len“, emp­fiehlt Hen­sche. Schnor­rer Der Su­per­markt hat­te zu, der Bank-Au­to­mat war leer: Der Schnor­rer ist ein Meis­ter im Er­fin­den von Aus­re­den. Ob Wasch­pul­ver oder Dusch­gel: Bei ihm herrscht ein­fach stän­dig Be­darf. Mit „Kannst du mir mal“fan­gen die meis­ten sei­ner Sät­ze an. Auf­re­gen bringt nichts, denn dann folgt so­wie­so: „Stell’ dich nicht so an, ist doch nur ein Jo­ghurt.“„Bei so ei­nem Mit­be­woh­ner hel­fen nur ab­schließ­ba­re Fä­cher in der Kü­che und im Bad“, emp­fiehlt Hen­sche.

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