No­men est omen

Rheinische Post Moenchengladbach - - HOCHSCHULE - VON HEI­NER BARZ

An­we­sen­heits­pflicht nur noch für Pro­fes­so­ren – aber nicht für die Stu­den­ten. Die­ser re­gie­rungs­amt­li­che Schild­bür­ger­streich im Hoch­schul­zu­kunfts­ge­setz für NRW sorg­te für viel Un­mut, Un­ver­ständ­nis und auch für Sar­kas­mus. Wer al­ler­dings ge­dacht hat­te, zur An­we­sen­heits­pflicht be­zie­hungs­wei­se zu ih­rer Ab­schaf­fung vor gut ei­nem Jahr durch das neue Hoch­schul­ge­setz, sei al­les ge­sagt, der hat­te sei­ne Rech­nung oh­ne den Ham­bur­ger Kol­le­gen Rolf Schul­meis­ter ge­macht. Den ha­ben die selt­sa­men Ar­gu­men­te un­se­res Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums näm­lich so er­zürnt, dass er die Sa­che nicht auf sich be­ru­hen las­sen woll­te. In ei­ner akri­bi­schen Re­cher­che hat er nun ei­ne Me­ta­stu­die zu­sam­men­ge­stellt, die bi­lan­ziert, was Hoch­schul­for­scher in­ter­na­tio­nal über den Ein- fluss von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit auf den Stu­di­en­er­folg her­aus­ge­fun­den ha­ben. Die Er­geb­nis­se von im­mer­hin knapp 300 Stu­di­en aus 25 Län­dern fasst er so zu­sam­men, dass die Stu­die­ren­den, die Lehr­ver­an­stal­tun­gen „schwän­zen“be­zie­hungs­wei­se aus an­de­ren Grün­den nicht be­su­chen, ge­ne­rell die schlech­te­ren Leis­tun­gen in Prü­fun­gen ab­lie­fern. Dass man al­so nie­man­dem ei­nen Ge­fal­len tut, wenn man auf das Mo­ni­to­ring der An­we­sen­heit ver­zich­tet. Denn ge­ra­de die schwä­che­ren Stu­die­ren­den wür­den – so sein em­pi­risch ge­stütz­tes Ar­gu­ment – pro­fi­tie­ren, wenn man ei­ne ge­wis­se Ver­bind­lich­keits­struk­tur auf­recht­er­hält. Dass die von ihm da­für her­an­ge­zo­ge­nen Da­ten zwar ei­ne Kor­re­la­ti­on von Prü­fungs­leis­tung und An­we­sen­heit – aber eben kei­ne Kau­sa­li­tät in dem Sin­ne be­le­gen, dass das ei­ne aus dem an­de­ren zwei­fels­frei folgt, weiß Schul­meis­ter selbst am bes­ten. Al­so sucht er nach Dritt­va­ria­blen wie Mo­ti­va­ti­on oder Per­sön­lich­keits­merk­ma­len. Ehr­li­cher­wei­se muss man ein­räu­men, dass die aus­ge­fuchs­te Ar­gu­men­ta­ti­on von Prof. Schul­meis­ter ba­sie­rend auf sehr un­ter­schied­lich an­ge­leg­ten Ein­zel­stu­di­en wohl nicht je­den rest­los über­zeu­gen wird. Als un­strit­tig in­des­sen kann man fest­hal­ten, dass der ge­schätz­te Kol­le­ge Schul­meis­ter ein wei­te­res Mal sei­nem Na­men al­le Eh­re ge­macht hat.

FOTO: WER­NER GA­B­RI­EL

Un­ser Au­tor ist Bil­dungs­for­scher an der Uni Düsseldorf.

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