Na­ta­lie Port­man greift zur Knar­re

„ Ja­ne got a gun“schwankt zwi­schen Rühr­film und Bal­ler-Action.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON MAR­CO KREFTING

Hass und Ra­che­ge­lüs­te, ge­paart mit ein biss­chen Angst und viel Selbst­er­hal­tungs­trieb: Das ist der gän­gi­ge Ge­fühls­mix für ei­nen Wes­tern. Sen­ti­men­ta­les Schwel­gen zwei­er Lie­ben­der in der ge­mein­sa­men Ver­gan­gen­heit passt da eher nicht so gut. Der Stoff von „Ja­ne got a gun“taugt für bei­des: Ja­ne, ge­spielt von Os­car-Preis­trä­ge­rin Na­ta­lie Port­man, will ih­re Farm ver­tei­di­gen. Ihr Ehe­mann Bill „Ham“Ham­mond (Noah Em­me­rich) ist vor Jah­ren aus ei­ner Ga­no­ven­ban­de aus­ge­stie­gen und hat da­bei viel Blut ver­gos­sen. Der Trupp ist ihm nun auf die Sch­li­che ge­kom­men und hat den Hü­nen mit Blei durch­lö­chert. Er rö­chelt nur noch, fällt für den Wi­der­stand al­so aus, wes­halb sich Ja­ne Hil­fe bei ih­rem Ex-Ver­lob­ten Dan Frost (Jo­el Ed­ger­ton) sucht.

Über Rück­blen­den mit Korn­feld­ro­man­tik wird die Ge­schich­te des Tri­os in den 1860ern, zur Zeit des Bür­ger­kriegs, um­ständ­lich er­zählt. Wäh­rend die bei­den Kampf­fä­hi­gen auf den An­griff der Ban­de um John Bi­shop (Ewan McG­re­gor) war­ten, kom­men sie sich dank der Er­in­ne­run­gen an die idyl­li­sche Zeit wie­der nä­her. Das hät­te Po­ten­zi­al, auf die Trä­nen­drü­sen zu drü­cken – wür­de ein paar Se­kun­den spä­ter nicht das Ge­bal­ler los­ge­hen.

„Der Wes­ternas­pekt die­ses Films ist ei­ne Me­ta­pher für Lie­be und die We­ge, auf de­nen wir uns ge­gen­sei­tig ver­let­zen, oh­ne es zu­rück­neh­men zu kön­nen“, sagt Port­man. „Wenn du ein­mal et­was tust, kannst du da­mit ei­ne Be­zie­hung ir­re­pa­ra­bel zer­stö­ren.“Port­man ist ei­ne Emp­find­sa­me, die mit ih­rer Zer­brech­lich­keit im Bal­lett-Psy­cho­thril­ler „Black Swan“gut be­setzt war. Dass Ja­ne um ih­re Fa­mi­lie kämpft, ger­ne ih­re Ru­he hät­te und in Frie­den le­ben wür­de, kauft man ihr auch in „Ja­ne got a gun“ab. Die har­te, bis­wei­len rach­süch­ti­ge Wes­tern­braut eher nicht. Auch wenn Ja­ne ei­ne Waf­fe hat – und die­se auch be­nutzt – kä­me sie oh­ne ih­ren Ex nicht weit.

Da­mit ver­fehlt der Film auch den An­spruch, ei­ne Frau in den Fo­kus zu neh­men und auf die­se Wei­se ei­ne Al­ter­na­ti­ve zum tes­to­ste­ron­las­ti­gen Stan­dard-Wes­tern zu bie­ten. Da war et­wa „The Ho­mes­man“mit Hi­la­ry Swank in der Haupt­rol­le im ver­gan­ge­nen Jahr wei­ter. Nun bleibt der Ver­such, in der ma­le­ri­schen – wenn auch bis­wei­len staub­tro­cke­nen – Land­schaft im US-Bun­des­staat New Me­xi­co ei­nen et­was an­de­ren Wes­tern zu zei­gen. Das klappt. Frag­lich ist dann nur, wes­sen Ge­schmack die­se Ver­si­on am En­de trifft: Wes­tern­freun­de oder Lieb­ha­ber von Herz-Schmerz-Ge­schich­ten. „Ja­ne got a gun“, USA 2014, 98 Min., Re­gie: Ga­vin O’Con­nor, mit: Na­ta­lie Port­man, Jo­el Ed­ger­ton, Ewan McG­re­gor, Noah Em­me­rich

FOTO: DPA

Na­ta­lie Port­man muss das Le­ben ih­res Man­nes ge­gen Ga­no­ven ver­tei­di­gen, mit de­nen er sich ein­ge­las­sen hat­te.

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