Etap­pen­sieg für Te­le­kom-Ak­tio­nä­re

Im Som­mer 2000 ha­ben vie­le T-Ak­ti­en ge­kauft und da­mit Ver­lus­te er­lit­ten. Auf Scha­den­er­satz müs­sen sie aber wei­ter war­ten, auch wenn das OLG Frankfurt die Te­le­kom für ei­nen schwe­ren Feh­ler im Bör­sen­pro­spekt ver­ant­wort­lich macht.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

FRANKFURT (dpa) Mehr als 16 Jah­re nach dem drit­ten Bör­sen­gang der Deut­schen Te­le­kom sind ent­täusch­te Klein­an­le­ger ei­nem Scha­den­er­satz ei­nen ent­schei­den­den Schritt nä­her­ge­kom­men. Das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Frankfurt ent­schied in ei­nem Mus­ter­ver­fah­ren, dass das Un­ter­neh­men ei­nen schwer­wie­gen­den Feh­ler im da­ma­li­gen Ver­kaufs­pro­spekt für die Emis­si­on im Jahr 2000 ver­schul­det hat. Die mehr als 16.000 Klä­ger müs­sen sich aber bis zu ei­nem Scha­den­er­satz wei­ter ge­dul­den. Zu­nächst steht der Te­le­kom der er­neu­te Gang zum Bun­des­ge­richts­hof in Karlsruhe of­fen, was nach den Wor­ten ih­res An­walts in den kom­men­den Ta­gen ge­prüft wird.

Das OLG ent­schied aber dar­über hin­aus, dass nur in je­dem Ein­zel­fall ge­klärt wer­den kön­ne, ob der je­wei­li­ge An­le­ger bei sei­ner Kauf­ent­schei­dung den Bör­sen­pro­spekt über­haupt be­rück­sich­tigt hat­te. Wä­re dies nicht der Fall, könn­te er sich auch nicht auf den Feh­ler be­ru- fen. Die bis­lang mit den Ak­ti­en ein­ge­nom­me­nen Di­vi­den­den müss­ten zu­dem auf den Scha­den an­ge­rech­net wer­den, so das Ge­richt. An­de­rer­seits stün­den den An­le­gern für ih­re Ka­pi­tal­ver­lus­te die ge­setz­li­chen Ver­zugs­zin­sen zu. Nach Be­rech­nun­gen der An­walts­kanz­lei Tilp könn­ten so aus der Aus­gangs-Scha­den­sum­me von 80 Mil­lio­nen be­reits et­wa 200 Mil­lio­nen Eu­ro ge­wor­den sein. Da­bei ha­be man aber nicht die Di­vi­den­den ab­ge­zo­gen, sag­te Klä­ger­an­walt Andre­as Tilp.

Aber: „Die Deut­sche Te­le­kom muss ih­re Nie­der­la­ge ein­se­hen und end­lich zah­len“, for­der­te Tilp. Ei­ne in­di­vi­du­el­le Über­prü­fung der Aus­gangs­fäl­le wür­de nach sei­ner An­sicht das Frank­fur­ter Land­ge­richt über Jah­re hin­weg lahm le­gen.

Es sind aus­schließ­lich Pa­pie­re aus dem drit­ten Te­le­kom-Bör­sen­gang im Ju­ni des Jah­res 2000 be­trof­fen. Sie stamm­ten aus dem Be­stand der staat­li­chen Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) und wur­den mit er­heb­li­chem Wer­be­auf­wand zum Früh­bu­cher­preis von 63,50 Eu­ro, re­gu­lär 66,50 Eu­ro, un­ters Volk ge­bracht. In Frankfurt wird ex­em­pla­risch der Fall ei­nes schwä­bi­schen Pen­sio­närs ge­klärt, der 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro von der Te­le­kom ge­for­dert hat­te. Der Muster­klä­ger ist mitt­ler­wei­le ver­stor­ben. Auf den Rechts­streit hat das kei­nen Ein­fluss. Der Bund er­lös­te beim drit­ten Bör­sen­gang der Te­le­kom rund 15,3 Mil­li­ar­den Eu­ro und bat das Un­ter­neh­men we­ni­ge Wo­chen spä­ter bei der Ver­stei­ge­rung von UMTS-Mo­bil­funk­li­zen­zen er­neut mit mehr als 16 Mil­li­ar­den Eu­ro zur Kas­se. Dies und der stark über­teu­er­te Zu­kauf des US-ame­ri­ka­ni­schen Andre­as Tilp An­walt von Te­le­kom-Ak­tio­nä­ren Mo­bil­funk­be­trei­bers Voice­stream lie­ßen in der Fol­ge die T-Ak­tie ab­stür­zen. Der Höchst­kurs von 103,50 Eu­ro aus dem März 2000 wur­de nie wie­der er­reicht. Ak­tu­ell no­tiert die T-Ak­tie um die 15 Eu­ro. Die Klä­ger fühl­ten sich durch das Un­ter­neh­men ge­täuscht und klag­ten auf Scha­den­er­satz für die er­lit­te­nen Kurs­ver­lus­te.

Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat­te be­reits vor zwei Jah­ren im da­ma­li­gen Ver­kaufs­pro­spekt ei­nen schwer­wie­gen­den Feh­ler zur USBe­tei­li­gung Sprint ent­deckt, die Fra­ge des Ver­schul­dens der Te­le­kom aber er­neut den Frank­fur­ter Rich­tern über­las­sen. Sämt­li­che Be­tei­lig­ten rech­nen da­mit, dass nach dem Frank­fur­ter Pro­zess er­neut der BGH an­ge­ru­fen wird. Erst nach En­de die­ses Mus­ter­ver­fah­rens kann dann das Land­ge­richt Frankfurt die ein­zel­nen Kla­gen aus­ur­tei­len. Ak­ti­en­käu­fer, die sich nicht den Kla­gen an­ge­schlos­sen ha­ben, ha­ben oh­ne­hin kei­ne Aus­sicht auf Ent­schä­di­gung.

„Die Te­le­kom muss ih­re Nie­der­la­ge ein­se­hen und end­lich zah­len“

FOTO: DPA

Te­le­kom-Chef Ron Som­mer beim Bör­sen­gang 1996

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