Sa­ti­re­ma­ga­zin „Char­lie Heb­do“er­scheint erst­mals auf Deutsch

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR -

BERLIN (dpa) Das fran­zö­si­sche Sa­ti­re­ma­ga­zin „Char­lie Heb­do“bringt heu­te erst­mals ei­ne deutsch­spra­chi­ge Aus­ga­be in den Han­del. „Wir ha­ben Deutsch­land ge­wählt, da wir bei Ver­an­stal­tun­gen hier so warm will­kom­men ge­hei­ßen wur­den“, er­klär­te das Team. Mit dem Ter­ror­an­schlag vom 7. Ja­nu­ar 2015, bei dem Is­la­mis­ten in die Pa­ri­ser Re­dak­ti­on ein­dran­gen und zwölf Men­schen er­mor­de­ten, war das Ma­ga­zin welt­weit zu trau­ri­ger Be­rühmt­heit ge­kom­men. Auch in Deutsch­land mach­ten vie­le Men­schen sich den So­li­da­ri­täts-Slo­gan „Je su­is Char­lie“(Ich bin Char­lie) zu ei­gen. Die „Num­mer der Über­le­ben­den“ei­ne Wo­che nach dem An­schlag ver­kauf­te sich in Deutsch­land 70.000 Mal, ob­wohl sie nur auf Fran­zö­sisch er­schien.

Die deut­sche Aus­ga­be soll nun wö­chent­lich er­schei­nen und 16 Sei­ten ha­ben wie die fran­zö­si­sche. Zu­nächst wird sie auch in wei­ten Tei­len ei­ne Über­set­zung der Ori­gi­nal­aus­ga­be sein. Al­ler­dings will die Pa­ri­ser Re­dak­ti­on auch ex­klu­si­ve Tex­te und Zeich­nun­gen schaf­fen und da­mit all­zu Frank­reich-spe­zi­fi­sche The­men er­set­zen. In der ers­ten deut­schen Aus­ga­be er­scheint ei­ne vier­sei­ti­ge ge­zeich­ne­te Re­por­ta­ge, ei­ne Art Be­stands­auf­nah­me der so­zia­len und wirt­schaft­li­chen La­ge Deutsch­lands durch zahl­rei­che In­ter­views. Künf­tig ist auch die Zu­sam­men­ar­beit mit deut­schen Sa­ti­ri­kern ge­wünscht, heißt es. Zum Start wer­den 200.000 Ex­em­pla­re ge­druckt.

Ge­steu­ert wird die deut­sche Aus­ga­be von ei­ner deut­schen Chef­re­dak­teu­rin, sie ar­bei­tet aus Si­cher­heits­grün­den un­ter Pseud­onym und nennt sich Min­ka Schnei­der. Knapp zwei Jah­re nach dem An­schlag ent­steht „Char­lie Heb­do“wei­ter­hin an ei­nem ge­hei­men Ort und un­ter Po­li­zei­schutz. Die gro­ße Fra­ge ist nun, ob der schar­fe Ton des Ma­ga­zins auch in Deutsch­land funk­tio­niert? „Hu­mor gibt es ja über­all, selbst in Deutsch­land, da bin ich si­cher“, sag­te der pu­bli­zis­ti­sche Lei­ter Lau­rent Sou­ris­seau, ge­nannt Riss, dem ARD-„Eu­ro­pa­ma­ga­zin“. Auf ei­nem Wer­be­pla­kat zum Start der deut­schen Aus­ga­be sitzt Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel auf der Toi­let­te und liest „Char­lie Heb­do“. Dar­un­ter steht: „Wirkt be­frei­end.“

FOTO: AFP

Pla­kat zum Deutsch­land-Start von „Char­lie Heb­do“.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.