Schau­fens­ter Bay­er Le­ver­ku­sen

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON STE­FA­NIE SANDMEIER

LE­VER­KU­SEN Es hät­te nicht viel ge­fehlt, und Ömer To­prak wä­re in die­sem Som­mer nach Dort­mund ge­wech­selt. Der BVB zeig­te kon­kre­tes In­ter­es­se am Le­ver­ku­se­ner In­nen­ver­tei­di­ger. Der aber durf­te den Verein nicht wech­seln, weil sich die Ver­ei­ne nicht über die Ab­lö­se ei­nig wur­den. Sein Ab­gang in­des scheint nur auf­ge­scho­ben. Dass der Tür­ke nach die­ser Sai­son sei­ne Aus­stiegs­klau­sel (12 Mil­lio­nen) zieht, gilt als be­schlos­se­ne Sa­che.

Das Tau­zie­hen um den 27-Jäh­ri­gen war rund um die BayA­re­na wäh­rend der Pau­se al­ler­dings das ein­zig be­herr­schen­de The­ma. Die größ­te Ve­rän­de­rung war, dass es prak­tisch kaum ei­ne gab. Bay­er, das sich selbst stets als ers­te Adres­se für ta­len­tier­te Spie­ler sieht, die sich auf ho­hem Ni­veau Rich­tung Top-Le­vel ent­wi­ckeln, ge­lang es, das Ge­rüst des Ka­ders zu hal­ten. Mit ei­ner ein­ge­spiel­ten und nur punk­tu­ell ver­stärk­ten Mann­schaft woll­te man den Ab­stand zur Spit­ze ver­rin­gern.

Das klang plau­si­bel. Und dass Ro­ger Schmidt vor sei­ner drit­ten Sai­son bei Bay­er „un­ser bes­tes Jahr“kom­men sah, schien an­ge­sichts der Vor­aus­set­zun­gen auch nicht ver­mes­sen. Zu­mal nicht nur ge­stan­de­ne Pro­fis wie eben To­prak oder Stür­mer Chicha­ri­to blie­ben. Auch Ka­rim Bel­la­ra­bi (im Mo­ment ver­letzt) wur­de von Dort­mund um­wor­ben. Bay­er ließ ihn aber nicht – kauf­te ihm statt­des­sen im Zu­ge ei­ner Er­hö­hung der Be­zü­ge sei­ne Klau­sel ab und ver­län­ger­te den Ver­trag bis 2021. Auch Wen­dell und Bernd Le­no band Bay­er 04 lang­fris­tig, das im Wer­ben um sol­che Spie­ler mit der Cham­pi­ons Le­ague ein zen­tra­les Ar- gu­ment auf sei­ner Sei­te hat – und da­durch längst ein Schau­fens­ter für Ta­len­te ge­wor­den ist. Zum elf­ten Mal spielt der Klub be­reits in der Kö­nigs­klas­se. Das, sagt Völ­ler, „ist aber al­les an­de­re als selbst­ver­ständ­lich. Auch nicht für Bay­er Le­ver­ku­sen.“

Dass jun­ge Spie­ler Le­ver­ku­sen als Sprung­brett für ih­re Kar­rie­re aus­wäh­len, hat sich der Klub er­ar­bei­tet. Zum Stamm­per­so­nal ge­hör­ten zu­letzt mit Kai Ha­vertz und Ben­ja­min Hen­richs ein 17- und ein 19-Jäh­ri­ger. Tah und Brandt sind bei­de 20 und in­zwi­schen nicht nur für Bay­er un­ver­zicht­bar, son­dern auch in der Na­tio­nal­mann­schaft an­ge­kom­men.

Das bleibt nicht un­be­merkt. Um bei­de wird viel spe­ku­liert. Tah – ein Kan­di­dat für Jür­gen Klopp und den FC Li­ver­pool? Ju­li­an Brandt für die Bay­ern, Man­ches­ter Ci­ty oder auch Li­ver­pool? Wel­cher Klub sich letzt­lich ernst­haft be­müht, kön­nen Sport­chef Ru­di Völ­ler und Ma­na­ger Jo­nas Boldt ent­spannt ab­war­ten. Bei­de ha­ben längst Übung im Um­gang mit Ge­rüch­ten. Bei Brandt geht es frei­lich dar­um, was aus sei­nem bis 2019 da­tier­ten Ver­trag wird. Bay­er 04 ist be­müht, sei­ne Klau­sel zu ver­än­dern oder gar zu strei­chen. An­dern­falls könn­te er 2018 für rund 20 Mil­lio­nen Eu­ro wech­seln. Für ei­nen der­art ver­an­lag­ten Spie­ler ein ver­lo­cken­der Preis. Brandt selbst mag mit Spe­ku­la­tio­nen in Ru­he ge­las­sen wer­den. Ver­hand­lun­gen gibt es der­zeit oh­ne­hin kei­ne.

Fakt ist aber: Der of­fen­si­ve Mit­tel­feld­spie­ler ist im Fo­kus. Nicht nur in Le­ver­ku­sen, und nicht nur in der Bun­des­li­ga. Es schwingt al­so viel Stolz mit, wenn Ro­ger Schmidt von sei­nem ta­len­tier­ten Ka­der schwärmt. Al­ler­dings fehlt dem Trai­ner bis­her das Re­zept, wie die­ser sein Po­ten­zi­al auch re­gel­mä­ßig ab­ru­fen kann. Wäh­rend in­ter­na­tio­nal zu­min­dest das Wei­ter­kom­men si­cher ist, ran­giert das Team in der Li­ga als Zehn­ter mit sechs Nie­der­la­gen in zwölf Spie­len weit hin­ter den Er­war­tun­gen. 16 Punk­te sind die schlech­tes­te Aus­beu­te seit 2006.

Hält die­ser Trend an, wird es schwer mit der er­neu­ten Cham­pi­ons Le­ague. Das wie­der­um könn­te un­lieb­sa­me Be­we­gung in den Ka­der brin­gen. Dass et­wa Chicha­ri­to auch oh­ne Kö­nigs­klas­se für die Werks­elf spielt, ist schwer vor­stell­bar. In die­sem Fall wür­den auch die Treue­schwü­re all der an­de­ren auf die Pro­be ge­stellt. So schön das Le­ver­ku­se­ner Schau­fens­ter der­zeit auch be­stückt ist – Bay­er kann nur selbst ver­hin­dern, dass Tei­le da­von schon im nächs­ten Jahr ge­kauft wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.