Drei Künst­ler – drei Tech­ni­ken

Eri­ka Grandt, Ma­thi­as Ka­dolph und Mas­si­mo Da­nie­lis ar­bei­ten sehr un­ter­schied­lich. Ge­mein­sam stel­len sie in der Wall­stra­ßen­ga­le­rie aus. Es er­gibt sich ei­ne span­nen­de Dy­na­mik – aber auch Nä­he.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON IN­GE SCHNETTLER

Der klei­ne, zar­te Vo­gel hat Glück, dass ihn die schwar­ze Kat­ze nicht ent­deckt hat. Sie schaut ver­son­nen in die an­de­re Rich­tung. Eri­ka Grandt hat die bei­den weit ge­nug aus­ein­an­der plat­ziert, sie sind klei­ne Gestal­ten in der gro­ßen wei­ßen Flä­che. Drei Bil­der der Künst­le­rin hän­gen der­zeit in der Wall­stra­ßen­ga­le­rie von Rai­ner Rie­ger. Al­len gleich ist ih­re ver­hei­ßungs­vol­le Stil­le, die sich un­mit­tel­bar auf die Stim­mung des Be­trach­ters aus­wirkt. Froh­ge­mut kann er auf Ent­de­ckungs­rei­se ge­hen, um hier und dort fei­ne Ge­sich­ter, Blu­men, an Ma­tis­se er­in­nern­de Pflan­zen und zar­te geo­me­tri­sche Kör­per in der schier un­end­li­chen Wei­te der Flä­che zu ent­de­cken. Ei­nes der Bil­der hat ei­nen wun­der­vol­len Mit­tel­punkt – ein zar­tes, ko­balt­blau­es Band, das wie von ei­ner leich­ten Bri­se ge­tra­gen aus dem Un­ter­grund her­vor flat­tert. Ei­ne Kir­che ist mit Krei­de ein­ge­zeich­net, ein Mann in ei­nem Kar­ton und ei­ne Ma­rio­net­te, de­ren rech­ter Arm und das rech­te Bein mit ei­ner zar­ten Schnur in die Waa­ge­rech­te ge­bracht wird. Ei­ne Tän­ze­rin schwebt von oben ins Bild. Das ist aus­ge­spro­chen poe­tisch und un­ge­mein be­ru­hi­gend.

Ganz be­schei­den hängt ei­ne klei­ne Holz­ar­beit von Ma­thi­as Ka­dolph an ei­ner Wand der Ga­le­rie. Es lohnt sich, hin­zu­schau­en. Dann er­schließt sich das klei­ne Kunst­stück. Block­haf­te, of­fe­ne Holz­kör­per schie­ben sich in den Raum. Und dann ist sie da, die As­so­zia­ti­on: Es sind die wie an den Fel­sen ge­kleb­ten Häu­ser der Cin­que Ter­re in Ita­li­en. Und tat­säch­lich: Die Ar­beit trägt den Ti­tel „Ver­naz­za“. So heißt ei­nes der fünf Dör­fer der Cin­que Ter­re. Ma­thi­as Ka­dolph hat Ar­chi­tek­tur stu­diert, be­vor er sich der bil­den­den Kunst zu­wand­te. Ma­thi­as Ka­dol­phWo­bei sie in all ih­rer Mas­si­vi­tät durch­aus leicht da­her­kom­men. Das mag die wei­ße Far­bla­sur be­wir­ken, die ei­nen Teil sei­ner Skulp­tu­ren um­gibt. Es sind aber auch die Durch­und Ein­bli­cke, die sich beim Be­trach­ten, be­son­ders beim Um­wan­dern der Ar­bei­ten, er­ge­ben. Und es sind die Trep­pen­stu­fen, die hier und dort auf­tau­chen – und in der Re­gel ins Un­ge­wis­se füh­ren. Zwei kraft­vol­le Tu­sche­zeich­nun­gen hän­gen in der Ga­le­rie – Vor­stu­di­en Ka­dolphs für sei­ne Skulp­tu­ren.

Der drit­te Künst­ler im Bun­de ist Mas­si­mo Da­nie­lis. Er ar­bei­tet mit Öl auf Lein­wand und nutzt da­bei die Ei­gen­schaft der sehr lang­sam trock­nen­den Far­be, um sie Schicht für Schicht auf­zu­tra­gen und sie vor dem Er­här­ten mit der Spit­ze des Pin­sel­stiels zu struk­tu­rie­ren. Wäh­rend die Rand­be­rei­che an ab­ge­blät­ter­te Far­be auf ver­wit­ter­ten Mau­ern er­in­nert, pas­siert in der Mit­te ei­ne gan­ze Men­ge Klein­tei­li­ges. Feins­te gra­fi­sche Ele­men­te und For­men tum­meln sich auf un­ter­schied­lich far­bi­gen Ab­schnit­ten. Die hauch­dün­nen Gra­te, die sich zwi­schen den Pin­sel­stiel-Ab­drü­cken er­he­ben, wir­ken so zart wie feins­te Ke­ra­mik. Der Künst­ler sieht Na­tur in sei­nen Bil­dern – Fel­der, Wäl­der. Land­schaf­ten. Das hat was – in der Tat. Die Aus­stel­lung mit Ar­bei­ten von Eri­ka Grandt, Ma­thi­as Ka­dolph und Mas­si­mo Da­nie­lis ist noch bis zum 11. De­zem­ber in der Wall­stra­ßen­ga­le­rie an der Wall­stra­ße 19 zu se­hen. Die Öff­nungs­zei­ten: Di­ens­tag bis Frei­tag 10 bis 18.30 Uhr, Sams­tag 10 bis 16 Uhr.

RP-FOTO: JÖRG KNAP­PE

Ei­ne Holz­skulp­tur von Ma­thi­as Ka­dolph steht auf dem So­ckel, da­vor ein Bild von Mas­si­mo Da­nie­lis und an der Wand ein Bild von Eri­ka Grandt.

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