Ko­ali­ti­on will Auf­blä­hung des Bun­des­ta­ges noch stop­pen

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ

BER­LIN Mit ei­ner neu­en Va­ri­an­te des Wahl­rechts könn­te die gro­ße Ko­ali­ti­on das be­fürch­te­te Auf­blä­hen des Bun­des­tags auf 700 und mehr Ab­ge­ord­ne­te doch noch ver­hin­dern. Das zeich­ne­te sich am Abend nach ei­nem Ge­spräch von Spit­zen­po­li­ti­kern von Uni­on und SPD mit Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lammert ab. Ba­sis soll ei­ne neue Be­rech­nungs­grund­la­ge sein.

Beim gel­ten­den Wahl­recht lie­fert das vor­ge­schrie­be­ne Ver­hält­nis von so ge­nann­ten Über­hang- zu Aus­gleichs­man­da­ten An­lass zu ei­ner enor­men Ver­meh­rung der Man­dats­zah­len. Über­hang­man­da­te ent­ste­hen, wenn ei­ne Par­tei in ei­nem Bun­des­land mehr Di­rekt­man­da­te durch die Erst­stim­me ge­won­nen hat, als ihr nach dem An­teil an den Zweit­stim­men ei­gent­lich zu­ste­hen. Als Fol­ge wer­den die Man­da­te bei den an­de­ren Par­tei­en so lan­ge er­höht, bis die Ge­samt­zahl auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne dem Kräf­te­ver­hält­nis der Par­tei­en ent­spricht. So wur­den 2013 aus vier Über­hang 29 Aus­gleichs­man­da­te.

Auf An­re­gung der SPD soll nun bis Mit­te De­zem­ber ein neu­es Mo­dell ge­rech­net wer­den. Das legt die für die ein­zel­nen Bun­des­län­der vor­be­stimm­ten Man­dats­an­tei­le nicht mehr an­hand der Be­völ­ke­rungs­zahl in­klu­si­ve Kin­dern und Aus­län­dern fest, son­dern be­zieht sich al­lein auf die Stim­men für Par­tei­en ober­halb von fünf Pro­zent. 2013 an­ge­wandt, hät­te der Bun­des­tag nicht 631 son­dern 614 Ab­ge­ord­ne­te um­fasst.

Al­ter­na­tiv ist auch der Lam­mer­tVor­schlag auf dem Tisch, ei­ne ge­setz­li­che Ober­gren­ze von zum Bei­spiel 630 Ab­ge­ord­ne­ten ein­zu­füh­ren. „Der Bun­des­tag darf nicht aus den Näh­ten plat­zen“, sag­te Uni­ons­In­nen­ex­per­te Ste­phan Har­b­arth un­se­rer Re­dak­ti­on. Es kön­ne nicht im In­ter­es­se des Par­la­men­tes sein, auf vi­el­leicht mehr als 700 Mit­glie­der zu wach­sen. „Wir wol­len dem ei­nen Rie­gel vor­schie­ben und ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten oh­ne Denk­ver­bo­te prü­fen“, kün­dig­te er an. Sein Ap­pell: „Jetzt muss je­de Par­tei ein­mal über ih­ren Schat­ten sprin­gen und das mög­lichst schnell, denn die Zeit ist lang­sam knapp.“En­de Ja­nu­ar soll die Re­form ste­hen.

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