In­nen­mi­nis­ter Jä­ger be­lei­digt: Geld­stra­fe für Roe­seler

Als der Glad­ba­cher Rats­herr vor Ge­richt ge­gen den Mi­nis­ter nach­leg­te, er­höh­te die Rich­te­rin die Stra­fe.

Rheinische Post Moenchengladbach - - FERNSEHEN - VON BO­DO MALSCH

„Mahl­zeit!“schmet­ter­te Do­mi­nik Roe­seler, als er ges­tern den Saal 149 des Amts­ge­richts Duis­burg be­trat. Der Rats­herr aus Mön­chen­glad­bach und ehe­ma­li­ge Vi­ze-Vor­sit­zen­de von ProNRW schien den Auf­tritt vor rund ei­nem Dut­zend sei­ner An­hän­ger, die im Zu­schau­er­raum sa­ßen, zu ge­nie­ßen. Roe­seler muss­te sich we­gen Be­lei­di­gung ver­ant­wor­ten. Die An­kla­ge warf ihm vor, NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) be­lei­digt zu ha­ben. Das Ge­richt folg­te der Staats­an­walt­schaft und ver­ur­teil­te Roe­seler zu ei­ner Geld­stra­fe in Hö­he von ins­ge­samt 4000 Eu­ro.

Am 1. Fe­bru­ar die­ses Jah­res war Roe­seler als Gast­red­ner bei ei­ner Pe­gi­da-De­mo am Duis­bur­ger Haupt­bahn­hof auf­ge­tre­ten. In der 20-mi­nü­ti­gen Re­de ging es vor al­lem um die Po­li­zei. Da­bei äu­ßer­te Roe­seler, dass der ein­fa­che Po­li­zist nur sei­ne Be­feh­le be­fol­ge. „Der Dreck sitzt oben. Und hier in NRW hat der Dreck auch ei­nen Na­men: Und das ist der In­n­emi­nis­ter Ralf Jä­ger.“

Ralf Jä­ger, der zu­gleich Vor­sit­zen­der der Duis­bur­ger SPD ist, stell­te­des­we­gen ei­nen Straf­an­trag. Roe­seler war dar­auf­hin per Straf­be­fehl zur Zah­lung von 1600 Eu­ro (40 Ta­ges- sät­ze zu je 40 Eu­ro) ver­ur­teilt wor­den. Er leg­te da­ge­gen Wi­der­spruch ein.

Vor Ge­richt ar­gu­men­tier­te Roe­seler ges­tern da­mit, dass sei­ne Äu­ße­rung durch das Recht auf Mei­nungs­frei­heit ge­deckt sei: „Es ist doch im po­li­ti­schen Mei­nungs­kampf üb­lich ge­wor­den, sich zu be­lei­di­gen.“Roe­seler for­der­te Frei­spruch.

Staats­an­walt und Straf­rich­te­rin sa­hen das an­ders: Wer je­man­den als Dreck be­zeich­ne, krän­ke ihn in sei­ner Eh­re und strei­te nicht um ei­ne Sa­che, son­dern schmä­he ihn nur. Roe­seler gab zu, er ha­be durch­aus sei­ne Miss­ach­tung für den In­nen­mi­nis­ter zum Aus­druck brin­gen wol­len, er be­zwei­fe­le aber, dass ein Mi­nis­ter, der nach den Vor­fäl­len in der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht nicht zu­rück­ge­tre­ten sei, noch Eh­re ha­be.

An­ge­sichts sei­ner Hal­tung er­höh­te die Straf­rich­te­rin die Zahl der Ta­ges­sät­ze auf 50. Und da das tat­säch­li­che Ein­kom­men des Han­dels­ver­tre­ters hö­her war als das zu­vor ge­schätz­te, wur­de auch die Ta­ges­satz­hö­he deut­lich auf 80 Eu­ro an­ge­ho­ben. Der Rich­ter­spruch ist noch nicht rechts­kräf­tig. Roe­seler kann ge­gen die Ver­ur­tei­lung zu 4000 Eu­ro Geld­stra­fe noch Be­ru­fung ein­le­gen.

„Es ist doch im po­li­ti­schen Mei­nungs­kampf üb­lich ge­wor­den, sich zu be­lei­di­gen“

Do­mi­nik Roe­seler vor Ge­richt

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