RAN­DE

Ein Kon­kur­rent und Vor­bild für Dr­mic

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL -

wärts­spiel in Dort­mund den vier­ten Tag in Fol­ge mit al­len ge­sun­den Spie­lern – fünf Ein­hei­ten mit weit mehr als 20 Pro­fis, das gab es seit der Som­mer-Vor­be­rei­tung nicht.

Die Kri­se, die sich am meis­ten in den Er­geb­nis­sen wi­der­spie­gelt, scheint men­tal noch kei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen zu ha­ben. „Der Wil­le ist da, aber mo­men­tan fehlt es an Ef­fek­ti­vi­tät, um die ge­zeig­ten Leis­tun­gen in Punk­te um­zu­mün­zen“, sag­te Ka­pi­tän Lars St­indl. „Po­si­tiv ist, dass wir die Chan­cen ha­ben. Trotz­dem sind wir so kri­tisch, dass wir sa­gen, wir mehr dar­aus ma­chen müs­sen.“

Wer die Gren­zen zur Schön­re­de­rei aus­lo­ten will, kann be­haup­ten, dass Bo­rus­sia so­wohl ge­gen den Ham­bur­ger SV als auch ge­gen den 1. FC Köln und 1899 Hof­fen­heim als Sie­ger vom Platz hät­te ge­hen müs­sen. Ne­ga­ti­ve Auf­trit­te wie beim 1:3 ge­gen den SC Frei­burg, beim 0:4 ge­gen den FC Schal­ke, beim 0:2 ge­gen den FC Bay­ern und beim 0:3 ge­gen Her­tha BSC könn­ten un­an­ge­tas­tet blei­ben, selbst das 0:0 ge­gen Ein­tracht Frank­furt, als Os­car Wendt die Lat­te traf, und trotz­dem hät­te Glad­bach bei ei­nem an­ge­mes­se­nen Ver­lauf der Din­ge sie­ben Punk­te mehr auf dem Kon­to.

„Man ist ent­täuscht nach den Spie­len und är­gert sich na­tür­lich. Wenn du kei­ne Chan­ce hat­test und ver­lierst, dann ist das halt so. Aber wenn du mehr­mals die deut­lich bes­se­re Mann­schaft warst mit deut­lich mehr Tor­chan­cen und der Geg­ner glück­lich zu To­ren ge­kom­men ist, dann ist das hart“, sagt Trai­ner An­dré Schu­bert. Nach der her­ben Nie­der­la­ge auf Schal­ke An­fang Ok­to­ber kün­dig­te er an, im Zwei­fels­fall mal mehr Wert auf Sta­bi­li­tät zu le­gen. Seit­dem gab es nur noch zehn Ge­gen­to­re in zehn Pflicht­spie­len, 18 wa­ren es in den ers­ten elf ge­we­sen. Doch gleich­zei­tig ist Bo­rus­si­as ei­ge­ne Tref­fer­quo­te ein­ge­bro­chen.

Jetzt geht es al­so um mehr Ba­lan­ce in der an­de­ren Rich­tung. Die will Schu­bert aber nicht mit Tu­gend­ge­re­de und Kri­sen­rhe­to­rik her­stel­len. „Es ist wich­tig, dass du im Fuß­ball figh­test und rennst, aber du brauchst auch ei­ne ge­wis­se Krea­ti- vi­tät und Lo­cker­heit“, sagt er. „Auch die­se Wo­che ha­ben wir ver­sucht, mit Spaß kon­zen­triert zu ar­bei­ten, um die nächs­te Chan­ce mit der nö­ti­gen Lo­cker­heit vi­el­leicht wie­der zu ver­wer­ten. Da macht mir die Mann­schaft ei­nen ganz ge­fes­tig­ten Ein­druck. Nach de­nen Spiel ist sie ver­är­gert, aber nicht ver­zwei­felt.“Den Spaß-An­satz will der Trai­ner al­ler­dings nicht über­be­wer­ten. „Wir sind ja nicht die gan­ze Wo­che rum­ge­lau­fen, als hät­ten wir ei­nen Clown ge­früh­stückt“, sagt er, ob­wohl die Mann­schaft – be­wusst oder un­be­wusst – be­son­ders aus­zu­strah­len schien, dass sie in­takt ist.

Das funk­tio­niert über die Au­ßen­dar­stel­lung, wenn Jantsch­ke über das Chan­cen­ver­wer­tungs-Pro­blem sagt: „Da gibt es da gar kei­ne Vor­wür­fe. Wir Ver­tei­di­ger könn­ten ja auch mal ein Tor ma­chen, bei Stan­dards zum Bei­spiel.“Oder über die leicht ver­steck­te Au­ßen­dar­stel­lung, wenn Mo Dahoud bei Ins­ta­gram zwei Vi­de­os vom Mann­schafts­abend nach dem Hof­fen­heim-Spiel pos­tet – al­le ge­mein­sam in ei­nem Re­stau­rant mit Live-Mu­sik.

„Wenn die Jungs vom Platz kom­men, sind sie na­tür­lich erst­mal ent­täuscht, wenn sie sich nicht be­lohnt ha­ben“, sagt Schu­bert. Mit dem Stich­wort Gal­gen­hu­mor lässt sich die Er­kennt­nis ver­bin­den, dass es vi­el­leicht hilf­reich war, meh­re­re Ta­ge am Stück oh­ne Ne­ga­tiv­er­leb­nis­se zu ar­bei­ten. Mor­gen in Dort­mund gibt es das Er­geb­nis. (ja­so) Als An­dré Hahn im März nach fünf Mo­na­ten Ver­let­zungs­pau­se wie­der auf der Bank saß, da er­in­ner­te er mit sei­nen Kol­le­gen auf Schal­ke an ei­nen Lei­dens­ge­nos­sen. „Jo­sip, wir sind bei Dir!“, stand auf ex­tra an­ge­fer­tig­ten T-Shirts. Kurz zu­vor hat­te sich Jo­sip Dr­mic als Leih­spie­ler des Ham­bur­ger SV ei­nen Knor­pel­scha­den im Knie zu­ge­zo­gen.

Zu­rück bei Bo­rus­sia ist der Schwei­zer schon lan­ge, wie­der im Trai­ning seit zwei Wo­chen. „Er sucht je­den Zwei­kampf und tas­tet sich wie­der her­an“, sag­te An­dré Schu­bert ges­tern. „Wenn Jo­sip mir das Zei­chen gibt, dass er es sich phy­sisch zu­traut, zu spie­len, dann kann das die­ses Jahr noch et­was ge­ben.“Es wä­re ei­ne be­son­ders schö­ne Weih­nachts­ge­schich­te.

Hahn er­ziel­te in der Wo­che nach Os­tern sein ers­tes Tor nach der Ver­let­zung. Es folg­ten so vie­le Tref­fer, dass sein fu­rio­ses Come­back ei­ne der bes­ten Bo­rus­sia-Ge­schich­ten des Jah­res ist, ob­wohl es mo­men­tan nicht mehr so läuft. Dass es ganz schnell ge­hen kann, weiß Hahn selbst. So ist er für Dr­mic ein Vor­bild und Kon­kur­rent zu­gleich.

FO­TO: DPA

An­dré Hahn saß zu­letzt vier­mal von Be­ginn nur an auf der Bank.

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