Der Fis­kus schlampt

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON ANT­JE HÖ­NING

Das Ver­fas­sungs­ge­richt hat das letz­te Wort, doch das Fi­nanz­ge­richt Nie­der­sach­sen hat die Be­rech­nung des Kin­der­frei­be­trags schon mal in der Luft zer­ris­sen. Das ist pein­lich für das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, das sich ger­ne als Hort der Se­rio­si­tät ge­riert. 2014 hat­te die Re­gie­rung es ein­fach un­ter­las­sen, die Er­hö­hung des Frei­be­trags an die Steu­er­zah­ler wei­ter­zu­rei­chen. Was ist das für ein De­mo­kra­tie-Ver­ständ­nis? Ge­ra­de beim Exis­tenz­mi­ni­mum von Kin­dern ver­bie­tet sich Schlam­pe­rei.

Zugleich geht die Kri­tik der Rich­ter weit über 2014 hin­aus. Sie wer­fen dem Ge­setz­ge­ber ei­ne grund­sätz­li­che Un­gleich­be­hand­lung vor: Beim Kin­der­frei­be­trag nimmt der Staat auf das Al­ter der Kin­der kei­ne Rück­sicht, bei Hartz IV schon. Da­bei geht es in bei­den Fäl­len um die Si­che­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums. Das hat zur Fol­ge, dass für voll­jäh­ri­ge Kin­der in der Aus­bil­dung ein ge­rin­ge­rer Be­trag steu­er­frei ge­stellt wird als für Kin­der, die von der Schu­le gleich in Hartz IV wech­seln. An­stren­gung wird be­straft, Nichts­tun be­lohnt – das em­pört die Ver­fas­sungs­rich­ter hof­fent­lich ge­nau­so wie die be­trof­fe­nen El­tern. BE­RICHT

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