8500 Eu­ro Ho­no­rar für ei­nen Vor­trag

Die Or­ga­ni­sa­ti­on „Ab­ge­ord­ne­ten­watch“ist der An­sicht, dass die ho­hen Ne­ben­ein­künf­te dem An­se­hen der Par­la­men­ta­ri­er scha­den. Wir be­rich­ten, wie man­che Po­li­ti­ker des NRW-Land­tags ih­re Diä­ten auf­bes­sern.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON DET­LEV HÜWEL

DÜS­SEL­DORF Der Schuss ging nach hin­ten los. In der abend­li­chen Land­tags­de­bat­te über das Spon­so­ring von Ge­sprä­chen mit SPD-Po­li­ti­kern ver­such­te der So­zi­al­de­mo­krat Ste­fan Käm­mer­ling ei­nen Ent­las­tungs­an­griff für sei­ne in Er­klä­rungs­not ge­ra­te­ne Par­tei. „Wie be­ur­tei­len Sie die Tat­sa­che?“, frag­te er den Chef der Staats­kanz­lei, Fran­zJo­sef Lersch-Men­se (SPD), dass der FDP-Po­li­ti­ker Chris­ti­an Lind­ner im ver­gan­ge­nen Jahr für Vor­trä­ge und Re­den 64.000 Eu­ro be­kom­men ha­be und in die­sem Jahr schon mehr als 78.000 Eu­ro?

Käm­mer­ling, von Be­ruf Bank­kauf­mann, be­rief sich auf Lind­ners An­ga­ben, zu de­nen al­le Ab­ge­ord­ne­ten seit 2015 ver­pflich­tet sind. Was er of­fen­bar nicht be­dacht hat­te, war die Tat­sa­che, dass der Chef der SPDLand­tags­frak­ti­on, Nor­bert Rö­mer, eben­falls zu den Po­li­ti­kern mit Spit­zen­ein­künf­ten aus Ne­ben­tä­tig­kei­ten zählt. Nach An­ga­ben der Or­ga­ni­sa­ti­on „Ab­ge­ord­ne­ten­watch“liegt Rö­mer jetzt so­gar auf Platz eins der Top-Ne­ben­ver­die­ner. Laut Land­tags­hand­buch be­zog er in die­sem Jahr al­lein 44.030 Eu­ro als Mit­glied des Auf­sichts­ra­tes der RAG. Für sein Auf­sichts­rats­man­dat bei der Rüt­gers Gm­bH überwies ihm das Che­mie­un­ter­neh­men 25.109 Eu­ro. Als Mit­glied des Ver­wal­tungs­ra­tes der NRW-Bank er­hielt Rö­mer bis jetzt 10.466 Eu­ro. Hin­zu kom­men 9873 Eu­ro für sei­ne Mit­glied­schaft in der Bo­rus­sia Dort­mund Gm­bH.

Lind­ner hat fol­gen­de An­ga­ben ge­macht: Für ei­nen Vor­trag auf ei­nem Se­mi­nar der In­vest­ment­bank La­zard in Zürs (Arl­berg) er­hielt er im Ja­nu­ar 8500 Eu­ro. Für Vor­trä­ge bei der zeb-Un­ter­neh­mens­be­ra­tung, bei Hit­meis­ter in Köln und bei Rewe in Mün­chen wur­den ihm im April 19.500 Eu­ro über­wie­sen. 11.000 Eu­ro be­kam er im Ju­li für Vor­trä­ge bei der DZ Bank und im „Po­li­ti­schen Sa­lon“von KPMG (Mün­chen). 16.5000 Eu­ro flos­sen im Sep­tem­ber auf sein Kon­to für Vor­trä­ge in Bad Nau­heim (Un­ter­neh­mer-Aka­de­mie), Leip­zig (Im­mo­bi­li­en­fo­rum) und Mün­chen (In­no­va­ti­ons­tag).

Der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Bernd Krü­ckel gibt bei den Be­zü­gen aus sei­nem Steu­er­be­ra­tungs­bü­ro „Stu­fe sie­ben“an. Das be­deu­tet Ein­künf­te bis 60.000 Eu­ro. Als Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats der Volks­bank Heins­berg er­hielt er in die­sem Jahr bis­lang 12.120 Eu­ro. Die NRW-Bank überwies ihm als Mit­glied des Ver­wal­tungs­ra­tes im März 1175 Eu­ro. „Gut im Ge­schäft“ist auch der FDPPo­li­ti­ker Ralph Bom­bis, der fünf ver­schie­de­ne Tä­tig­kei­ten als Ge­schäfts­füh­rer an­gibt. Al­lein als Ge- schäfts­füh­rer des Se­nio­ren­heims „Kro­ne“(Ber­gisch Glad­bach) hat er Ein­künf­te der Stu­fe acht, al­so bis 90.000 Eu­ro. Sei­ne Tä­tig­keit bei der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung West­side wird ihm mit Stu­fe sechs (bis 40.000 Eu­ro) ho­no­riert.

Auch Mar­tin Bör­schel kann sich nicht be­kla­gen. Vom Köl­ner Ener­gie­ver­sor­ger GEW hat der SPD-Ab­ge­ord­ne­te in die­sem Jahr 7300 Eu­ro er­hal­ten. Das Auf­sichts­rats­man­dat bei der Rhein-Ener­gie AG brach­te ihm 10.710 Eu­ro ein. Von den Stadt­wer­ken Köln be­zog er als Auf­sichts­rats­chef 6082 Eu­ro und als Vor­sit­zen­der des Ver­wal­tungs­ra­tes der Spar­kas­se Köln/Bonn 36.075 Eu­ro.

Mit­glie­der des Land­tags er­hal­ten für ih­re Ab­ge­ord­ne­ten­tä­tig­keit der­zeit 11.006 Eu­ro brut­to im Mo­nat. Dar­in ent­hal­ten sind 2169 Eu­ro für die Al­ters­ver­sor­gung. Re­dak­ti­ons­lei­ter Mar­tin Rey­her von „Ab­ge­ord­ne­ten­watch“ist der An­sicht, dass die üp­pi­gen Ne­ben­ver­diens­te „schäd­lich sind für das An­se­hen der Ab­ge­ord­ne­ten ins­ge­samt“. Es sei des­halb zu fra­gen, ob dies auf Dau­er so blei­ben kön­ne. Wolf­gang Jäck­le („Trans­pa­ren­cy“) sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on, es sei zwar zu be­grü­ßen, dass in NRW die Ein­künf­te an­ge­ge­ben wer­den müss­ten. Al­ler­dings sei ei­ne stär­ke­re Kon­trol­le der An­ga­ben nö­tig. Bei gra­vie­ren­den Ver­stö­ßen ge­gen die im Ab­ge­ord­ne­ten­ge­setz fest­ge­leg­te Of­fen­le­gungs­pflicht dro­hen Geld­stra­fen bis zur Hälf­te der jähr­li­chen Ab­ge­ord­ne­ten­be­zü­ge.

FO­TOS: ENDERMANN, DPA, CDU

(v.l.) Nor­bert Rö­mer, Chef der SPD-Land­tags­frak­ti­on, ist laut „Ab­ge­ord­ne­ten­watch“Spit­zen-Ne­ben­ver­die­ner. FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner ist eben­falls gut im Ge­schäft. Auch der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te aus dem Kreis Heins­berg, Bernd Krü­ckel, ver­dient Geld mit Vor­trä­gen.

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