Staats­an­walt will Haft­stra­fe für Fahr­dienst­lei­ter

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT -

TRAUN­STEIN (dpa) Der an­ge­klag­te Fahr­dienst­lei­ter im Pro­zess um das Zug­un­glück von Bad Ai­b­ling mit zwölf To­ten soll nach dem Wil­len der Staats­an­walt­schaft zu vier Jah­ren Haft ver­ur­teilt wer­den. Nach Über­zeu­gung der An­kla­ge­be­hör­de ist der Bahn­mit­ar­bei­ter der fahr­läs­si­gen Tö­tung schul­dig. „Der Vor­wurf hat sich in vol­lem Um­fang be­stä­tigt, es gibt hier kei­ner­lei Ab­stri­che“, sag­te Ober­staats­an­walt Jür­gen Branz ges­tern in sei­nem Plä­doy­er vor dem Land­ge­richt Traun­stein. Die Ver­tei­di­ger plä­dier­ten auf ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe.

Der An­kla­ge­ver­tre­ter hielt dem Fahr­dienst­lei­ter ei­ne gan­ze Ket­te von Fehl­ent­schei­dun­gen bei der Ar­beit im Stell­werk vor. So ha­be der 40-Jäh­ri­ge hin­ter­ein­an­der meh­re­re Si­gna­le falsch ge­stellt. Als er den Feh­ler be­merk­te, drück­te er beim Be­die­nen des No­t­ru­fes auch noch die fal­sche Taste, der Alarm kam nicht in den Zü­gen an. Branz sprach von „kopf­lo­sem Ver­hal­ten“. Der Staats­an­walt: „Er re­gel­te den Zug­ver­kehr ge­dan­ken­los, man hat das Ge­fühl, ne­ben­bei.“

Vor al­lem rüg­te Branz das ver­bo­te­ne Han­dy­spie­len des An­ge­klag­ten bis kurz vor dem Zu­sam­men­stoß der bei­den Zü­ge am 9. Fe­bru­ar: „Letzt­lich liegt hier der Grund für die Fehl­hand­lun­gen des An­ge­klag­ten.“Er sprach von ei­ner 72-pro­zen­ti­gen zeit­li­chen Über­de­ckung der Ak­ti­vi­tä­ten beim Han­dy­spie­len und den Hand­lun­gen bei der Ar­beit.

Branz hielt dem Bahn­mit­ar­bei­ter des­sen Ge­ständ­nis zu­gu­te: „Sein Le­ben hat sich am 9. Fe­bru­ar 2016 schlag­ar­tig ver­än­dert.“Ne­ben der mo­ra­li­schen Schuld kom­men auf den ver­hei­ra­te­ten Mann im­men­se Scha­den­er­satz­for­de­run­gen zu. Die Ne­ben­klä­ger­ver­tre­ter schlos­sen sich den Aus­füh­run­gen des Staats­an­walts im We­sent­li­chen an.

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