Strauss stellt den Be­trieb ein

Der Ver­such von In­sol­venz­ver­wal­ter Dirk And­res, noch ein­mal ei­nen In­ves­tor für die Han­dels­ket­te zu fin­den, ist ge­schei­tert. Spä­tes­tens En­de Fe­bru­ar schlie­ßen die letz­ten Fi­lia­len des 114 Jah­re al­ten Un­ter­neh­mens.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

LAN­GEN­FELD Nach drei In­sol­venz­an­trä­gen und eben­so vie­len Ver­su­chen, mit ei­nem neu­en In­ves­tor doch wie­der auf die Bei­ne zu kom­men, steht die Han­dels­ket­te Strauss In­no­va­ti­on vor dem Aus. In­sol­venz­ver­wal­ter Dirk And­res teil­te ges­tern mit, er wer­de den Ge­schäfts­be­trieb „stu­fen­wei­se ein­stel­len und mit dem Ab­ver­kauf be­gin­nen“. Das ha­be er den rund 670 Be­schäf­tig­ten in den 57 Fi­lia­len und der Haupt­ver­wal­tung in Lan­gen­feld mit­ge­teilt. Spä­tes­tens En­de Fe­bru­ar schließt die letz­te Nie­der­las­sung. Am Don­ners­tag war das In­sol­venz­ver­fah­ren er­öff­net wor­den..

Nach der­zei­ti­gem Stand wird der Ge­schäfts­be­trieb in den meis­ten Fi­lia­len bis En­de Fe­bru­ar des kom­men­den Jah­res auf­recht­er­hal­ten wer­den. Dies gilt laut And­res auch für die Fi­lia­len, de­ren Miet­ver­trag schon zum Jah­res­en­de ge­kün­digt ist (sie­he In­fo). Hier ver­han­delt And­res mit den je­wei­li­gen Ver­mie­tern darü- ber, ob der Ge­schäfts­be­trieb über Sil­ves­ter hin­aus für ei­ni­ge Wo­chen ver­län­gert wer­den kann, da­mit die ver­blie­be­nen Wa­ren ver­kauft wer­den kön­nen. Ge­lingt das nicht, ist am 31. De­zem­ber Schluss. Die Ver­hand­lun­gen über In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan sol­len nach An­ga­ben des In­sol­venz­ver­wal­ters in der kom­men­den Wo­che be­gin­nen.

Strauss hat­te En­de Sep­tem­ber zum drit­ten Mal bin­nen knapp drei Jah­ren ei­nen In­sol­venz­an­trag ge­stellt. Das Un­ter­neh­men, das ein Sor­ti­ment mit ei­ner Mi­schung aus Tex­ti­li­en, Le­bens­mit­teln und Kurz­wa­ren an­bie­tet, war im ver­gan­ge­nen Jahr von der Deut­schen Mit­tel­stand­s­hol­ding (DMH, Frank­furt) über­nom­men wor­den. 20 von 77 Nie­der­las­sun­gen wa­ren ge­schlos­sen, mehr als 500 Ar­beits­plät­ze ab­ge­baut wor­den. Ein Jahr zu­vor hat­te Strauss über ein Schutz­schirm­ver­fah­ren ver­sucht, die dro­hen­de In­sol­venz in Ei­gen­re­gie ab­zu­wen­den. Zwi­schen­durch war sei­ner­zeit ein In­ves­tor ge­fun­den wor­den, doch die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Mühleck Fa­mi­ly Office aus der Nä­he von Würz­burg war bald wie­der ab­ge­sprun­gen – an­geb­lich mit dem Ar­gu­ment, man sei über die Um­satz­chan­cen bei Strauss ge­täuscht wor­den.

Jetzt will gar nie­mand mehr Geld ge­ben. Trotz in­ten­si­ver Be­mü­hun­gen sei kein In­ves­tor ge­fun­den wor­den, der Un­ter­neh­men und Be­leg­schaft über­neh­me, teil­te In­sol­venz­ver­wal­ter And­res mit und er­klär­te: „Oh­ne die Un­ter­stüt­zung durch ei­nen oder meh­re­re In­ves­to­ren ist es uns auf­grund von wirt­schaft­li­chen und in­sol­venz­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht mög­lich, Strauss In­no­va­ti­on dau­er­haft wei­ter­zu­füh­ren.“

Da­mit en­det die Ge­schich­te ei­nes Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­mens, das vor 114 Jah­ren in Düs­sel­dorf ge­grün­det wor­den ist – als Ge­schäft für Kurz-, Weiß- und Woll­wa­ren durch die Ehe­leu­te Hein­rich und Ma­ria Strauss. In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten wuchs das Un­ter­neh­men be­stän­dig, ex­pan­dier­te quer durch Deutsch­land. 2008 wag­te Strauss den Schritt ins Aus­land.

Doch noch im glei­chen Jahr tauch­ten Pro­ble­me auf. Der Fi­nanz­in­ves­tor EQT über­nahm Strauss, das da­mals schon in der Kri­se steck­te. Die Skan­di­na­vi­er schlos­sen ins­ge­samt 15 Nie­der­las­sun­gen, bau­ten mehr als 400 Stel­len ab (sei­ner­zeit mehr als ein Vier­tel al­ler Ar­beits­plät­ze bei Strauss) und in­stal­lier­ten die bri­ti­sche Han­dels­ma­na­ge­rin Pau­la Mi­no­wa als neue Che­fin des Kon­zerns. Aber auch mit ihr ging es nicht mehr berg­auf. Es folg­ten der Ver­kauf an den nächs­ten Fi­nanz­in­ves­tor, wei­te­re Fi­li­al­schlie­ßun­gen, wei­te­rer Stel­len­ab­bau – al­les oh­ne Er­folg.

Der­zeit hat Strauss noch 670 Be­schäf­tig­te in 57 Fi­lia­len und der Haupt­ver­wal­tung in Lan­gen­feld

FOTO: DPA

Fi­lia­le in Düs­sel­dorf

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.