Geld­stra­fe für 52-Jäh­ri­gen, weil er die An­walts-Rech­nung nicht zahl­te

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON IN­GRID KRÜ­GER

Vor dem Mönchengladbacher Amts­ge­richt saß ges­tern ein 52-jäh­ri­ger Mann auf der An­kla­ge­bank. Die Staats­an­wäl­tin warf dem sicht­lich ver­är­ger­ten An­ge­klag­ten vor, sei­nem An­walt die ver­ein­bar­ten Ge­büh­ren nicht ge­zahlt zu ha­ben. Weil ihn der Mönchengladbacher An­walt des­halb an­ge­zeigt hat­te, war der 52Jäh­ri­ge zum ers­ten Mal in ei­nem Ge­richts­saal auf ei­ner An­kla­ge­bank ge­lan­det.

Im Ju­ni ver­gan­ge­nen Jah­res hat­te der 52-Jäh­ri­ge den An­walt auf­ge­sucht und ge­be­ten, sich um sei­nen Fall bei der Staats­an­walt­schaft zu küm­mern. Der An­walt ließ sich be­voll­mäch­ti­gen und be­müh­te sich mit Er­folg um Ak­ten­ein­sicht. Der Man­dant un­ter­schrieb ei­ne Ge­büh­ren­ver­ein­ba­rung über 1800 Eu­ro. Der An­walt küm­mer­te sich und er­reich­te tat­säch­lich, dass die Staats­an­walt­schaft ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen Be­trugs­vor­wurfs ge­gen den Man­dan­ten ein­stell­te. Der An­walt er­war­te­te die Zah­lung der An­ge­klag­ter im Ge­richt ver­ein­bar­ten Sum­me – je­doch ver­geb­lich. Zu­erst hat­te der Man­dant sich te­le­fo­nisch ge­mel­det, er sei noch in ei­ner Kli­nik. Da­nach kün­dig­te der 52-Jäh­ri­ge an, dass sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin kom­men und das Geld brin­gen wür­de. In ei­nem Schrei­ben wur­de schließ­lich die Hö­he der Ge­büh­ren an­ge­zwei­felt.

Doch dann ris­sen die Kon­tak­te ab. Das Geld kam nicht. Der An­walt zeig­te den 52-Jäh­ri­gen an. Des­sen Ver­tei­di­ger er­klär­te im Ge­richts­saal, der 52-Jäh­ri­ge emp­fän­de die ge­for­der­te Ge­bühr als zu hoch und füh­le sich über den Tisch ge­zo­gen. Des­halb for­der­te der Ver­tei­di­ger Frei­spruch für sei­nen nicht vor­be­las­te­ten Man­dan­ten. Das Ge­richt kön­ne ihm nicht be­wei­sen, dass er nicht zah­len woll­te.

Doch die­sem Plä­doy­er schloss sich das Ge­richt nicht an. Es ver­ur­teil­te den Mönchengladbacher we­gen Be­tru­ges zu ei­ner Geld­stra­fe von 40 Ta­ges­sät­zen zu je 70 Eu­ro, al­so zu 2800 Eu­ro. Der An­walt sei be­rech­tigt ge­we­sen, die Ge­büh­ren zu for­dern, hieß es in der Ur­teils­be­grün­dung des Ge­richts. Der An­ge­klag­te ha­be den An­walt über sei­ne Leis­tungs­be­reit­schaft ge­täuscht.

Er füh­le sich über den Tisch ge­zo­gen, die Ge­bühr sei zu hoch

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