Be­gin­ner be­en­den den ers­ten Tag

Die Hip-Hop-Band krön­te den Auf­takt des „Big Air“und wur­de vom Glad­ba­cher Pu­bli­kum ge­fei­ert. Hö­he­punkt der Show war ein Über­ra­schungs­gast, der mit gro­ßer Be­geis­te­rung emp­fan­gen wur­de.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON JU­LIA ZUEW

In di­cke Ja­cken und Schals ge­packt klam­mern sich die meis­ten an ih­ren Glüh­wein. Tan­zen und sin­gen sich warm. Wäh­rend­des­sen steht Rap­per Torch auf der Büh­ne, zieht sei­ne Ja­cke aus und heizt die Mas­sen an, nur mit ei­nem T-Shirt be­klei­det. Die Jungs von den Be­gin­nern rü­cken in die­sen Mi­nu­ten et­was in den Schat­ten – er­obern sich mit dem Track „Mei­ne Pos­se“das Pu­bli­kum kurz dar­auf aber zu­rück.

Un­ter Fans sorg­te „Ad­van­ced Che­mis­try“(2016), das ak­tu­el­le Al­bum der Hip-Hop­per aus Ham­burg, für ge­spal­te­ne Stim­mung. An die al­ten Zei­ten knüp­fe es nicht an, sa­gen vie­le. Da­von ist bei der Show beim Arag Big Air Free­style Fes­ti­val we­nig zu spü­ren: Das Glad­ba­cher Pu­bli­kum zeigt sich text­si­cher, so­wohl bei al­ten als auch neu­en Sa­chen.

Mit „Ahn­ma“, dem bis­her be­lieb­tes­ten Track von der ak­tu­el­len Schei­be, star­ten Ei­zi Eiz ali­as Jan De­lay (Jan Phil­ipp Eiß­feldt), De­n­yo (Den­nis Lisk) und DJ Mad (Gui­do Weiß) ins Abend­pro­gramm. Vom ers­ten Beat an ist die Men­ge bei ih­nen, trotz knapp halb­stün­di­ger Ver­spä­tung.

Mit „Schel­le“lässt die Band für ei­nen Au­gen­blick ver­ges­sen, dass ei­gent­lich Wet­ter für Hand­schu­he und Bom­mel­müt­ze herrscht – die Mi­schung aus Reg­gae und Dub­ste­pBeats kommt gut an. Die Büh­ne er­strahlt in Rot und Gelb, und wer nicht ge­ra­de sei­nen Blick auf die rie­si­ge Ski-Ram­pe hin­ter dem Rü­cken wirft, ver­gisst, dass es beim Big Air ei­gent­lich um Schnee und Win­ter­sport geht.

Am lau­tes­ten wird der Ju­bel der Men­ge je­doch, als „Wir wa­ren mal Stars“an­klingt. „Hier kommt Torch­mann“, röhrt Jan De­lay ins Mi­kro, die An­sa­ge geht in Ap­plaus, Pfif­fen und be­geis­ter­tem Schrei­en und Krei­schen un­ter. Torch (Fre­de­rik Hahn) zählt zu den be­kann­tes­ten und wohl ein­fluss­reichs­ten Mu­si­kern der deut­schen Rap- und HipHop-Sze­ne, seit den 1980er Jah­ren. Das Pu­bli­kum im Ho­ckey­park ist aus dem Häu­schen, und es gibt noch ei­ne Zu­ga­be oben­drauf: Als Nächs­tes stimmt Torch „Mi­kro in der Hand“an.

Ei­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter schla­gen die Jungs aus dem Nor­den ru­hi­ge Tö­ne an: Bei „Ka­ter“wer­den die Lich­ter ge­dimmt, und so ziem­lich je­der im Pu­bli­kum dürf­te nach­emp­fin­den kön­nen, was mit „Mann, ich fühl mich As­bach Ur­alt – Doch wen wun­dert’s nach 50 Kur­zen“und „Ver­steck mich im Bett, denn so voll wie ich war, so leer bin ich jetzt“ge­meint ist.

Doch am meis­ten springt der Fun­ke bei den Klas­si­kern. 1998, das ers­te gro­ße Al­bum und die größ­ten Ohr­wür­mer der Band: Bei „Füch­se“und „Rock On“hält es kei­nen in der Men­ge mehr auf dem Platz.

Nach knapp ei­ner St­un­de Show wird es dun­kel, die Bo­xen schwei­gen. Doch nur, um an­schlie­ßend mit ei­ner Zu­ga­be zu­rück­zu­keh­ren – dar­un­ter auch ein Song, der den Weg der Drei nach oben be­schreibt. „Ihr wart Zeu­ge, wie ein klei­ner Hau­fen coo­ler Ho­sen­schei­ßer – Los­zog von der Küs­te – In Turn­schuh’n an die Spit­ze“heißt es in „Es war ein­mal ...“. Nach sat­ten ein­ein­halb St­un­den ver­ab­schie­den sie sich an­schlie­ßend ge­mein­sam mit Torch.

FOTO: HANS-PE­TER REICHARTZ

Fet­te Beats und tan­zen­de Mas­sen: Die Be­gin­ner lie­ßen das Pu­bli­kum die win­ter­li­che At­mo­sphä­re ver­ges­sen. Mit Stü­cken vom ak­tu­el­len Al­bum und Klas­si­kern aus den 90ern rock­ten sie den Spar­kas­sen­park.

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