Ci­ty Ost kann ei­ne Zu­kunfts­stadt wer­den

Bei den 24. Mönchengladbacher Wirt­schafts­ge­sprä­chen warn­te In­no­va­ti­ons­be­ra­ter Prof. Bernd Thom­sen vor dem Schick­sal von Fir­men, die an „Ha­wi­so­ma“zu­grun­de­gin­gen. Und er riet der Stadt zu deut­lich mehr Selbst­be­wusst­sein.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON AN­GE­LA RIETDORF

Im­mer wie­der blitzt der Schrift­zug „Ci­ty Ost“im Hin­ter­grund auf, wäh­rend Pro­fes­sor Bernd Thom­sen über Di­gi­ta­li­sie­rung, die ers­te „Sha­ring Ci­ty“in Mün­chen und an­de­re Zu­kunfts­trends spricht. Ci­ty Ost – das kann Glad­bachs Zu­kunfts­quar­tier wer­den, so lässt sich das in­ter­pre­tie­ren. Kann sie der Ort für ei­ne Sha­ring Ci­ty, ei­nen aufs Tei­len aus­ge­rich­te­ten Stadt­teil, sein, will Mo­de­ra­tor und RP-Re­dak­ti­ons­lei­ter Ralf Jün­ger­mann von dem re­nom­mier­ten Zu­kunfts­for­scher und Stra­te­gie­be­ra­ter wis­sen. „Die Sha­ring Ci­ty, die zur­zeit in Schwa­bing ent­steht, ist nicht ko­pier­bar“, meint Thom­sen da­zu. Für die Ci­ty Ost müs­se ein an­de­rer An­satz her. Und: „Schie­len Sie nicht auf Düs­sel­dorf, pro­fi­lie­ren Sie sich sel­ber“, rät der Ex­per­te den ver­sam­mel­ten wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Ent- Prof. Bernd Thom­sen Stra­te­gie­be­ra­ter schei­dern bei den Mönchengladbacher Wirt­schafts­ge­sprä­chen. Die Stadt ha­be ge­nug zu bie­ten.

Bernd Thom­sen, Grün­der ei­ner in­ter­na­tio­nal tä­ti­gen Stra­te­gie­be­ra­tung und zugleich der Mann, der das En­de der CD und den Sie­ges­zug von Kaf­fee­kap­seln und teu­rem Cof­fee-to-go vor­aus­ge­sagt hat, wirft kei­nen Blick in die Glas­ku­gel, wenn er Zu­kunfts­trends be­schreibt. Er greift auf aus­ge­spro­chen er­folg­rei­che Markt­for­schung zu­rück. Und iden­ti­fi­ziert so Ent­wick­lun­gen, die er in kon­se­quen­ter Ver­mei­dung deutsch­spra­chi­ger Aus­drü­cke als „Fu­ture as­sets“be­zeich­net.

Zum Bei­spiel die Di­gi­ta­li­sie­rung. Als war­nen­de Bei­spie­le für Un­ter­neh­men, die die Zu­kunft ver­schla­fen, hält er Ko­dak, einst Tech­no­lo- gie­füh­rer bei Ka­me­ras und Fo­to­tech­nik und heu­te in­sol­vent, und No­kia, noch vor zehn Jah­ren Welt­markt­füh­rer bei Han­dys, be­reit. „Die Di­gi­ta­li­sie­rung ist ein Pa­ra­dig­men­wech­sel, wie er nur al­le hun­dert Jah­re pas­siert“, stellt er fest. Die Di­gi­ta­li­sie­rung wer­de auf Dau­er al­le Be­rei­che um­krem­peln, auch die, die heu­te noch nicht so sehr be­trof­fen sind – wie das Ge­sund­heits­we­sen. Neue An­ge­bo­te wer­den ent­ste­hen, an­de­re ver­schwin­den. Doch nicht die Di­gi­ta­li­sie­rung als sol­che be­droht Ge­schäfts­mo­del­le, son­dern et­was, das er als „Ha­wi­so­ma“be­zeich­net – die Hal­tung „Das ha­ben wir schon im­mer so ge­macht“.

„Nicht High­tech, Ha­wi­so­ma fegt Ih­re Fir­ma weg“, warnt Thom­sen. In zehn Jah­ren wer­de es 40 Pro­zent al- ler bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­men nicht mehr ge­ben. Weil sie nicht fle­xi­bel ge­nug wa­ren. Da sich aber so viel än­dern wird und letzt­lich nicht mehr ge­nug Ar­beits­plät­ze da sein wer­den, pro­gnos­ti­ziert Thom­sen auch das be­din­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men. Nicht heu­te oder mor­gen, aber in ab­seh­ba­rer Zu­kunft.

Doch die Di­gi­ta­li­sie­rung ist nur ei­nes der Fu­ture As­sets, die Thom­sen aus­macht. Weil Men­schen wei­ter­hin Men­schen be­geg­nen wol­len, wer­den sich ge­ra­de in der Ar­beits­welt di­gi­tal-ana­lo­ge Misch­for­men eta­blie­ren, pro­phe­zeit der Ex­per­te: „Es wird sich im­mer nur das durch­set­zen, was die Men­schen wirk­lich wol­len.“Als wei­te­ren Me­ga-Trend der Zu­kunft nennt er die so ge­nann­te Sha­ring-Öko­no­mie, das Tei­len, wie es heu­te bei Mu­sik, Fil­men oder Au­tos schon üb­lich ist. „Die Men­schen wol­len nicht mehr be­sit­zen, sie wol­len nur be­nut­zen“, sagt der

„Schie­len Sie nicht auf Düs­sel­dorf, pro­fi­lie­ren Sie sich sel­ber“ „Es wird sich im­mer nur das durch­set­zen, was die Men­schen wirk­lich wol­len“

Prof. Bernd Thom­sen Mann, der be­reits 1995 die Ent­wick­lung hin zum Strea­m­ing und da­mit den Ab­stieg der CD vor­her­sah. In Schwa­bing ent­steht des­halb die ers­te Sha­ring-Stadt der Welt. 2018 soll sie be­zugs­fer­tig sein. „Wir ha­ben als Ers­tes die Grup­pe iden­ti­fi­ziert, die an­ge­zo­gen wer­den soll: Ta­len­te, die die Wirt­schaft braucht“, sagt Thom­sen. Die zu­dem welt­of­fen sind, mo­bil und to­le­rant. Weil die Ziel­grup­pe auch kunst­af­fin ist, wird es auch Ate­liers ge­ben, die über die Mie­ten mit­fi­nan­ziert wer­den. Ein Car-Sha­ring-An­ge­bot gibt es selbst­ver­ständ­lich auch. Und Platz für Be­geg­nung und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Das hört sich tat­säch­lich nicht so an, als könn­te man das eins zu eins auf die Ci­ty Ost über­tra­gen. Aber der Ge­dan­ke ei­nes Zu­kunfts­quar­tiers ist be­ste­chend.

FO­TOS (2): JÖRG KNAP­PE

Bernd Thom­sen ist Grün­der ei­ner in­ter­na­tio­nal tä­ti­gen Stra­te­gie­be­ra­tung und zugleich der Mann, der das En­de der CD und den Sie­ges­zug von Kaf­fee­kap­seln und teu­rem Cof­fee-to-go vor­aus­ge­sagt hat.

Lausch­ten Thom­sens (Mit­te) Aus­füh­run­gen ge­spannt (v.l.): Hartmut Wnuck (Stadt­spar­kas­se), Ul­rich Schück­haus (WFMG), Heinz Schmidt (IHK), Hans Wil­helm Rei­ners (OB), Da­vid Bon­gartz (WFMG) und Jür­gen St­ein­metz (IHK).

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