Fortu­na Düs­sel­dorfs ge­wag­ter Um­bau

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON BERND JOLITZ

DÜS­SEL­DORF Mor­gen um 13.30 Uhr gas­tiert Fortu­na Düs­sel­dorf bei Auf­stei­ger Würz­bur­ger Ki­ckers. Es könn­te der vier­te Aus­wärts­sieg in Fol­ge und da­mit ein Ver­eins­re­kord für die Zwei­te Li­ga wer­den, doch un­ab­hän­gig da­von hat die Mann­schaft mit jetzt schon 23 Punk­ten ei­ne un­er­war­tet star­ke Hin­run­de ge­spielt. Die Stim­mung bei den Spie­len ist ent­spre­chend, die Stim­mung rund um den Ver­ein al­ler­dings nicht ganz. Die Frei­stel­lung des Mar­ke­ting­di­rek­tors Cars­ten Franck sorgt für Un­ru­he.

Da­bei ist Franck kein Ein­zel­fall. Seit der Vor­stands­vor­sit­zen­de Ro­bert Schä­fer im März sein Amt an­ge­tre­ten hat, hat der frü­he­re Ge­schäfts­füh­rer von Dy­na­mo Dres­den al­te Struk­tu­ren auf­ge­bro­chen und da­für ge­sorgt, dass al­le wich­ti­gen Fä­den im Ver­ein auf sei­nen Schreib­tisch zu­lau­fen. Al­les mit Rü­cken­de­ckung und För­de­rung des Auf­sichts­rats mit des­sen Vor­sit­zen­dem Rein­hold Ernst an der Spit­ze.

Schä­fer hat nie ein Hehl dar­aus ge­macht, wie wich­tig ihm Mar­ke­ting ist – die Ent­schei­dung, ein Team zu bil­den, das di­rekt dem Vor­sit­zen­den zu­ar­bei­tet, über­rascht da­her nicht. Eben­so we­nig, dass Schä­fer die wich­tigs­ten Spon­so­ren­kon­tak­te zur Chef­sa­che macht. Die Fra­ge ist nur, ob er sich nicht über­nimmt: Da im Mo­ment al­le wich­ti­gen The­men di­rekt mit ihm ab­ge­stimmt wer­den, auch Sport und Fi­nan­zen, droht Über­las­tung.

Ins­ge­samt tut der Fortu­na, die drei Jah­re lang in ei­ner ge­fähr­li­chen Ab­wärts­spi­ra­le steck­te, der fri­sche Wind frag­los gut. Noch ist je­doch of­fen, ob es Schä­fer und Ernst ge­lingt, den Fuß­ball­ver­ein Fortu­na mit sei­nen zahl­rei­chen Strö­mun­gen er­folg­reich um­zu­bau­en. In ei­nem Un­ter­neh­men wä­re es ganz nor­mal, dass ein neu­er Chef Struk­tu­ren auf­bricht, neue Füh­rungs­kräf­te in­stal­liert und bis­he­ri­ge ent­mach­tet. In ei­nem Fuß­ball­ver­ein da­ge­gen kom­men vie­le Emo­tio­nen ins Spiel. So wie jetzt, als der frü­he­re Sport­vor­stand Wolf Wer­ner über die Bou­le­vard­pres­se sein Un­ver­ständ­nis über Francks Frei­stel­lung und die „Ab­schie­bung“sei­nes da­ma­li­gen As­sis­ten­ten Re­né Gro­tus ins Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum scharf kri­ti­sier­te: Fortu­na sei kei­ne Fa­mi­lie mehr.

„Ich schät­ze Wolf sehr, aber ich fin­de es scha­de, wenn je­mand von au­ßen ei­nen Ver­ein kri­ti­siert, oh­ne ge­naue Kennt­nis­se zu ha­ben“, sagt Fried­helm Funkel. Nicht nur we­gen die­ses Sat­zes sind der Trai­ner und sein Team wich­tig für Schä­fer. Denn an­ders als bei ei­nem Un­ter­neh­men hängt der Er­folg sei­nes gan­zen Mas­ter­plans letzt­lich da­von ab, ob die Er­geb­nis­se auf dem Platz stim­men.

Das gilt vor al­lem 2017: Dann ste­hen im Herbst die Wah­len zum Auf­sichts­rat an. Bleibt Fortu­na sport­lich er­folg­reich, wird die Mehr­heit der Mit­glie­der un­ab­hän­gig von Ne­ben­ge­räu­schen den Kurs Schä­fers und Ernsts stüt­zen. Ver­liert sie zu oft, wird man das auch dem Vor­sit­zen­den an­krei­den – eben weil al­le Strän­ge bei ihm zu­sam­men­lau­fen. Eben­so wich­tig ist es, die Ge­füh­le der Mit­glie­der ernst zu neh­men.

In­ter­es­sant wird zu­dem die Personalie Paul Jä­ger. Der Ver­trag des Fi­nanz­vor­stands läuft im Ju­ni aus, doch nie­mand in der Füh­rung kann ernst­haft wol­len, Jä­ger zum Wahl­kampf­the­ma wer­den zu las­sen. Ei­ne vor­zei­ti­ge Tren­nung, die Fans in den so­zia­len Me­di­en kol­por­tie­ren, steht aber oh­ne­hin nicht auf Ernsts Agen­da. Der Fi­nanz­chef äu­ßert sich nicht mehr öf­fent­lich, das tun nur noch Ernst und Schä­fer. Der Burg­frie­den muss aber auch in­tern hal­ten, der Stim­mung im Ver­ein zu­lie­be – sonst ge­rät der Um­bau in Ge­fahr.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.