Ein Du­ell von be­son­de­rer Be­deu­tung

Bo­rus­sia ge­gen Bo­rus­sia, das ist mehr als ein nor­ma­les Bun­des­li­ga-Spiel. Ge­ra­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gab es kaum ein Bo­rus­sen-Du­ell, in dem nicht We­sent­li­ches oder zu­min­dest Selt­sa­mes pas­siert ist. Ein Über­blick.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON JAN­NIK SOR­GATZ

Nur ge­gen den 1. FC Köln und den FC Schal­ke 04 hat Bo­rus­sia in ih­rer His­to­rie mehr Pflicht­spie­le ab­sol­viert als ge­gen die Na­mens­cou­si­ne aus Dort­mund. In der Ober­li­ga war es ein Pres­ti­ge-Schla­ger, dann aber ver­lor es zwi­schen­zeit­lich an Be­deu­tung. Wäh­rend der BVB von 1972 bis 1976 in der 2. Bun­des­li­ga ver­schwand, ge­wann Glad­bach zwei Meis­ter­schaf­ten, den Ue­faCup und den DFB-Po­kal. Die gro­ße Ge­schich­te vom 34. Spiel­tag der Sai­son 1977/78 fiel so ein­sei­tig aus wie kei­ne an­de­re in der Bun­des­li­ga. Am 12:0 hat seit­dem in der Lis­te der höchs­ten Sie­ge kein Weg vor­bei ge­führt. Und dann war da noch so viel mehr, be­vor über­haupt von der Neu­zeit zu spre­chen ist:

1983 Wie­der am letz­ten Spiel­tag ge­wann Glad­bach nach 1:0-Füh­rung so­wie ei­nem 1:3- und 3:4Rück­stand 6:4 im West­fa­len­sta­di­on. Bei­de Klubs wa­ren je­doch im Nie­mands­land un­ter­wegs.

1989 Dort­mund brach­te die schwarz-weiß-grü­ne Na­mens­cou­si­ne mit dem Po­kal­sieg um die Ue­faCup-Teil­nah­me.

1998 Glad­bach ge­wann 2:1 beim da­ma­li­gen Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­ger und läu­te­te am 31. Spiel­tag ei­nen wun­der­sa­men End­spurt ein, der doch noch den Klas­sen­er­halt brach­te – nur um sich ein Jahr spä­ter mit ei­nem Heim­spiel ge­gen den BVB aus der Bun­des­li­ga zu ver­ab­schie­den.

2004 Dort­mund ver­sau­te ein we­nig die Stim­mung beim ers­ten Li­ga­spiel im neu er­öff­ne­ten Bo­rus­si­aPark mit ei­nem 3:2-Sieg.

2006 Glad­bach war nach ei­nem 1:0 ge­gen den BVB im Frei­tags­spiel des fünf­ten Spiel­ta­ges Ta­bel­len­füh­rer. Kahê schoss das Sieg­tor, traf da­nach gar nicht mehr und Glad­bach stieg zum zwei­ten Mal ab.

2009 Ein 1:1 am letz­ten Spiel­tag (die Spiel­plan-Ma­cher schie­nen Ge­fal­len dar­an zu ha­ben) brach­te dies­mal Dort­mund um die Eu­ro­pa­po­kal-Teil­nah­me.

Die Wo­chen nach Lu­ci­en Fav­res Über­nah­me im Fe­bru­ar 2011 samt Re­le­ga­ti­ons­wun­der ge­gen Bochum stel­len die gro­ße Zä­sur dar in Glad­bachs jün­ge­rer Ver­eins­ge­schich­te. Seit­dem hat es kaum ein Bo­rus­sendu­ell ge­ge­ben, das rück­bli­ckend nur mit ei­nem Schul­ter­zu­cken zu be- wer­ten ist. Der 1:0-Er­folg am Os­ter­sams­tag 2011 war der ers­te Schritt zur Wie­der­auf­er­ste­hung. 19.000 BVB-Fans wa­ren in der Hoff­nung nach Mön­chen­glad­bach ge­reist, dort viel­leicht schon die sdhwarz­gel­be Meis­ter­schaft im Bo­rus­si­aPark fei­ern zu kön­nen. Doch es ge- wann der Ta­bel­len­letz­te ge­gen den Spit­zen­rei­ter.

Dort­mund durf­te ei­ne Wo­che spä­ter fei­ern und 2012 dann gleich noch ein­mal, dies­mal wirk­lich im di­rek­ten Du­ell mit Glad­bach am 32. Spiel­tag. Im Rück­spiel gab es ein 2:0 für den BVB, das Hin­spiel war ein ech­tes Top­spiel ge­we­sen. Zwei­ter ge­gen Ers­ter, oh­ne Be­tei­li­gung des FC Bay­ern – das hat es seit­dem nicht mehr ge­ge­ben.

Da­nach fan­den die Bo­rus­sen­du­el­le oft in Kri­sen­zei­ten statt, meis­tens steckt je­doch nur ei­ner der Prot­ago­nis­ten in ei­ner schwie­ri­gen Pha­se. En­de Sep­tem­ber 2012 nahm der BVB das Fav­re-Team zu Hau­se mit 5:0 aus­ein­an­der. Im März 2014 ge­wann Glad­bach nach neun sieg­lo­sen Li­ga­spie­len zum ers­ten Mal seit 16 Jah­ren in Dort­mund. Mit 19 Punk­ten aus den letz­ten zehn Spie­len ge­lang die Qua­li­fi­ka­ti­on für den Eu­ro­pa­po­kal. Ei­ne Blau­pau­se für die Ge­gen­wart? Nur drei Spie­ler aus dem Ka­der von da­mals – Raf­fa­el, Ju­li­an Korb und Chris­toph Kra­mer – ha­ben heu­te rea­lis­ti­sche Ein­satz­chan­cen. Jo­nas Hof­mann spiel­te 90 Mi­nu­ten für Dort­mund.

Im No­vem­ber 2014 war der BVB am Bo­den, hät­te deut­lich hö­her als 1:0 ge­win­nen müs­sen ge­gen den VfL, der ge­ra­de sei­nen Start­re­kord von 18 Pflicht­spie­len oh­ne Nie­der­la­ge auf­ge­stellt hat­te – Chris­toph Kra­mers 45-Me­ter-Ei­gen­tor war ein wei­te­rer ku­rio­ser Mo­ment in der His­to­rie die­ses Auf­ein­an­der­tref­fens. Im April 2015 ver­kün­de­te Jür­gen Klopp we­ni­ge Ta­ge nach ei­ner 1:3-Nie­der­la­ge in Glad­bach sei­nen Rück­tritt zum Sai­son­en­de. Bei Fav­re dau­er­te es nach dem 0:4 zum Sai­son­start im Au­gust 2015 noch ein paar Wo­chen, aber die Plei­te war mehr als nur ein Wir­kungs­tref­fer. „So chan­cen­los wa­ren wir sel­ten“, sag­te Lars St­indl in die­ser Wo­che, der sich an sein ers­tes Li­ga­spiel für Glad­bach eher un­gern er­in­nert.

Nun war­tet An­dré Schu­bert noch nicht seit neun Li­ga­spie­len, aber seit sie­ben auf ei­nen Er­folg. Bo­rus­sia Dort­mund hat in den Po­kal­wett­be­wer­ben ge­nau­so sei­ne Min­dest­zie­le er­reicht, hinkt aber na­tio­nal den ei­ge­nen An­sprü­chen eben­falls hin­ter­her. Bei­de könn­ten mit ei­nem Sieg heu­te ent­spre­chen­de Kor­rek­tur­maß­nah­men in die We­ge lei­ten, wo­bei die Dort­mun­der an­ge­sichts von 27 Heim­spie­len in Fol­ge oh­ne Nie­der­la­ge ge­gen die in 16 Aus­wärts­spie­len nur ein­mal sieg­rei­chen Glad­ba­cher noch mehr in der Pflicht ste­hen.

FOTO: DPA

2014 Max Kru­se hebt ab. Der Stür­mer be­en­det in Dort­mund sei­ne Tor­flau­te und trifft zum 2:0. Zu­vor hat­te Raf­fa­el das 1:0 er­zielt, am En­de gibt es ei­nen 2:1-Er­folg.

FOTO: IMA­GO

1998: Glad­bach ju­belt über das 2:1 beim da­ma­li­gen Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­ger. Der Er­folg in Dort­mund war Baustein ei­ner wun­der­sa­men Ret­tung.

FOTO: PÄFFGEN

2015 ver­liert Bo­rus­sia deut­lich. Jo­sip Dr­mic ist be­dient.

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