Ein Män­ner­chor ver­jüngt sich selbst

Aus Lie­der­kranz Neu­werk wur­de MG­sing.de – der Chor ver­blüfft mit mo­der­ner Büh­nen­tech­nik. Re­per­toire und Out­fit än­dern sich, und im nächs­ten Jahr fei­ert der Män­ner­ge­sang­ver­ein sei­nen 150. Ge­burts­tag. Die Vor­be­rei­tun­gen lau­fen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON IN­GE SCHNETTLER

In den letz­ten zehn Jah­ren sind in Nord­rhein-West­fa­len 500 Män­ner­ge­sang­ver­ei­ne von der Bild­flä­che ver­schwun­den. Vie­le der Ver­blie­be­nen sie­chen vor sich hin, be­rei­ten sich auf ei­nen stil­len Tod vor. „Das wird uns nicht pas­sie­ren“, sa­gen die Män­ner vom Män­ner­ge­sang­ver­ein Lie­der­kranz Neu­werk. „Wir weh­ren uns.“Dass sie das ernst mei­nen, ha­ben sie in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit be­reits be­wie­sen. Tat­säch­lich hat der Vor­stand Nä­gel mit Köp­fen ge­macht. „Wir wa­ren ei­gent­lich nur in Neu­werk be­kannt, und un­ser Na­me sug­ge­rier­te auch, dass wir aus­schließ­lich in die­sem Stadt­teil auf­tre­ten“, sagt der 1. Vor­sit­zen­de Ge­rald Sei­del. Das muss­te drin­gend ge­än­dert wer­den. Ein Initia­tiv­kreis wur­de ge­grün­det, der die Auf­ga­be über­nahm, in der Öf­fent­lich­keit für den Chor zu wer­ben.

Dann wur­de der Na­me ge­än­dert: MG­singt.de heißt der Män­ner­chor jetzt, MGV Lie­der­kranz Neu­werk steht nur noch in der Un­ter­zei­le. „Die­ser Na­me ist zeit­ge­mäß, MG steht für Mön­chen­glad­bach und der Zu­satz „de“ist der Hin­weis auf die In­ter­net­prä­senz“, sagt Bern­hard Büdts. Der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­ter und -de­si­gner ist der Bru­der des 2. Vor­sit­zen­den Pe­ter Büdts, er singt nicht im Chor, half aber den­noch gern. „Es ist so­wie­so bes­ser, wenn man für ei­ne Mar­ke­ting­stra­te­gie das Gan­ze von au­ßen be­trach­tet“, sagt Bern­hard Büdts. Er ent­wi­ckel­te ein kom­plet­tes Rund­um-sorg­los-Pa­ket für den Män­ner­ge­sang­ver­ein.

Drei gro­ße Chor­kon­zer­te hat es un­ter dem neu­en Na­men be­reits ge­ge­ben – nicht in Neu­werk, son­dern in der alt­ehr­wür­di­gen Kai­ser-Fried­rich-Hal­le. Die Kon­zer­te zeig­ten, in wel­che Rich­tung es geht. Die Mo­de­ra­ti­on über­nah­men in ei­nem Fall RP-Re­dak­teur Wolf­ram Go­ertz und in ei­nem an­de­ren Kon­zert­ver­an- stal­ter Gün­ter vom Dorp – flott, kennt­nis­reich und sou­ve­rän. Das ver­staub­te Image des Män­ner­ge­sang­ver­eins wur­de ein­fach weg­ge­beamt, in­dem Bil­der und Tex­te auf ei­ne Lein­wand pro­ji­ziert wur­den. Das hat Pfiff, das ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on des 21. Jahr­hun­derts. Die Mo­der­ni­sie­rung be­trifft selbst­ver­ständ­lich auch den In­ter­net­auf­tritt, der kom­plett über­ar­bei­tet wur­de.

So et­was hät­ten sich die jun­gen Män­ner, die sich vor 150 Jah­ren in Schill­bergs Lau­be an der heu­ti­gen Ho­ve­ner Stra­ße zur Grün­dung des Ge­s­ang­ver­eins tra­fen, nie und nim­mer vor­stel­len kön­nen. Wie auch. Da­mals gab es noch kei­ne Au­tos, sie wa­ren noch nicht ein­mal er­fun­den. Dass der Mensch ein­mal flie­gen wür­de – so ein Quatsch. Und In­ter­net? Was hät­ten die jun­gen Sän­ger sich dar­un­ter vor­stel­len kön­nen. Ganz si­cher ha­ben sie sich aber auch da­mals nicht ge­dacht, dass der frisch­ge­grün­de­te Chor 150 Jah­re über­dau­ern wür­de. 2017 wird der Rie­sen­ge­burts­tag ge­fei­ert. Die Vor- be­rei­tun­gen lau­fen. Und die 42 Sän­ger und ihr Chor­lei­ter Edi Rieth­ma­cher freu­en sich auf ein er­eig­nis­rei­ches Jahr. Es geht am 19. März, um 11 Uhr los mit ei­nem mu­si­ka­lisch ge­stal­te­ten Got­tes­dienst im Müns­ter mit an­schlie­ßen­dem Emp­fang im Haus Er­ho­lung.

Für das Ju­bi­lä­ums­jahr wird ein be­son­de­res Re­per­toire er­ar­bei­tet. Zum klas­si­schen Lied­gut kom­men Ti­tel von Udo Jür­gens, Pe­ter Maf­fay und der Mün­che­ner Frei­heit da­zu. Und das Mar­ke­ting­kon­zept von Bern­hard Büdts re­gelt so­gar das zu­künf­ti­ge Out­fit der Sän­ger. Die Män­ner soll­ten, so der Ex­per­te, in schwar­zen An­zü­gen auf­tre­ten. Dar­un­ter emp­fiehlt er ein dun­kel­grü­nes hoch­wer­ti­ges Hemd mit ver­deck­ter Knopf­leis­te und Kent-Haik­ra­gen oder New-Kent-Kra­gen oh­ne Kra­wat­te. Ein dun­kel­ro­tes Ein­steck­tuch wä­re denk­bar. Und zu­letzt weist er an: „Al­le Ta­schen im Hemd und im An­zug sind vor dem Auf­tritt zu ent­lee­ren. Höchs­tens ein Tem­po­ta­schen­tuch ist denk­bar.“

FOTO: LIE­DER­KRANZ

Bei die­sem Auf­tritt in der Kai­ser-Fried­rich-Hal­le tru­gen die Sän­ger noch Je­ans und wei­ße Hem­den. Zu­künf­tig sol­len sie, so steht es im Stra­te­gie­pa­pier, auf der Büh­ne in schwar­zen An­zü­gen und dun­kel­grü­nen Hem­den er­schei­nen. Tex­te und Bil­der als Pro­jek­ti­on sind aus­ge­spro­chen mo­dern.

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