Tanz der Po­lar­lich­ter

In Nord­nor­we­gen hat man im Win­ter die größ­te Chan­ce, die zau­ber­haf­ten Po­lar­lich­ter am Him­mel zu er­le­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE - VON MO­NI­KA HIP­PE

Die Nacht ist kalt und klar. Der Schnee knis­tert un­ter den Win­ter­stie­feln. Dick ein­ge­mum­melt ste­hen die Be­su­cher ne­ben dem Wild­nis­camp, die Köp­fe in den Na­cken ge­legt. Am Him­mel tu­scheln die Ster­ne. Plötz­lich flam­men laut­los grü­ne Licht­schlei­er vom Ho­ri­zont hoch, wie Geis­ter, die je­mand aus der Fla­sche ge­las­sen hat. Sie be­we­gen sich mal lang­sam, mal schnell, im Takt ei­ner ima­gi­nä­ren Mu­sik. Es ist ein magischer Mo­ment, wenn an der Eis­me­er­küs­te die Po­lar­lich­ter tan­zen. „Als ich sie das ers­te Mal sah, be­kam ich ei­ne Gän­se­haut“, sagt Son­nen­for­scher Pål Brek­ke. Er ist Be­ra­ter am nor­we­gi­schen Welt­raum­cen­ter und kennt sich aus mit dem Phä­no­men.

Seit Jahr­tau­sen­den zieht es die Men­schen in den Bann. Vie­le Ma­ler und Schrift­stel­ler in­spi­rier­te das hell­grün bis

Frü­her dach­ten Men­schen, dass Trol­le den Him­mels­zau­ber in­sze­nie­ren

dun­kel­vio­let­te Flim­mern. Das Volk der Sa­men nennt es „Guovs­sa­ha“– das Licht, das man hö­ren kann. Frü­her dach­ten Men­schen, dass Trol­le den Him­mels­zau­ber in­sze­nie­ren. Heu­te weiß man, dass die Son­ne Re­gie führt. Sie spuckt elek­trisch ge­la­de­ne Teil­chen in die Erd­at­mo­sphä­re. „Die größ­te Chan­ce, Nord­licht zu se­hen, ist in ster­nen­kla­ren Win­ter­näch­ten, ab­seits je­der künst­li­chen Licht­quel­le“, emp­fiehlt Pål. 400 Ki­lo­me­ter nörd­lich des Po­lar­krei­ses sind die Be­din­gun­gen ide­al. Dort liegt die „Po­lar­licht­me­tro­po­le“Trom­sø, die größ­te Stadt in Nord­nor­we­gen, um­ge­ben von Fjor­den und Ber­gen. Ei­ne 1000 Me­ter lan­ge Brü­cke ver­bin­det die In­sel mit dem Fest­land. Sie führt di­rekt auf die Eis­me­er­ka­the­dra­le zu, dem Wahr­zei­chen Trom­søs. Das im­po­san­te Ge­bäu­de hat die Form von drei­ecki­gen, hin­ter­ein­an­der auf­ge­rich­te­ten Eis­schol­len und soll das Nord­licht, Eis und Dun­kel­heit sym- bo­li­sie­ren. Ei­ne Seil­bahn bringt Be­su­cher auf den 420 Me­ter ho­hen Stor­stein. Von dort reicht der Blick über die Stadt bis in die Ber­ge.

Be­son­ders mys­tisch ist es zwi­schen Mit­te De­zem­ber und Mit­te Ja­nu­ar, wenn der Win­ter die Schnee­land­schaft in schwarz-bläu­li­chen Schum­mer taucht. Dann geht man auf „Po­lar­licht­jagd“. Gui­des che­cken je­den mor­gen die Wet­ter­vor­her­sa­ge und die Ak­ti­vi­tät der Son­nen­win­de. Am Abend ver­su­chen sie mit ih­ren Gäs­ten dem Licht hin­ter­her- oder ent­ge­gen­zu­fah­ren, in der Hoff­nung, dass der Him­mel sei­ne La­te-Night-Show prä­sen­tiert. Im Pla­ne­ta­ri­um flie­gen die Farb­schlei­er per Knopf­druck über ei­ne he­mi­sphä­ri­sche 360Grad-Lein­wand.

Tags­über bleibt Zeit für ei­nen Bum­mel durch die vie­len Ge­schäf­te, Re­stau­rants, Ca­fés und Mu­se­en: Das Uni­ver­si­täts­mu­se­um zeigt die Le­bens­wei­se der Sa­mi; im ark­ti­schen Aqua­ri­um sind Bar­trob­ben die Haupt­at­trak­ti­on. Das viel­leicht schöns­te Mu­se­um ist das Po­lar­mu­se­um in ei­nem der äl­tes­ten Ha­fen­ge­bäu­de. Es er­zählt die Ge­schich­te der Po­lar­for­scher Ro­ald Amund­sen und Fridtjof Nan­sen. Wer Be­we­gung braucht, kann in der Um­ge­bung ski­fah­ren oder auf Schnee­schu­hen qu­er­feld­ein durch die wei­ße Pracht stap­fen.

Auch die In­sel­grup­pen Ves­terå­len und Lo­fo­ten sind gu­te Spots für die Fans der Au­ro­ra Bo­rea­lis. Nir­gend­wo sonst spült der Golf­strom so nah an die Küs­ten­li­nie. Das be­schert den In­seln ein mil­des Mi­kro­kli­ma, in dem sich nur we­ni­ge Wol­ken auf­tür­men. Schä­ren­in­seln und schrof­fe Ber­ge bil­den ei­nen per­fek­ten Vor­der­grund für Fo­tos. Hier lockt das fisch­rei­che Meer See­ad­ler so­wie Schwert­wa­le und Or­cas an. Ne­ben dem Tou­ris­mus le­ben die Men­schen haupt­säch­lich vom Fisch­fang. Über al­lem wacht der „Mann aus dem Meer“, ei­ne lang­bei­ni­ge, me­ter­ho­he Skulp­tur. Er hält ei­nen Kris­tall in den Hän­den, in dem je nach Ta­ges­zeit die Son­ne leuch­tet.

Ein Er­leb­nis ist ei­ne Fahrt mit dem Ren­tier- oder Hun­de­schlit­ten. Im Hus­ky-Camp bel­len die Tie­re vor Freu­de, be­vor es los­geht. Ihr Fell fühlt sich weich und dick an, die Au­gen schim­mern eisblau. Als jag­ten sie ei­ne Beu­te, ren­nen sie dem ers­ten Schlit­ten, an­ge­führt vom Mus­her, hin­ter­her. Am Abend pras­selt ein La­ger­feu­er im Sa­men-Zelt. Es duf­tet nach Kaf­fee und Ren­tier­ge­schnet­zel­tem. Die Be­su­cher lau­schen den Ge­schich­ten von Ren­tie­ren und Scha­ma­nen. Und ir­gend­wann er­füllt der tra­di­tio­nel­le Joik das Zelt, ein Ge­sang, der un­ter die Haut geht. Er han­delt von El­chen, Ren­tie­ren und der Na­tur – und na­tür­lich vom Zau­ber des Nord­lichts. Die Re­dak­ti­on wur­de von In­no­va­ti­on Nor­way zu der Rei­se ein­ge­la­den.

FOTO: THINK­STOCK/DENISE108

Das Volk der Sa­men nennt das Po­lar­licht „Guovs­sa­ha“– das Licht, das man hö­ren kann.

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