Was bei der Weih­nachts-De­ko er­laubt ist

Ad­vents­kranz, Tan­nen­baum oder ein klet­tern­der Weih­nachts­mann: In der Ad­vents­zeit de­ko­rie­ren vie­le Mie­ter ih­re Woh­nung nach Lust und Lau­ne. Aber was ist ge­stat­tet? Und wann müs­sen Mie­ter vor­her den Ver­mie­ter fra­gen?

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE - VON LEO­NARD KEHN­SCHER­PER

Auf­fäl­li­ge Weih­nachts­de­ko­ra­tio­nen sind be­liebt – nicht nur in den USA: Blin­ken­de Ren­tierGe­span­ne, Duft­sprays und Weih­nachts­män­ner an Häu­ser-Fas­sa­den fin­det man auch an und in deut­schen Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern. Über Ge­schmack lässt sich be­kannt­lich nicht strei­ten. Zum Är­ger­nis wird die De­ko aber, wenn sie Nach­barn be­läs­tigt. Doch kann der Ver­mie­ter den Schmuck dann ver­bie­ten? „Grund­sätz­lich kön­nen Mie­ter ih­re Woh­nung voll und ganz nach ih­rem Ge­schmack weih­nacht­lich de­ko­rie­ren“, sagt Ul­rich Ropertz vom Deut­schen Mie­ter­bund. Den Ver­mie­ter ge­he das nichts an. Der Mie­ter müs­se ihn auch nicht um Er­laub­nis fra­gen.

Al­ler­dings gibt es Aus­nah­men: Ins­be­son­de­re, wenn der Mie­ter au­ßer­halb der ei­ge­nen vier Wän­de de­ko­rie­ren will – al­so et­wa ei­nen klet­tern­den Weih­nachts­mann am Bal­kon an­brin­gen möch­te. „Es kann Pro­ble­me ge­ben, wenn der Weih­nachts­mann nicht aus­rei­chend ge­si­chert ist“, er­klärt Bea­te Heil­mann, Miet­rechts­ex­per­tin des Deut­schen An­walt­ver­ein (DAV). Ei­ne Ab­sturz­ge­fahr dür­fe nicht be­ste­hen. Denn Ei­gen­tü­mer und Mie­ter un­ter­lie­gen der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht. Das be­deu­tet: Bei­de haf­ten ge­gen­über Pas­san­ten, wenn die­se et­wa durch her­un­ter­stür­zen­de Ge­gen­stän­de zu Scha­den kom­men. (bü) Ne­ben­kos­ten Mie­ter müs­sen Ein­wen­dun­gen ge­gen ei­ne Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung „bis zum Ablauf des zwölf­ten Mo­nats nach Zu­gang der Abrech­nung er­he­ben“. Die­se Frist be­ginnt aber er­neut mit ei­ner Kor­rek­tur der be­reits durch­ge­führ­ten Abrech­nung. Das hat das Amts­ge­richt Ber­lin-Mit­te ent­schie­den. Al­ler­dings hat das Ge­richt auch fest­ge­legt, dass in­halt­li­che Feh­ler auch nach Ablauf der Abrech­nungs­frist kor­ri­giert wer­den dür­fen – wenn sich da­durch kei­ne hö­he­rer Nach­zah­lung er­gibt. (AmG Ber­lin-Mit­te, 5 C 443/14)

Wer die De­ko si­cher mon­tie­ren will, soll­te je­doch wis­sen: „Möch­te der Mie­ter beim An­brin­gen schrau­ben und dü­beln, muss er den Ver­mie­ter vor­her um Er­laub­nis fra­gen“, sagt Ropertz. Denn mög­li­cher­wei­se könn­te das die Haus­fas­sa­de be­schä­di­gen – im schlimms­ten Fall müss­te der Mie­ter da­für dann auf­kom­men. Ei­nen Weih­nachts­baum kön­nen Mie­ter hin­ge­gen auf dem Bal­kon grund­sätz­lich Fahr­rad­kel­ler Das im ört­li­chen Miet­spie­gel wert­er­hö­hen­de Merk­mal „ab­schließ­ba­rer Fahr­ra­dab­stell­raum“gilt auch für den Fall, dass der Raum nur über ei­ne Trep­pe zu er­rei­chen ist. Gibt es zwar ei­ne Ab­stell­mög­lich­keit für Fahr­rä­der, ist die­se al­le­dings nur über ei­ne Trep­pe zu er­rei­chen, so führt dies kon­se­quen­ter­wei­se nicht zu ei­ner Ab­wer­tung per „Wohn­wert­min­de­rung“, so das Land­ge­richt Ber­lin. Dies un­ab­hän­gig da­von, dass der Raum für Äl­te­re und Kin­der nicht oder nur schwer zu er­rei­chen ist. (LG Ber­lin, 63 S 335/15) plat­zie­ren, er­klärt Ge­rold Happ vom Ei­gen­tü­mer­ver­band Haus & Grund Deutsch­land. „Der Mie­ter soll­te die Grö­ße des Baums al­ler­dings so wäh­len, dass die­ser nicht über den Bal­kon hin­aus reicht oder her­un­ter­fal­len kann.“

Au­ßer­dem soll­ten Mie­ter we­gen der Brand­ge­fahr auf ech­te Ker­zen ver­zich­ten, emp­fiehlt Happ. Al­ter­na­tiv kön­nen sie ei­ne elek­tri­sche Be­leuch­tung ver­wen­den. Doch auch Lich­ter­ket­ten kön­nen stö­ren – wenn sie et­wa ins Schlaf­zim­mer des Nach­barn schei­nen. „Bei 24-stün­di­ger Zwangs­be­leuch­tung, grell blin­ken­der und stän­dig fla­ckern­der Weih­nachts­de­ko­ra­ti­on kön­nen an­de­re Mie­ter na­tür­lich da­ge­gen vor­ge­hen“, sagt Ropertz. Der Nach­bar kann dann et­wa ver­lan­gen, dass die Lich­ter ab 22 Uhr aus­ge­schal­tet wer­den.

Das Glei­che gilt für weih­nacht­li­che Klän­ge. Egal, ob es sich um Weih­nachts­mu­sik, Rock­mu­sik oder Klas­sik han­delt, „in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern gilt ab 22 Uhr Zim­mer­laut­stär­ke“, gibt Ropertz zu be­den­ken. Kur­ze Aus­rut­scher sei­en noch ver­zeih­lich, er­klärt Heil­mann. „Aber die Nacht­ru­he ist auf je­den Fall ein­zu­hal­ten.“

Im Haus­flur und an der Woh­nungs­tür sind Ad­vents­krän­ze ein be­lieb­ter Schmuck. „Krän­ze sind grund­sätz­lich er­laubt und von den Nach­barn zu ak­zep­tie­ren“, er­klärt Ropertz. Al­ler­dings kön­ne der Ver­mie­ter auch hier sein Ve­to ein­le­gen, wenn et­wa die Tür durch das An­brin­gen des Kran­zes dau­er­haft be­schä­digt wür­de. Der Mie­ter muss auch die­sen Schmuck al­so so be­fes­ti­gen, dass kei­ne Schä­den ent­ste­hen. „Dar­über hin­aus soll­ten Mie­ter be­den­ken, dass Krän­ze auch zu Zün­de­lei ver­füh­ren kön­nen“, gibt Heil­mann zu be­den­ken. Gab es in der Ver­gan­gen­heit be­reits ent­spre­chen­de Vor­fäl­le, kann der Ver­mie­ter den Ad­vents­kranz eben­falls ver­bie­ten.

Heil­mann rät Mie­tern, sich beim weih­nacht­li­chen De­ko­rie­ren mög­lichst auf das In­ne­re der Woh­nung zu be­schrän­ken. Doch auch hier gibt es Gren­zen: Den Ge­ruchs­sinn der Nach­barn soll­ten Mie­ter nicht über­stra­pa­zie­ren. „Be­nut­zen Mie­ter in­ten­si­ve Duft­sprays, die fort­lau­fend ins Trep­pen­haus drin­gen, kann das der Ver­mie­ter un­ter­sa­gen“, sagt Happ. Au­ßer­dem soll­ten Mie­ter zur Kennt­nis neh­men, dass nicht al­le Be­woh­ner Weih­nach­ten als ho­hes christ­li­ches Fest fei­ern, er­gänzt Heil­mann. Das Grund­recht auf Re­li­gi­ons­aus­übung ha­be Gren­zen – et­wa wenn an­de­re Mit­men­schen ih­re re­li­giö­sen Gr­und­frei­hei­ten ver­letzt se­hen.

Im Grun­de ist dies über­trag­bar. Ropertz er­klärt: „Die Gren­ze ist da, wo die De­ko­ra­ti­on Nach­bar­rech­te be­ein­träch­tigt.“Ins­ge­samt soll­ten Nach­barn al­so auf­ein­an­der Rück­sicht neh­men.

WOH­NEN & RECHT

FOTO: SOE­REN STACHE

Grel­le Weih­nachts­be­leuch­tung darf Nach­barn nicht stö­ren, sonst kann sie ver­bo­ten oder zeit­lich be­grenzt wer­den.

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