Tes­la ver­leiht Flü­gel

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE - VON MAR­KUS WASCH

Frü­her war al­les ein­fa­cher – wenn auch nicht un­be­dingt schö­ner. Da gab es kla­re Ka­ros­se­rie­for­men: Li­mou­si­ne, Cou­pé, Kom­bi oder Ge­län­de­wa­gen, um ei­ni­ge wich­ti­ge zu nen­nen. Dann ka­men die SUVs und mit ih­nen die Cross­over­mo­del­le, die die Gren­zen zwi­schen den Bau­for­men ver­schwim­men lie­ßen. SUVs oh­ne Dach oder Mi­ni-Ge­län­de­wa­gen für die Stadt sind nur ei­ni­ge Aus­wüch­se. Und was ist jetzt das Mo­del X? Van, SUV, über­pro­por­tio­nier­ter Sport­ler? Nur eins ist si­cher: Auch das neue Mo­dell von Tes­la ist wie sei­ne Vor­gän­ger rein elek­trisch un­ter­wegs und voll­ge­stopft mit in­no­va­ti­ver Tech­nik.

Das Kraft­fahrt­bun­des­amt (KBA) zu­min­dest hat sich ent­schie­den: Es lis­tet das Mo­del X als SUV. Seit dem Start im Mai wur­den 271 Ex­em­pla­re neu zu­ge­las­sen, 38 al­lein im Ok­to­ber. Die War­te­zeit be­trägt drei bis vier Mo­na­te. Das noch am ehes­ten ver­gleich­ba­re Elek­tro­mo­dell, der BMW i3, kam im Ok­to­ber auf 391 Neu­zu­las­sun­gen, für den Zei­t­raum von Ja­nu­ar bis Ok­to­ber 2016 ste­hen 2139 Wa­gen in der Lis­te des KBA. Im ge­sam­ten Jahr 2015 wur­den 12.363 Elek­tro­fahr­zeu­ge zu­ge­las­sen.

Laut Tes­la hebt sich das Mo­del X aber von der Kon­kur­renz ab als das „si­chers­te, viel­sei­tigs­te und schnells­te SUV der Ge­schich­te“. Op­tisch fal­len als ers­tes die hin­te­ren „Fal­con Wing“-Flü­gel­tü­ren ins Au­ge. An­ders als zum Bei­spiel bei Lam­bor­ghi­ni öff­nen sie nicht schräg nach oben, son­dern fah­ren erst seit­lich nach au­ßen, ehe sie ge­ra­de nach oben klap­pen. Je­doch nur, wenn die Sen­so­ren am Fahr­zeug freie Bahn si­gna­li­sie­ren. Da­für reicht schon ein Spalt von rund 30 Zen­ti­me­tern. Ei­ne Pan­ora­ma-Wind­schutz­schei­be – laut Tes­la die größ­te auf dem Markt – zieht sich bis weit über den Kopf des Fah­rers. Auch die Flü­gel­tü­ren sind mit Dach­fens­tern aus­ge­stat­tet.

Dass das Mo­del X das schnells­te SUV ist, über­rascht bei ei­nem Sprint von null auf 100 km/h in 3,1 Se­kun­den (stärks­te Va­ri­an­te P100D mit 100-kWh-Bat­te­rie) nicht. Beim Tritt auf das Gas­pe­dal fühlt es sich an, als sit­ze man in ei­ner Ach­ter­bahn auf vier Rä­dern. Erst bei 250 km/h ist Schluss. Durch die bo­den­in­te­grier­te Bat­te­rie hat das Fahr­zeug ei­nen ex­trem nied­ri­gen Schwer­punkt, was das Um­kip­pen fast un­mög­lich macht. Das Hand­ling ist auf­grund des Ge­wichts von rund 2,5 Ton­nen et­was schwer­fäl­lig und lässt manch­mal die Prä­zi­si­on ver­mis­sen. Mit den 22-Zoll-Rä­dern und je nach Ein­stel­lung der Luft­fe­de- rung re­agiert der Tes­la zu­dem recht sen­si­bel auf Une­ben­hei­ten der Fahr­bahn.

Un­schlag­bar ist das Mo­del X beim teil­au­to­ma­ti­sier­ten Fah­ren. Zwar ha­ben auch an­de­re Her­stel­ler Spur­hal­teas­sis­tent, Ab­stand­hal­ter und Tem­po­mat ver­baut – bei Tes­la kommt noch der Spur­wech­sel durch ei­ne leich­te Be­we­gung des Lenk­rads hin­zu –, doch es ist das per­fek­te Zu­sam­men­spiel der Funk­tio­nen, das den Un­ter­schied aus­macht. Der Wa­gen bleibt au­to­ma­tisch in der Mit­te der Spur, es gibt kei­ne ruck­haf­ten Kor­rek­tu­ren. Da­durch hat der Fah­rer stän­dig ein si­che­res Ge­fühl – selbst, wenn er das Lenk­rad aus der Hand gibt. Beim neu­en Up­date wur­de der Au­to­pi­lot noch­mal spe­zi­ell da- rauf ab­ge­stimmt, im dich­ten Ver­kehr di­rek­ter und gleich­mä­ßi­ger zu re­agie­ren. Bei star­kem Re­gen be­kommt das Sys­tem al­ler­dings Pro­ble­me und lässt sich nicht ak­ti­vie­ren.

Das Cock­pit ist Tes­la-ty­pisch pu­ris­tisch ge­stal­tet und un­ter­schei­det sich kaum vom Mo­del S. Ge­bürs­te­ter Edel­stahl, Glatt- und Wild­le­der so­wie et­li­che Car­bon-Ele­men­te be­stim­men die Op­tik. Die kom­plet­te Steue­rung er­folgt über den 17Zoll-Touch­screen. Es gibt ge­nau zwei Knöpf­chen: für die Warn­blink­an­la­ge und zum Öff­nen des Hand­schuh­fachs – das war’s. Über den senk­recht an­ge­brach­ten Bild­schirm las­sen sich auch die neu­es­ten Spie­le­rei­en von Tes­la steu­ern, die das ak­tu­el­le Up­date 8.0 be­inhal­tet. Et­wa der „Bio­wea­pon De­fen­se Mo­de“, der auf Knopf­druck ei­nen leich­ten Über­druck im In­nen­raum er­zeugt, und so­mit das Ein­drin­gen „von ge­fähr­li­chen Ga­sen und Kei­men ak­tiv ver­hin­dert“. Doch auch wenn kei­ne un­mit­tel­ba­re Ge­fahr droht, so lässt sich die Funk­ti­on noch für et­was an­de­res ein­set­zen – näm­lich um bei der Fahrt durch die Stadt Fe­in­staub im In­ne­ren zu ver­hin­dern. Deut­lich öf­ter zum Ein­satz – wenn auch nicht zu die­ser Jah­res­zeit – dürf­te der Über­hit­zungs­schutz kom­men. Die­se Funk­ti­on er­mög­licht ei­ne kon­stan­te Tem­pe­ra­tur im In­nen­raum bei aus­ge­schal­te­tem Fahr­zeug und schützt so­mit zum Bei­spiel Tie­re vor zu star­ker Hit­ze.

Das Mo­del X gibt es mit drei Bat­te­rie-Va­ri­an­ten: Das Ein­stiegs­mo­dell 75D (75-kWh) hat laut Her­stel­ler ei­ne Reich­wei­te von 417 Ki­lo­me­tern und kos­tet ab 102.500 Eu­ro. Die von uns ge­tes­te­te Ver­si­on mit 90-kWhBat­te­rie gibt es ab 113.000 Eu­ro und hat laut Tes­la ei­ne Reich­wei­te von 489 Ki­lo­me­tern. Im Test muss­ten wir bei kal­tem Wet­ter al­ler­dings nach rund 350 Ki­lo­me­tern wie­der an die Steck­do­se. Das Spit­zen­mo­dell P100D – ab 156.700 Eu­ro – soll 542 Ki­lo­me­ter schaf­fen und hat be­reits ei­nen Spoi­ler, der sich je nach Ge­schwin­dig­keit selbst ver­stellt, und das Lu­di­crousGe­schwin­dig­keits-Up­grade für die Best­zeit von 3,1 Se­kun­den an Bord. Da­mit lässt man sein Mo­del X auch ger­ne als SUV be­zeich­nen – näm­lich „das schnells­te der Ge­schich­te“.

Auf Knopf­druck kann das Au­to vor ei­nem An­griff mit Bio­waf­fen ge­si­chert wer­den

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.