Wern-Air

Nach dem Leip­zi­ger 2:1 ge­gen Schal­ke gibt es nur ein The­ma: die Schwal­be von RB-Stür­mer Ti­mo Wer­ner.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON PATRICK SCHERER

LEIP­ZIG/DÜS­SEL­DORF Nur 19 Se­kun­den brauch­te die Par­tie zwi­schen Leip­zig und Schal­ke 04, um Dis­kus­si­ons­stoff für ei­ne gan­ze Wo­che zu lie­fern. Leip­zigs Stür­mer Ti­mo Wer­ner war Nal­do da­von­ge­lau­fen, wur­de vom In­nen­ver­tei­di­ger leicht an der Schul­ter ge­zo­gen, mach­te drei Schrit­te, lupf­te den Ball so­wohl am ent­ge­gen­stür­men­den Tor­hü­ter Ralf Fähr­mann als auch am Tor vor­bei und sank dann thea­tra­lisch zu Bo­den. Schieds­rich­ter Bas­ti­an Dankert pfiff Elf­me­ter und zeig­te Fähr­mann

„Ich muss auf­pas­sen, dass ich mor­gen kei­nen Her­pes ha­be, wenn ich auf­wa­che“

Ralf Fähr­mann die Gel­be Kar­te. Die Zeit­lu­pe ent­larv­te Wer­ner als Schau­spie­ler.

Dem 20-Jäh­ri­gen war es egal, er schnapp­te sich den Ball und ver­wan­del­te zum frü­hen 1:0. Dass Leip­zig sich in der Fol­ge ei­nen 2:1Sieg er­ar­bei­te­te, in­ter­es­sier­te nach Ab­pfiff nur noch am Ran­de. „Das ist zum Kot­zen, di­rekt am An­fang so ein Bein ge­stellt zu be­kom­men. Ich muss auf­pas­sen, dass ich mor­gen kei­nen Her­pes ha­be, wenn ich auf­wa­che“, schimpf­te Fähr­mann bei Sky.

Seit der Sze­ne läuft ei­ne Dis­kus­si­ons­run­de, in der es mal wie­der um Moral im Fuß­ball geht. Die Gret­chen­fra­ge: Wer trägt mehr Schuld? Wer­ner oder Dankert? Al­le Be­tei­lig­ten ka­men zu Wort, am En­de war aber nie­mand in Fuß­ball­deutsch­land schlau­er als zu­vor.

Zu­nächst be­kann­te sich Wer­ner nach An­sicht der TV-Bil­der im In­ter­view se­mi-schul­dig: „Es tut mir leid, dass es nach ei­ner Schwal­be aus­sieht“, sag­te der Stür­mer. Fähr­mann ha­be ihn zwar nicht be­rührt, Nal­do hät­te ihn aber aus sei­nem Lauf­rhyth­mus ge­bracht. Ges­tern mor­gen be­sann sich der Ex-Stutt- gar­ter dann doch noch auf die Rol­le als er­tapp­ter Sün­der. „Na­tür­lich sieht es dann nicht nur nach ei­ner Schwal­be aus, son­dern es ist ei­ne – Punkt“, sag­te Wer­ner.

Die Schal­ker Ak­teu­re lu­den ih­ren Frust oh­ne­hin eher beim Un­par­tei­ischen ab. Fähr­mann und Ka­pi­tän Hö­we­des at­tes­tier­ten Wer­ner, er ha­be di­rekt nach der Ak­ti­on zu­ge­ge­ben, dass der Tor­hü­ter ihn nicht be­rührt ha­be. „Ich ha­be dem Schi­ri ge­sagt, dass von Fähr­mann kein Kon­takt aus­ging, son­dern dass ich den Kon­takt von Nal­do ge­spürt ha­be“, sag­te Wer­ner: „Ich glau­be, er hat es in der Hek­tik über­hört.“

Dankert schil­der­te sei­ne Ver­si­on so: „Es hat kein Ge­spräch zwi­schen mir und Ti­mo Wer­ner statt­ge­fun­den. Ich ha­be Wer­ner vor dem Elf­me­ter ge­fragt: Was war denn? Aber da kam nichts und dann ha­be ich den Elf­me­ter aus­füh­ren las­sen.“Das Zup­fen von Nal­do stuf­te Dankert an­ders als das ver­meint­li­che Ein­stei­gen von Fähr­mann als „nicht straf­stoß­wür­dig“ein.

Dan­kerts Rol­le in der Sze­ne ist im bes­ten Fall un­glück­lich, auch wenn er sich hin­ter­her für die Fehl­ent­schei­dung ent­schul­dig­te. Schon beim kla­ren Hand-Tor von Han­no­vers Le­on Andrea­sen im Jahr 2015 ge­gen den 1. FC Köln hat­te sich der Schies­ds­rich­ter aus Ros­tock ei­ne fa­ta­le Fehl­ent­schei­dung ge­leis­tet. Da­mals hat­te er Andrea­sen trotz al­ler Pro­tes­te über­haupt nicht ge­fragt, am Sams­tag tat er das bei Wer­ner of­fen­bar nur halb­her­zig. „Bei Leip­zig und auch bei uns war ho­hes Tem­po im Spiel – an­schei­nend zu viel für ihn“, ätz­te Schal­ke-Trai­ner Mar­kus Wein­zierl Rich­tung Dankert.

Der Fall Wer­ner(s) un­ter­stützt je­den­falls die Be­für­wor­ter des Vi­deo­be­wei­ses, der ab der kom­men­den Sai­son in der Bun­des­li­ga ge­tes­tet wird.

Ei­ne Stra­fe vom Deut­schen Fuß­ball Bund muss Wer­ner al­ler Vor­aus­sicht nach nicht fürch­ten. Bis ges­tern Abend lei­te­te der DFB kei­ne Er­mitt­lun­gen ein und wer­te­te die Si­tua­ti­on als Tat­sa­chen­ent­schei­dung.

FO­TO: IMAGO

Freie Sicht: Schieds­rich­ter Bas­ti­an Dankert be­ob­ach­tet aus gu­ter Po­si­ti­on die Sze­ne mit Ralf Fähr­mann, Ti­mo Wer­ner und Nal­do.

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