Mer­ce­des: schwie­ri­ge Su­che nach Ros­berg-Nach­fol­ger

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT -

WI­EN/KÖLN (sid) Ni­ki Lau­da ver­spür­te kei­ne gro­ße Lust, sei­ne Ent­täu­schung zu ver­ber­gen. Der völ­lig un­er­war­te­te Rück­tritt von Welt­meis­ter Ni­co Ros­berg hat­te bei Mer­ce­des ganz plötz­lich ei­ne ge­wal­ti­ge Lü­cke ge­ris­sen, und der Auf­sichts­rats­boss des Renn­stalls ließ kei­nen Zwei­fel: Zeit­punkt und Um­stän­de des Ab­schieds sor­gen für Un­mut.

Bei Mer­ce­des fühlt man sich über­rum­pelt. „Wir ha­ben noch nichts, kei­ne Lö­sung“, sag­te der drei­ma­li­ge Welt­meis­ter in ei­nem In­ter­view mit der „Welt am Sonn­tag“, „wir ste­hen voll im Re­gen eben­so wie un­se­re 1200 Mit­ar­bei­ter, für die wir ver­ant­wort­lich sind.“

Lau­da re­spek­tiert Ros­bergs Rück­zug ins Pri­vat­le­ben, des­sen „ein­sa­men Ent­schluss“, den­noch: Kei­ne vier Mo­na­te vor der neu­en Sai­son mit den um­fang­rei­chen Re­ge­län­de- run­gen müs­sen die Do­mi­na­to­ren der ver­gan­ge­nen Jah­re plötz­lich ih­re Pla­nun­gen um­schmei­ßen. „Wir ha­ben ein neu­es Au­to, bei dem wir jetzt noch nicht wis­sen, wo­hin die Rei­se geht und da­zu jetzt noch ei­ne Rie­sen­un­si­cher­heit bei den Fah­rern. Kurz­um: Wir be­fin­den uns in dem für mich schlech­tes­ten, mög­li­chen Zu­stand“, sag­te Lau­da und sprach von ei­nem „Rie­sen­loch“, das Ros­berg mit sei­ner Ent­schei­dung bei Mer­ce­des ge­ris­sen ha­be.

Bis Weih­nach­ten, so Lau­da, will Mer­ce­des nun den Nach­fol­ger fin­den, steht da­mit je­doch vor ei­ner höchst kom­pli­zier­ten Auf­ga­be. Selbst nach der Re­gle­ment-Än­de­rung für 2017 bleibt der Sil­ber­pfeil zwar der be­gehr­tes­te Ar­beits­platz in der Kö­nigs­klas­se. In den St­un­den nach Ros­bergs Ver­kün­dung hät­ten sich „fast al­le Fah­rer“ge­mel­det, sag- te Lau­da im Ge­spräch mit Sky: „Et­wa 90 Pro­zent des Fel­des. Nur um zu sa­gen: Hal­lo, wir sind da.“

Doch die Mög­lich­kei­ten sind li­mi­tiert, denn die Top-Pi­lo­ten ste­hen al­le­samt bei der di­rek­ten Kon­kur­renz un­ter Ver­trag. So ha­be Red- Bull-Te­am­chef Chris­ti­an Hor­ner sich be­reits per SMS ge­mel­det: „Er mein­te, wir sol­len gar nicht erst über Max Ver­stap­pen und Da­ni­el Ric­ci­ar­do nach­den­ken.“Und ob Se­bas­ti­an Vet­tels wirk­sa­me Aus­stiegs­klau­sel bei Fer­ra­ri mehr als ei­ne Spe­ku­la­ti­on der ita­lie­ni­schen Me­di­en ist, bleibt ab­zu­war­ten. Mer­ce­des-Mo­tor­sport­chef To­to Wolff stell­te be­reits klar: „Es gibt ein paar Kan­di­da­ten, die ein­deu­tig nicht ver­füg­bar sind: Max Ver­stap­pen und Da­ni­el Ric­ci­ar­do von Red Bull, Se- bas­ti­an Vet­tel von Fer­ra­ri. Al­le an­de­ren müs­sen wir ana­ly­sie­ren.“

Die ein­fachs­te und lo­gi­sche Lö­sung wä­re Pas­cal Wehr­lein, der in die­sem Jahr sein For­mel-1-De­büt bei Ma­nor gab. Der 22-Jäh­ri­ge ist Mer­ce­des-Ver­trags­fah­rer, er kennt das Team und den Sil­ber­pfeil, und er hat noch kein Cock­pit für die kom­men­de Sai­son.

Der fin­ni­sche Wil­li­ams-Pi­lot Valt­te­ri Bot­tas wird nun eben­falls ge­han­delt, Ser­gio Pe­rez scheint ei­ne Mög­lich­keit zu sein, in Be­zug auf Ni­co Hül­ken­berg soll des­sen neu­er Ar­beit­ge­ber Re­nault schon ab­ge­sagt ha­ben. Und selbst über Fer­nan­do Alon­so wird dis­ku­tiert, Ha­mil­tons al­ten „Feind“aus ge­mein­sa­men Ta­gen bei McLa­ren. Doch all die­se Na­men will man bei Mer­ce­des nicht kom­men­tie­ren. Es ge­be eben „noch kei­nen Plan B“, sagt Lau­da.

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Der zwei­ma­li­ge Welt­meis­ter Fer­nan­do Alon­so ist im Ge­spräch.

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Valt­te­ri Bot­tas aus Finn­land fährt bei Wil­li­ams.

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Der Deut­sche Pas­cal Wehr­lein wä­re die ein­fachs­te Lö­sung.

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