Der Graf von Lu­xem­burg mel­det Pri­vat­in­sol­venz an

Franz Lehárs Ope­ret­te wur­de in der Ins­ze­nie­rung von Jans-Da­ni­el Her­zog in der Düs­sel­dor­fer Rhein­oper auf­ge­führt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON REGINE MÜL­LER

DÜS­SEL­DORF Der Büh­nen­kas­ten gähnt in schwar­zer Lee­re, vor­ne bil­den Glüh­bir­nen ei­nen schumm­ri­gen Va­rie­té-Rah­men, auf ei­nem ein­sa­men Stuhl in der Mit­te hängt apa­thisch ein de­ran­gier­ter Mann. So könn­te ein Mo­no­log-Dra­ma von Be­ckett star­ten. An der Düs­sel­dor­fer Rhein­oper be­ginnt so Franz Lehárs Sa­lon­o­pe­ret­te „Der Graf von Lu­xem­burg“, doch als­bald springt das Wrack auf und be­singt hys­te­risch sei­ne Pri­vat­in­sol­venz im schöns­ten Lehár-Schwung und -Schmäh.

Jens-Da­ni­el Her­zog ist als er­folg­rei­cher In­ten­dant der Oper und zu­mal als ge­frag­ter Opern­re­gis­seur un­ver­däch­tig, ei­ne Ope­ret­te als harm­lo­ses Zu­ckerl zu in­sze­nie­ren, da­her war mit die­sem nacht­schwar­zen An­fang und wei­te­ren Brü­chen zu rech­nen. Zu­mal Ope­ret­ten-De­bü­tant Her­zog zu Pro­to­koll ge­ge­ben hat­te, er wol­le auch die ver­bor­ge­nen Ab­grün­de des Stücks be­leuch­ten, das Lehár einst in knapp drei Wo­chen hin­warf und selbst­iro­nisch als „Schlam­pi­ge Ar­beit, gar nichts dran!“be­wer­te­te. Tat­säch­lich er­reicht der „Graf“nicht die Ohr­wurm-Qua­li­tä­ten der „Lus­ti­gen Wit­we“oder die dra­ma­tur­gi­sche Schär­fe des „Land des Lä­chelns“. Statt­des­sen wird die gu­te al­te Ge­schich­te – nicht stan­des­ge­mä­ße Be­zie­hung wird le­ga­li­siert durch Schein­ehe mit ver­arm­tem Zo­ckerA­del – durch­ge­he­chelt.

Da­zu fährt Büh­nen­bild­ner Ma­this Neid­hardt apart her­un­ter­ge­kom­me­ne Räu­me auf und ge­währt mit­tels hef­tig krei­sen­der Dreh­büh­ne Ein­bli­cke in das La­by­rinth ei­nes ver­ranz­ten Vor­stadt­thea­ters. Si­byl­le Gä­de­kes Ko­s­tü­me zi­tie­ren raf­fi­niert Edel­kitsch und Trash.

Her­zog hat ei­ne Fi­gur er­fun­den, die an den Frosch in der „Fle­der­maus“er­in­nert. Oli­ver Brei­te tritt in al­ler­lei Ne­ben­rol­len auf und ser­viert rou­ti­niert Po­in­ten, die dann am bes­ten sind, wenn sie nicht die Ta­ges­po­li­tik ver­han­deln. Brei­te gibt dem Abend ko­mö­di­an­ti­schen Schwung, der an­sons­ten öf­ter emp- find­lich er­lahmt. Her­zog weiß sehr wohl, wie Ko­mik funk­tio­niert, aber vie­les wirkt arg ge­macht. Die Slap­stick-Num­mern der rus­si­schen Kum­pa­ne des Gra­fen Ba­si­lo­witsch nut­zen sich ab, die Mus­ter der Si­tua­ti­ons­ko­mik sind bald be­re­chen­bar. Und die al­ber­ne Farb-Schlacht in der Man­sar­de des Buf­fo-Pär­chens ist ein ech­ter Aus­rut­scher.

Im Gr­a­ben sorgt Lu­kas Bei­kir­cher für zü­gi­ges, von Wack­lern nicht frei­es und eher grob­kör­ni­ges Mu­si­zie­ren. Der Star des Abends, Bo Skov­hus in der Ti­tel­rol­le, ist un­zwei­fel­haft ein gro­ßer Künst­ler, ta­del­lo­ser Ka­va­lier­ba­ri­ton und gran­dio­ser Dar­stel­ler. Mit der Te­nor-Rol­le des Gra­fen René in­des tut er sich kei­nen Ge­fal­len. Er hat al­le Tö­ne, aber sie klin­gen mus­ku­lös ge­spannt, die Stim­me blüht nur in der Mit­te, oben wird sie steif. Ju­lia­ne Ban­ses ly­ri­scher So­pran als An­gè­le Di­dier se­kun­diert mit be­tö­rend flir­ren­dem Tim­bre, klingt in der Hö­he aber auch leicht ge­fähr­det. Ei­nen spä­ten Ga­la-Auf­tritt legt Su­san Ma­cle­an als Grä­fin Sta­sa Ko­ko­zo­wa hin. www.opernam­rhein.de

FO­TO: MI­CHEL

Wer ist oben, wer un­ten? Der Kühl­schrank schaut fra­gend zu.

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