Sport­freun­de müs­sen Auf­tau­ar­beit leis­ten

Den Sport­lern kam der Frost gera­de recht, den Mu­si­kern auf der Büh­ne und dem Pu­bli­kum nicht so ganz. Beim Kon­zert der Sport­freun­de Stil­ler dämpf­ten die Tem­pe­ra­tu­ren die Stim­mung – ei­gent­lich gilt die Band li­ve als ech­ter Knal­ler.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON JU­LIA ZUEW

Gut für die Pis­te, aber we­ni­ger für die Büh­ne: Schon als die Fi­na­lis­ten im Snow­board beim Arag Big Air Free­style Fes­ti­val die Ram­pe run­ter­zi­schen, beißt der Frost in Na­se und Fin­ger. Die Sport­ler freut es, doch nach­dem die Sie­ger ge­kürt sind, müs­sen die Sport­freun­de Stil­ler ge­gen Frost und küh­le Stim­mung an­spie­len, was zu Be­ginn noch nicht ganz ge­lingt. Erst nach knapp 40 Mi­nu­ten taut die Men­ge rich­tig auf.

An dem Sound der Jungs gibt es nichts aus­zu­set­zen – die Tö­ne sind sau­ber, auch die Tech­nik zieht mit. Ei­gent­lich kann nichts schief­ge­hen. Je­doch herrscht nicht nur im Pu­bli­kum wäh­rend der ers­ten Lie­der eher trä­ge Stim­mung: Au­ßer Schlag­zeu­ger Flo­ri­an „Flo“We­ber be­wegt sich auf der Büh­ne erst­mal we­nig. In ro­ter Strick­müt­ze und di­cker Wes­te warm ver­packt, bleibt Sän­ger und Gi­tar­rist Pe­ter Brug­ger die meis­te Zeit an sei­nem Mi­kro ste­hen. Auch Rü­di­ger „Rü­de“Lin­hof am Bass lä­chelt zwar strah­lend, weicht je­doch wäh­rend der ers­ten Lie­der kaum vom Fleck.

Trotz Mi­nus­gra­den und klam­mer Fin­ger tref­fen die Mu­si­ker aber die Ak­kor­de, und von der klir­ren­den Käl­te ist im Gro­ßen und Gan­zen nichts zu hö­ren. Zwi­schen den Lie­dern gibt es viel Ap­plaus für die Band – es liegt wohl tat­säch­lich an der Käl­te, dass sich das Pu­bli­kum schwer zum Klat­schen, Hüp­fen oder Mit­ma­chen in je­der an­de­ren Art und Wei­se schwer ani­mie­ren lässt, und nicht an der Set­list. Die­se ist üb­ri­gens ei­ne recht aus­ge­wo­ge­ne Mi­schung aus dem ak­tu­el­len Al­bum „Sturm & Stil­le“, das vor knapp zwei Mo­na­ten er­schie­nen ist, und ge­misch­ten Hits aus den ver­gan­ge­nen Jah­ren.

Zu­min­dest ein ers­ter gro­ßer Schwung geht je­doch durch das Pu­bli­kum, als der Song „New York, Rio, Ro­sen­heim“er­klingt. Bei den ers­ten Tak­ten wip­pen die ers­ten Zu­schau­er mit. Und zum En­de hin ist auch zu se­hen, wie an man­chen Stel­len im Spar­kas­sen­park Grüpp­chen fröh­lich im Takt mit der Mu­sik hüp­fen.

Nach et­wa ei­ner St­un­de ha­ben sich zu­min­dest die ers­ten Rei­hen warm­ge­tanzt und -ge­sun­gen. Die Band ver­sucht, auch das rest­li­che Pu­bli­kum aus der Re­ser­ve zu lo­cken. Kur­zer­hand tauscht We­ber mit Brug­ger die Rol­le, ver­lässt das Drum­set – und be­wirkt in we­ni­gen Se­kun­den, was der Band bis­lang nur sto­ckend ge­lang. Er nimmt die gan­ze Büh­ne und den Gr­a­ben da­vor ein, klatscht und springt in die Luft. Mit ei­nem Ruck schwin­gen die Hän­de im Pu­bli­kum mit, es wird ge­tanzt, und selbst in den hin­ters­ten Rei­hen ist Le­ben drin.

Mit „Ap­plaus, Ap­plaus“nimmt das Kon­zert dann Zü­ge an, die dem üb­li­chen Li­ve-Cha­rak­ter der Band na­he­kommt: Die Men­ge fei­ert, singt laut mit, die Stim­mung scheint mit ei­nem Schlag kom­plett ge­kippt. Zu­min­dest bei je­nen, die so lan­ge durch­hal­ten. Dem Frost trot­zen nicht al­le Be­su­cher, vie­len wird es zu kalt. Doch an­de­re ver­fol­gen das Kon­zert noch bis zum Schluss. Man­che ha­ben sich in De­cken ge­hüllt, man­che set­zen auf Be­we­gung und hei­ße Ge­trän­ke.

Trotz­dem zie­hen aber vie­le den Schal noch hö­her un­ter die Na­se und stap­fen ei­lig zum Park­platz. Rich­tig en­er­gie­ge­la­de­ne At­mo­sphä­re, wie es sonst bei den „Spor­tis“der Fall ist, kommt bis zum Schluss nicht im ge­sam­ten Pu­bli­kum auf – trotz be­kann­ter Lie­der, schnel­ler Riffs und Beats und reich­lich vor­han­de­nen Glüh­weins.

FO­TOS (2): IL­G­NER

In ro­ter Strick­müt­ze und di­cker Wes­te warm ver­packt: Pe­ter Brug­ger ist Sän­ger und Gi­tar­rist derS­port­freun­de Stil­ler. Das Pu­bli­kum muss­te an­ge­sichts der Tem­pe­ra­tu­ren mehr ani­miert wer­den als sonst.

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