„Pop Bo­he­mi­ans“im Pro­jekt­raum EA 71

Me­nia und Ka­ri­na Pie­tru­cha stel­len ge­mein­sam groß­for­ma­ti­ge, farb­in­ten­si­ve Ge­mäl­de aus.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON SIGRID BLOMEN-RADERMACHER

Die c/o-Künst­le­rin Me­nia, ge­bo­ren 1965, hat ei­ne pol­ni­sche, in Bot­trop le­ben­de Kol­le­gin, Ka­ri­na Pie­tru­cha, eben­falls Jahr­gang 1965, ein­ge­la­den, mit ihr ge­mein­sam aus­zu­stel­len. Es ist we­ni­ger als ein Dut­zend Bil­der, die im EA71 zu se­hen sind, aber ihr gro­ßes For­mat, ih­re Bunt­heit und ih­re teils bru­ta­le The­ma­tik spren­gen schier den Raum der vor­han­de­nen Wän­de.

Me­nia, die seit 1989 in Deutsch­land lebt und an der Kunst­aka­de­mie stu­dier­te, be­dient sich ei­ner stark far­bi­gen, pla­ka­ti­ven, an Ein­deu­tig­kei­ten rei­chen Bild­spra­che. Sie scheut vor kei­nem Ta­bu in der Darstel­lung zu­rück, kom­bi­niert die­se mit Mo­ti­ven aus der Kunst­ge­schich­te und ad­diert ge­sell­schaft­li­che Fra­gen hin­zu.

Da ist das „Früh­stück im Grü­nen“, das einst Ma­net mal­te und da­mit ei­nen Skan­dal aus­lös­te und da­für sorg­te, dass das Bild von der Bild­flä­che ver­schwin­den muss­te. Me­nia zeigt die drei Per­so­nen im Park, ver­zerrt ih­re Ge­sich­ter, greift ei­nen der bei­den An­zug­trä­ger – wie bei Ma­net – auf und ver­wan­delt den zwei­ten in ei­nen grob­schläch­ti­gen Ur­zeit­men­schen, der sich der Frau ge­walt­sam nä­hert. Statt ei­nes vor­neh­men Pick­nicks lie­gen die Piz­za­schach­teln her­um, und im Hin­ter­grund, vor der un­ter­ge­hen­den Son­ne, er­kennt man den Schat­ten ei­nes Man­nes im Boot, der in den See uri­niert. Me­nia er­klärt, sie wol­le ein Bild, das den An­fang der Mo­der­ne mar­kie­re, in die heu­ti­ge Zeit brin­gen und mit dem fül­len, was ihr täg­lich be­geg­ne: der Müll, die Jun­kies. Ei­ne bru­ta­le Über­set­zung ei­nes Mo­tivs, das zwar skan­da­lös war, aber im­mer­hin hoch­äs­the­tisch ge­malt.

Auch Ka­ri­na Pie­tru­cha be­zieht sich in ei­nem Ge­mäl­de auf ei­nen be­deu­ten­den Künst­ler: Pa­blo Pi­cas- so. Es exis­tiert ei­ne Fo­to­gra­fie von Pi­cas­so in Un­ter­ho­sen, an der sich be­reits an­de­re Künst­ler ih­ren Frust mit dem Über­va­ter der Kunst­ge­schich­te ab­ge­ar­bei­tet ha­ben. Pi­cas­so steht hier ne­ben Heinz Lies­brock, Di­rek­tor des Jo­sef Al­bers Mu­se­ums in Bot­trop, der Wahl­hei­mat von Pie­tru­cha. Pi­cas­so und Lies­brock be­we­gen sich vor ei­ner Art Ta­pe­te im Stil der 1970er Jah­re, die wie ein Wim­mel­bild mit sti­li­sier­ten Frau­en be­malt ist. Wäh­rend al­so Me­nia so­zi­al­kri­ti­sche An­mer­kun­gen in ihr Bild malt, kom­bi­niert Pie­tru­cha das Mo­tiv mit pri­va­ten Hin­ter­grün­den.

Wei­te­re The­men von Pie­tru­cha sind die Par­ty­kul­tur der 1970er Jah­re oder die durch Schön­heits­ope­ra­tio­nen bis zur Un­kennt­lich­keit ent­stell­ten Frau­en, wäh­rend Me­nia sich auch mit afri­ka­ni­scher oder der Kul­tur der Ma­o­ri be­fasst und die Eu­ro­päi­sie­rung man­cher Ri­tua­le kri­tisch hin­ter­fragt.

Die Aus­stel­lung „Me­nia und Ka­ri­na Pie­tru­cha/Pop Bo­he­mi­ans“ist bis noch zum 18. De­zem­ber je­weils sams­tags und sonn­tags von 12 bis 16 Uhr im EA 71 an der Ei­cke­ner Stra­ße 71 zu be­sich­ti­gen.

RP-FO­TO: HANS-PE­TER REICHARTZ

Ka­ri­na Pie­tru­cha aus Bot­trop und die c/o-Künst­le­rin Me­nia im Aus­stel­lungs­raum an der Ei­cke­ner Stra­ße 71.

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