Ian Shaw – atem­be­rau­ben­de Mu­sik und viel Hu­mor

In der Rei­he Fi­ne Art Jazz trat der be­kann­te wa­li­si­sche Jazz­sän­ger im TIG – Thea­ter im Grün­dungs­haus – in Ei­cken auf.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON CHRIS­TI­AN OS­CAR GAZSI LAKI

Er ist ein wa­li­si­scher Jazz­sän­ger, mit atem­be­rau­bend viel­fäl­ti­ger Stim­me, raf­fi­nier­ter Pia­nist, Schau­spie­ler, Pro­du­zent und ein – wie un­zwei­fel­haft deut­lich wur­de – mit viel Hu­mor und In­tel­li­genz ge­seg­ne­ter En­ter­tai­ner. Er ist aber auch ein sanf­ter Men­schen­freund, setzt sich für Flücht­lin­ge ein, lebt Nächs­ten­lie­be le­ben­dig vor und strahlt die­se Le­bens­ein­stel­lung in je­dem Mo­ment sei­ner Auf­trit­te auch aus. Ei­ner­seits durch die Aus­wahl der Mu­sik, die er, mit über­bor­den­dem Pfiff sich am Pia­no be­glei­tend, singt, an­de­rer- seits aber auch in den aus­ge­dehn­ten mal ka­ba­ret­tis­ti­schen, oder auch nach­denk­li­che­ren Zwi­schen­mo­de­ra­tio­nen.

Be­reits 2014 be­geis­ter­te Ian Shaw, so­wohl das hie­si­ge Pu­bli­kum, als auch die Ver­an­stal­ter von Fi­ne Art Jazz der­art, dass sein er­neu­ter Be­such in Mön­chen­glad­bach nur ei­ne Fra­ge der Zeit war. Wie schon bei sei­nem ers­ten Auf­tritt – da­mals noch im Haus Er­ho­lung – fiel auch dies­mal sein So­lo­kon­zert mit­ten in die Vor­weih­nachts­zeit. So zier­te den St­ein­way (üb­ri­gens groß­zü­gig ge­spons­ort durch Pia­no Fi­lip­ski), durch den das TIG in Hand­umd­re- hen in ei­nen ve­ri­ta­blen Jazz-Club ver­wan­delt wer­den kann, wun­der­bar kit­schig ein LED-be­leuch­te­tes Mi­ni-Ren­tier. Als Si­de­kick – be­glei­te­te das Tier­chen Shaw treu durch den bun­ten Abend, an dem herz­haft über die Royals, bri­ti­sche Ak­zen­te oder nicht nur die haar­tech­ni­schen Par­al­le­len zwi­schen Mr. Trump und Bo­ris John­son ge­lacht wer­den durf­te.

Dass Shaw eben auch ei­nen ab­so­lut treff­si­che­ren Stand-up be­herrscht, macht sei­ne Kon­zer­te zu wahr­haft run­den, bri­tisch an­ge­hauch­ten Mo­men­ten für al­le. So­wohl den Jazz-Fa­na­ti­ker, der sich be­rührt von fei­nem Klang­witz gut un­ter­hal­ten fühlt, als auch für je­ne, die ein­fach nur ein biss­chen Ablen­kung von den Sor­gen des All­tags wün­schen, sich in gu­te Stim­mung fal­len­las­sen wol­len.

Je­der im Pu­bli­kum konn­te sich zu­frie­den füh­len, mit die­sem rund­um ge­lun­ge­nen vor­weih­nacht­li­chen Kon­zert­abend, der aber eben nicht nur ober­fläch­li­che Un­ter­hal­tung blieb, son­dern auch tie­fe­re Ge­dan­ken evo­zier­te. Ei­nem Abend der Mu­sik bei­spiels­wei­se von Yo­ko und John, Leo­nard Co­hens Hal­le­lu­jah, Man­ci­nis „Moon Ri­ver” aus Früh­stück bei Tif­fa­ny, oder „My Bro­ther” von Shaw selbst in ver­schie­de­ne reiz­vol­le Kon­tex­te stell­te, aber auch im­mer wie­der Weih­nacht­li­ches mit ei­gen­wil­lig mu­si­ka­li­schem Esprit ver­band.

Dies­mal war Ian Shaw viel­leicht nicht ganz so klan­gäs­the­tisch an­ge­spitzt wie bei sei­nem letz­ten Be­such in Mön­chen­glad­bach, viel­leicht et­was wei­cher, doch hat nicht je­der von uns Ta­ge, an de­nen man es eher sanf­ter und et­was in­wen­di­ger an­ge­hen lässt? Das Pu­bli­kum war durch­weg be­geis­tert. Es war zu hö­ren, dass es nächs­tes Jahr mit Fi­ne Art Jazz in Mön­chen­glad­bach hoch­ka­rä­tig wei­ter­ge­hen wird.

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