Niederkrüchten: Mord­waf­fe war le­gal

Das Fa­mi­li­en­dra­ma mit drei To­ten in ei­nem Wohn­haus im Kreis Vier­sen hat wie­der ei­ne De­bat­te über le­ga­len Waf­fen­be­sitz aus­ge­löst. Denn der Tä­ter, der sich an­schlie­ßend selbst das Le­ben nahm, war Sport­schüt­ze.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON A. GRUHN, S. KRICKE, M. RÖSE UND C. SCHWERDTFE­GER

NIEDERKRÜCHTEN Ei­nen Tag nach dem Fa­mi­li­en­dra­ma ist es au­ßer­ge­wöhn­lich still in Niederkrüchten. Nach­barn, Freun­de und Be­kann­te ha­ben Blu­men und Ker­zen vor dem Zwei­fa­mi­li­en­haus ab­ge­legt, in dem die Lei­chen ei­ner drei­fa­chen Mut­ter, ih­res äl­tes­ten Soh­nes und ih­res ehe­ma­li­gen Le­bens­ge­fähr­ten ge­fun­den wur­den. „Ich kann im­mer noch nicht glau­ben, dass so et­was Schlim­mes hier in un­se­rem Ort pas­siert ist“, sagt ei­ne jun­ge Mut­ter. Niederkrüchten (Kreis Vier­sen) hat 15.000 Ein­woh­ner.

Am Sonn­tag­nach­mit­tag hat­te die Po­li­zei in ei­nem Zwei­fa­mi­li­en­haus in der Ge­mein­de im Kreis Vier­sen drei Lei­chen ge­fun­den. Nach ers­ten Er­mitt­lun­gen der Po­li­zei hat­te ein 43-jäh­ri­ger Sport­schüt­ze aus Mön­chen­glad­bach sei­ne ehe­ma­li­ge Le­bens­ge­fähr­tin und de­ren 17-jäh­ri­gen Sohn er­schos­sen. An­schlie­ßend soll sich der Mann selbst mit ei­ner Pis­to­le ge­tö­tet ha­ben. Zwei wei­te­re Kin­der der Frau be­fan­den sich zum Tat­zeit­punkt bei ih­rem leib­li­chen Va­ter. Bis zum spä­ten Abend nah­men Kri­mi­nal­be­am­te Spu­ren auf, erst in der Nacht zu ges­tern wur­den die Lei­chen aus der Woh­nung im ers­ten Ober­ge­schoss ge­bracht. Er­geb­nis­se der Ob­duk­ti­on sol­len nach An­ga­ben der Po­li­zei heu­te im Lau­fe des Ta­ges vor­lie­gen.

Der 43-Jäh­ri­ge hat­te ei­nen Waf­fen­schein und durf­te le­gal Lan­gund Kurz­waf­fen be­sit­zen. Er be­wahr­te die Waf­fen „vor­schrifts­mä­ßig“, wie es hieß, zu Hau­se in ei­nem se­pa­ra­ten Waf­fen­schrank auf, Waf­fen und Mu­ni­ti­on ge­trennt von­ein­an­der. In Mön­chen­glad­bach war der 43-Jäh­ri­ge in ei­nem Sport­schüt­zen-Klub ak­tiv. Zeit­wei­se gin­gen des­sen Mit­glie­der dem Schieß­sport in Weg­berg und zu­letzt in Al­den­ho­ven bei Dü­ren nach. Dem­nächst steht der Wech­sel nach Mön­chen­glad­bach an.

Aus­lö­ser für die „Be­zie­hungs­tat“, wie die Po­li­zei das Fa­mi­li­en­dra­ma mit drei To­ten nennt, dürf­te die Tren­nung ge­we­sen sein. Seit Mai 2013 wa­ren die 45-jäh­ri­ge Rhe­ydte­rin und der 43-Jäh­ri­ge ein Paar. Ge­mein­sam leb­ten sie mit den drei Kin­dern der Frau in Niederkrüchten. Nach­barn be­rich­te­ten von meh­re­ren, auch laut­star­ken Strei­tig­kei­ten. Vor we­ni­gen Wo­chen ver­ließ der Mann die Woh­nung – an­geb­lich hat­te die Frau ihn raus­ge­wor­fen.

Im­mer wie­der kommt es in Deutsch­land zu Blut­ta­ten, die mit le­ga­len Schuss­waf­fen be­gan­gen wer­den. Nach An­ga­ben der Op­fer­initia­ti­ve „Kei­ne Mord­waf­fen als Sport­waf­fen“gab es seit 2010 46 sol­cher Fäl­le, bei de­nen 64 Men­schen ums Le­ben ka­men.

Acht die­ser Ta­ten er­eig­ne­ten sich in Nord­rhein-West­fa­len. Der Ver­band for­dert des­halb un­ter an­de­rem ein Ver­bot be­stimm­ter Waf­fen und psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen pri­va­ter Waf­fen­be­sit­zer. Die Sport­schüt­zen leh­nen dies ab. Die jet­zi­gen Waf­fen­ge­set­ze reich­ten aus, meint Mar­kus Bartsch, stell­ver­tre­ten­der Ge­schäfts­füh­rer des West­fä­li­schen Schüt­zen­bun­des. Die Richt­li­ni­en sei­en streng ge­nug, meint er. „Zwar ist je­der ein­zel­ne Fall ent­setz­lich und wirft kein gu­tes Licht auf uns Sport­schüt­zen. Aber sol­che Ta­ten wie in Niederkrüchten sind ex­trem sel­ten“, be­tont er. Von re­gel­mä­ßi­gen Über­prü­fun­gen der Sport­schüt­zen durch psy­cho­lo­gi­sche Gut­ach­ter hält Bartsch nicht viel. „Das wür­de mei­ner Mei­nung nach nicht viel brin­gen. Man kann den Leu­ten ja nicht in den Kopf gu­cken“, sagt er. Es sei heut­zu­ta­ge oh­ne­hin leich­ter, sich ei­ne il­le­ga­le Waf­fe zu be­schaf­fen als ei­ne le­ga­le. „Wer sich mit dem The­ma be­fasst, weiß, wie ein­fach man in Deutsch­land an sol­che Waf­fen kommt“, sagt der stell­ver­tre­ten­de Ge­schäfts­füh­rer.

In Niederkrüchten be­treu­en Not­fall­seel­sor­ger die Fa­mi­li­en­mit­glie­der der Ge­tö­te­ten. Auch der par­tei­lo­se Bür­ger­meis­ter Kal­le Was­song sprach sei­ne An­teil­nah­me aus und hat Hil­fe an­ge­bo­ten. Von heu­te an liegt ein Kon­do­lenz­buch im Rat­haus aus.

FO­TO: DPA

Der Tä­ter soll am Sonn­tag sei­ne ehe­ma­li­ge Le­bens­ge­fähr­tin und de­ren 17-jäh­ri­gen Sohn er­schos­sen und sich da­nach selbst das Le­ben ge­nom­men ha­ben. In der Nacht zu ges­tern wur­den die Lei­chen aus der Woh­nung ge­bracht.

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