Gy­si kri­ti­siert Kan­di­da­ten­fin­dung sei­ner Par­tei

Die Frak­ti­ons­chefs Sah­ra Wa­genk­necht und Diet­mar Bartsch wer­den die Lin­ken in den Wahl­kampf füh­ren. Ihr Amts­vor­gän­ger sagt, wie.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON JAN DRE­BES

BER­LIN Der Füh­rungs­streit in der Link­s­par­tei ist vor­erst bei­ge­legt. Sah­ra Wa­genk­necht und Diet­mar Bartsch, die bei­den Frak­ti­ons­chefs, wer­den die Par­tei als Spit­zen­kan­di­da­ten in den Bun­des­tags­wahl­kampf füh­ren. Über den künf­ti­gen Kurs dürf­te aber noch hef­tig de­bat­tiert wer­den, vor al­lem über die Fra­ge nach ei­ner mög­li­chen Ko­ali­ti­on mit SPD und Grü­nen. Wäh­rend pro­mi­nen­te Lin­ke, wie Wa­genk­necht selbst, dem Bünd­nis mit der Ab­kür- zung „R2G“zö­ger­lich ge­gen­über­ste­hen, wächst auf sie der Druck aus dem La­ger der Be­für­wor­ter.

„Die Lin­ke muss für sich und nicht für an­de­re Par­tei­en kämp­fen“, sag­te et­wa der frü­he­re Frak­ti­ons­chef Gre­gor Gy­si un­se­rer Re­dak­ti­on. „Gleich­zei­tig muss sie aber ih­re Be­reit­schaft zum Aus­druck brin­gen, ei­nen Po­li­tik­wech­sel her­bei­zu­füh­ren, wenn es denn mit SPD und Grü­nen ge­lin­gen kann.“Deutsch­land brau­che ei­nen so­zia­len Schub, mehr Steu­er­ge­rech­tig­keit, oh­ne die Wirt­schaft zu ver­prel­len. „In­so­fern muss of­fen­siv für ei­ne Re­gie­rung von SPD, Grü­nen und Lin­ken ge­strit­ten wer­den“, füg­te Gy­si hin­zu.

Wie­der­holt hat­te Wa­genk­necht – im Ge­gen­satz zu Bartsch – bei dem The­ma ge­bremst. Sie for­der­te von der SPD ei­nen grund­sätz­li­chen Kurs­wech­sel. Man sei kein „Mehr­heits­be­schaf­fer ei­ner ehe­ma­li­gen Volks­par­tei“, sag­te sie. Es kön­ne in ei­ner Re­gie­rung mit der SPD we­der Han­dels­ab­kom­men wie Ce­ta ge­ben, noch ei­ne „Fort­set­zung von Lohn­dum­ping durch Leih­ar­beit“. Ro­tRot-Grün sei schließ­lich nicht nur „ir­gend­ein Far­ben­spiel“. Dass sich Wa­genk­necht aber in der ver­gan­ge­nen Wo­che mit SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el zu ei­nem ver­trau­lichen Ge­spräch traf, wirkt für An­hän­ger von Rot-Rot-Grün be­ru­hi­gend. So be­ton­te der Bochu­mer SPD-Ab­ge­ord­ne­te Axel Schä­fer, dass die Lin­ken für ein mög­li­ches Bünd­nis mit SPD und Grü­nen nach der Bun­des­tags­wahl ein­stün­den. „Das ist auch mit Sah­ra Wa­genk­necht an der Spit­ze der Fall“, sag­te Schä­fer.

Nun muss sich aber zei­gen, wie ge­schlos­sen die Füh­rung der Lin­ken tat­säch­lich hin­ter ih­rem Spit­zen­duo Wa­genk­necht/Bartsch steht. Denn ein in­ter­ner Füh­rungs­streit am Wo­che­n­en­de brach­te die Ri­va­li­tät zwi­schen Wa­genk­necht und Par­tei­che­fin Kat­ja Kip­ping er­neut zum Aus­druck, die Fron­ten dro­hen ver­här­tet zu blei­ben. Laut „Spie­gel On­li­ne“war hin­ter den Ku­lis­sen von Ul­ti­ma­ten und Er­pres­sung die Re­de ge­we­sen. Kip­ping und Co-Par­tei­chef Bernd Ri­ex­in­ger hat­ten es als Af­front ge­wer­tet, dass Bartsch und Wa­genk­necht nur als Spit­zen­duo an­tre­ten wol­len – und nicht et­wa zu viert.

Kip­ping schlug ges­tern aber zu­nächst ver­söhn­li­che Tö­ne an. Im ZDF sag­te sie, es ge­hö­re zum „gu­ten Ton“, sich mit strit­ti­gen Punk­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen. Gre­gor Gy­si üb­te un­ter­des­sen of­fen Kri­tik am Aus­wahl­pro­zess. „Der Ent­schei­dungs­pro­zess hin­sicht­lich der Spit­zen­kan­di­da­tur war kei­nes­falls gut“, sag­te Gy­si. Nun sei aber die Ent­schei­dung „zum Glück ge­fal­len“, sag­te er. Es müs­se nun in­ten­siv und lei­den­schaft­lich ge­kämpft wer­den, so der Lin­ken-Po­li­ti­ker – nach sei­ner Auf­fas­sung eben für Rot-Rot-Grün.

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