SPD will hö­he­re Ein­kom­men be­las­ten

Im vor­läu­fi­gen Kon­zept der So­zi­al­de­mo­kra­ten für die Bun­des­tags­wahl sol­len Top-Ver­die­ner bis zu fünf Pro­zent mehr Ein­kom­men­steu­ern zah­len. Da­für will die Par­tei Ge­ring- und Durch­schnitts­ver­die­ner um bis zu 30 Pro­zent ent­las­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON MAR­TIN KESS­LER

BER­LIN Pünkt­lich zum Par­tei­tag der CDU in Es­sen, bei dem Steu­er­er­hö­hun­gen nach 2017 aus­ge­schlos­sen wer­den sol­len, ha­ben auch die So­zi­al­de­mo­kra­ten Über­le­gun­gen für ei­ne Steu­er­re­form vor­ge­legt. Die SPD will da­bei ganz in der Tra­di­ti­on ih­rer bis­he­ri­gen Po­li­tik auf mas­si­ve Steu­er­sen­kun­gen ver­zich­ten, aber auch kei­ne „über­di­men­sio­nier­ten neu­en Aus­ga­ben­pro­gram­me“fah­ren, wie es ges­tern aus der Par­tei­spit­ze hieß.

Im Ein­zel­nen plant die Pro­gramm­kom­mis­si­on Steu­ern und Fi­nan­zen der Par­tei, der un­ter an­de­rem als maß­geb­li­ches Mit­glied der nord­rhein-west­fä­li­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans an­ge­hört, ei­ne „maß­vol­le An­he­bung“der Be­steue­rung von be­son­ders ho­hen Ein­kom­men, um da­mit die Steu­ern und Ab­ga­ben für mitt­le­re und nied­ri­ge Ein­kom­men sen­ken zu kön­nen. Da­mit wür­de auch der bis­he­ri­ge Spit­zen­steu­er­satz von 42 Pro­zent leicht an­stei­gen. Neu ist auch, dass die SPD er­wägt, den So­li­da­ri­täts­bei­trag ab 2019 ab­zu­sen­ken. Sie will ihn frei­lich nicht kom­plett ab­schaf­fen, son­dern als „Ge­ne­ra­tio­nen­So­li“zur Fi­nan­zie­rung ei­ner Un­ter­gren­ze des Ren­ten­ni­veaus nut­zen. Das Ren­ten­ni­veau be­zeich­net das Ver­hält­nis der Stan­dard­ren­te nach 45 Jah­ren, ver­min­dert um mög­li­che Ab­ga­ben, zum durch­schnitt­li­chen Net­to­ver­dienst der Ar­beit­neh­mer.

Über­dies will die SPD ho­he Ver­mö­gens­ein­künf­te und Erb­schaf­ten „am Ge­mein­wohl“be­tei­li­gen, wie es par­tei­in­tern heißt. Gro­ße Ver­mö­gen sol­len des­halb wie gro­ße Erb­schaf­ten be­steu­ert wer­den. Auch die Ab­gel­tungs­teu­er auf Ka­pi­tal­ein­künf­te von der­zeit 25 Pro­zent möch­te die SPD im Fal­le ei­nes Wahl­siegs grund­le­gend än­dern. Es gilt da­bei die Maß­ga­be, dass die, die ihr Geld für sich ar­bei­ten las­sen ge­nau­so be­han­delt wer­den wie je­ne, die „ihr Geld mit Ar­beit ver­die­nen“, wie es aus Krei­sen der Pro­gramm­kom­mis­si­on heißt.

Um die Steu­er­sen­kung für Ge­ring- und Durch­schnitts­ver­die­ner zu fi­nan­zie­ren, wol­len die So­zi­al­de­mo­kra­ten kon­se­quent ge­gen Steu­er­be­trug und Steu­er­ver­mei­dung vor­ge­hen. Dar­aus er­war­ten sich die Fi­nanz­ex­per­ten der Par­tei Mehr­ein- NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans nah­men von min­des­tens zehn Mil­li­ar­den Eu­ro. Wei­te­re Zuflüs­se könn­ten aus ei­ner Re­form des Ehe­gat­ten­split­tings er­wach­sen. Da­nach sol­len al­le Haus­hal­te mit Kin­dern in den Ge­nuss von steu­er­li­chen Ver­güns­ti­gun­gen kom­men. Die Par­tei­kom­mis­si­on be­grün­det das da­mit, dass die bis­he­ri­ge Form der Zu­sam­men­ver­an­la­gung von Ehe­part­nern oder Le­bens­ge­mein­schaf­ten (Ehe­gat­ten­split­ting) an der Le­bens­wirk­lich­keit vor­bei­geht. Denn über 40 Pro­zent der Kin­der wach­sen nicht mehr in klas­si­schen Fa­mi­li­en auf.

Ne­ben der Steu­er­sen­kung für klei­ne und mitt­le­re Ein­kom­men möch­te die Par­tei deut­lich mehr als bis­her in Wachs­tum, Bil­dung, Woh­nungs­bau, ein bes­se­res städ­ti­sches Um­feld, In­fra­struk­tur, Di­gi­ta­li­sie­rung so­wie die in­ne­re und so­zia­le Si­cher­heit in­ves­tie­ren. Da­bei will die SPD ei­ne Über­schul­dung ver­mei­den. Die Kos­ten des Ge­mein­we­sens, wie es in der Kom­mis­si­on heißt, sol­len ent­spre­chend der fi­nan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit der Bür­ger ge­tra­gen wer­den.

Die Kom­mis­si­on hat schon ein­mal durch­rech­nen las­sen, wer von der Steu­er­re­form pro­fi­tie­ren wür­de. Am stärks­ten kä­men die Plä­ne et­wa ei­ner al­lein­er­zie­hen­den Mut­ter mit ei­nem Kind und ei­nem Brut­to­ein­kom­men von 25.000 Eu­ro pro Jahr zu­gu­te. Sie wür­de mo­nat­lich gut 65 Eu­ro, jähr­lich al­so 800 Eu­ro oder 30 Pro­zent ih­res bis­he­ri­gen Steu­er­be­trags spa­ren. Ein ver­hei­ra­te­ter Al­ten­pfle­ger (30.000 Eu­ro) und ei­ne Teil­zeit-Ver­käu­fe­rin mit zwei Kin­dern und ei­nem Haus­halts­brut­to von 50.000 Eu­ro wür­de um 1500 Eu­ro pro Jahr oder 25 Pro­zent des Steu­er­be­trags ent­las­tet. Ein mit ei­ner Fri­seu­rin (18.000 Eu­ro) ver­hei­ra­te­ter Dach­de­cker (32.000 Eu­ro) oh­ne Kin­der wür­de jähr­lich 1100 Eu­ro oder knapp 20 Pro­zent sei­ner Steu­ern spa­ren. We­nig ent­las­tet wür­de da­ge­gen ein Aka­de­mi­ker­paar mit ei­nem ge­mein­sa­men Ein­kom­men von 100.000 Eu­ro und zwei Kin­dern. Die­ses Paar (er: 60.000 Eu­ro, sie: 40.000 Eu­ro) wür­den noch knapp 450 Eu­ro jähr­lich spa­ren. Hier wür­den das Fa­mi­li­en­split­ting und der Kin­der­bo­nus wir­ken. Ein Top-Ein­kom­mens­be­zie­her (300.000 Eu­ro) müss­te da­ge­gen 4400 Eu­ro jähr­lich mehr zah­len. Das wä­ren bis zu fünf Pro­zent mehr Steu­ern.

QU­EL­LE: SPD | FO­TO: DPA | GRA­FIK: FERL

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