Br­ex­it schock­te die Bör­se – Ita­li­en nicht

Ei­nen Schock wie nach dem Br­ex­it hat es nach dem Re­fe­ren­dum vom Sonn­tag nicht ge­ge­ben. Der Ak­ti­en­markt hat­te das Schei­tern von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ren­zi schon ein­ge­preist. Nur Ban­ken ha­ben Not – vor al­lem die Mon­te dei Pa­schi.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

DÜS­SEL­DORF Mon­te dei Pa­schi gilt als die äl­tes­te noch exis­tie­ren­de Bank der Welt. Wenn ein sol­ches In­sti­tut mit ei­ner Ver­gan­gen­heit von mehr als 500 Jah­ren in Not ge­rät, scheint die Alarm­stim­mung im­mer noch ein biss­chen grö­ßer zu sein als bei an­de­ren In­sti­tu­ten. Und Not gibt es in Sie­na wahr­lich. Fünf Mil­li­ar­den Eu­ro Ka­pi­tal braucht die Bank, die der­zeit 28 Mil­li­ar­den Eu­ro an fau­len Kre­di­ten aus­ste­hen hat. Ges­tern traf sich ein Kon­sor­ti­um aus Kre­dit­in­sti­tu­ten, um zu klä­ren, wie das Loch ge­stopft wer­den kann. Nach dem ge­schei­ter­ten Re­fe­ren­dum und der Rück­tritts­an­kün­di­gung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mat­teo Ren­zi ist die Angst ge­wach­sen, dass mög­li­che In­ves­to­ren, die be­reits In­ter­es­se si­gna­li­siert hat­ten, nun doch lie­ber nicht ein­stei­gen wol­len. Die Ak­tie ver­lor gleich sie­ben Pro­zent.

An­sons­ten hat der Aus­gang des Re­fe­ren­dums die Ak­ti­en­märk­te in Eu­ro­pa über den Tag hin­weg kaum be­wegt. Ganz an­ders als nach der bri­ti­schen Ab­stim­mung über den Br­ex­it oder dem Sieg von Do­nald Trump bei den US-Prä­si­dent­schafts­wah­len. Bei­des hat­te die Fi­nanz­märk­te über­rascht. Wenn­gleich das Bör­sen-Er­stau­nen über den Wahl­aus­gang in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten auch nur ei­ni­ge St­un­den an­hielt.

Aber selbst so­weit reich­te es dies­mal kaum. In Ita­li­en blieb nicht ein­mal die na­tio­nal wich­tigs­te Bör­se, je­ne in Mai­land, auf den an­fäng­li­chen Ver­lus­ten sit­zen. Zu Be­ginn hat­ten die Kur­se noch um zwei Pro­zent nach­ge­ge­ben, spä­ter lag der Leit­in­dex schon wie­der fast ein­ein­halb Pro­zent im Plus. Und selbst die Ak­tie der Bank Unicre­dit, de­ren fau­le Kre­di­te be­reits ein Aus­maß von rund 77 Mil­li­ar­den Eu­ro er­reicht ha­ben, war ges­tern Nach­mit­tag vor­über­ge­hend wie­der im Plus. Die sim­ple Er­klä­rung für sol­che Kurs­be­we­gun­gen: Wer auf fal­len­de Kur­se ge­wet­tet hat­te, war ges­tern ge­zwun­gen, nach­zu­kau­fen. Spä­ter fiel der Kurs wie­der.

„Viel­leicht wer­den wir al­le zu­neh­mend im­mun ge­gen sol­che ‘Schocks’“, hat Paul Hat­field er­klärt, der Chef-An­le­ger des Ver­mö­gens­ver­wal­ters Al­cen­tra. Man könn­te es auch so for­mu­lie­ren, wie es in ei­ner al­ten Bör­sen­Weis­heit steht: Po­li­ti­sche Bör­sen ha­ben kur­ze Bei­ne.

Der Ak­ti­en­markt hat­te das Schei­tern von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mat­teo Ren­zi schon ein­ge­preist. Das sieht man auch am Deut­schen Ak­ti­en-In­dex (Dax). Der leg­te ges­tern deut­lich zu, nach­dem er in der ver­gan­ge­nen Wo­che im Vor­feld des Re­fe­ren­dums zwei Pro­zent ver­lo­ren hat­te. Über­dies könn­te der Aus­gang der Bun­des­prä­si­den­ten-Wahl in Ös­ter­reich Paul Hat­field US-Ver­mö­gens­ver­wal­ter auch für Be­ru­hi­gung am Ak­ti­en­markt ge­sorgt ha­ben.

Die wei­te­re Ent­wick­lung wird nun von zwei Hoff­nun­gen ge­nährt:

ers­tens, dass es kei­ne Neu­wah­len gibt, son­dern ei­ne Re­gie­rung ins Amt kommt, die we­nigs­tens an­nä­hernd den Ren­zi-Kurs wei­ter ver­folgt.

zwei­tens, dass die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) ihr An­lei­hen­Kauf­pro­gramm ver­län­gert. Was wür­de das be­deu­ten? Der ita­lie­ni­sche Staat könn­te das Geld nut­zen, um die Volks­wirt­schaft zu stüt­zen. Wo­mög­lich könn­te er es für ei­ne Re­ka­pi­ta­li­sie­rung ei­ni­ger ma­ro­der Ban­ken nut­zen. Von de­nen hät­te die Mon­te Dei Pa­schi das wohl am nö­tigs­ten. Schon zwei­mal ist die dritt­größ­te Bank Ita­li­ens bei ei­nem Stress­test Eu­ro­pas Schluss­licht ge­we­sen. Das Re­fe­ren­dum hat, wie ein­gangs er­wähnt, das Ver­trau­en der In­ves­to­ren in die Bank nicht er­höht. Viel­leicht be­kommt die mehr als 500 Jah­re al­te Ge­schich­te bald ein Ka­pi­tel zur Ver­staat­li­chung.

„Viel­leicht wer­den wir al­le zu­neh­mend im­mun ge­gen sol­che Schocks“

FO­TO: RTR

Die Zen­tra­le der Mon­te dei Pa­schi in Sie­na.

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