Sinn­vol­le Ra­dio­ak­ti­vi­tät

Zur Dia­gnos­tik bei Krebs­pa­ti­en­ten ist oft­mals ei­ne PET/CT-Un­ter­su­chung er­for­der­lich. Sie hilft, ei­nen Tu­mor und sei­ne Ak­ti­vi­tät zu lo­ka­li­sie­ren

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

Un­ser Le­ser Heinz K. (62) aus Wee­ze fragt: „Ich ha­be ei­nen bös­ar­ti­gen Lun­gen­tu­mor und soll ei­ne PET/CT-Un­ter­su­chung be­kom­men. Ich ha­be ge­le­sen, dass bei die­sem Ver­fah­ren ei­ne ra­dio­ak­ti­ve Sub­stanz ge­spritzt wird. Ist das schäd­lich?“ Ge­rald An­toch Bei der PET/CTUn­ter­su­chung kom­bi­niert man zwei se­pa­ra­te bild­ge­ben­de Ver­fah­ren in ei­nem Ge­rät, die Po­si­tro­nen-Emis­si­onst­o­mo­gra­phie (PET) und die Com­pu­ter­to­mo­gra­phie (CT). Die PET macht sich die Tat­sa­che zu­nut­ze, dass vie­le bös­ar­ti­ge Tu­mo­re ei­nen er­höh­ten Zu­cker­stoff­wech­sel ha­ben, al­so ver­mehrt Zu­cker aus dem Blut auf­neh­men. Die­sen Zu­cker brau­chen bös­ar­ti­ge Tu­mo­re für ihr Wachs­tum. Wird bei der PET ein schwach ra­dio­ak­tiv mar­kier­tes Zu­cker­mo­le­kül in ei­ne Ve­ne des Kör­pers (meist am Arm) in­ji­ziert, so nimmt der Tu­mor die­sen ra­dio­ak­tiv mar­kier­ten Zu­cker aus dem Blut auf. Da­bei nimmt der Lun­gen­tu­mor durch sei­nen er­höh­ten Zu­cker­stoff­wech­sel deut­lich mehr ra­dio­ak­ti­ven Zu­cker auf als an­de­re Tei­le des Kör­pers. Die ver­mehr­te Auf­nah­me des Zu­ckers kann mit der PET bild­ge­bend dar­ge­stellt wer­den.

Das Ver­fah­ren kann sehr genau Tu­mor­zel­len dar­stel­len und so den Tu­mor und mög­li­che Me­ta­sta­sen dia­gnos­ti­zie­ren. Für die Ent­schei­dung, wel­che The­ra­pie in Ih­rem spe­zi­el­len Fall not­wen­dig ist, ist ne­ben der Tu­mor­dia­gno­se auch die ge­naue Lo­ka­li­sa­ti­on von Tu­mor und mög­li­chen Me­ta­sta­sen ent­schei­dend. Um die Tu­mor­her­de im Kör­per genau lo­ka­li­sie­ren zu kön­nen wird die PET mit der CT kom­bi­niert. Die CT ist ein mor­pho­lo­gi­sches, al­so Ana­to­mie und Struk­tur des Kör­pers genau ab­bil­den­des dia­gnos­ti­sches Ver­fah­ren. Die CT bie­tet so­mit die „Land­kar­te“für die ge­naue ört­li­che Be­stim­mung des in der PET sicht­ba­ren Tu­mors und mög­li­cher Me­ta­sta­sen im Kör­per.

Durch die Kom­bi­na­ti­on der Funk­ti­on (Zu­cker­stoff­wech­sel) mit der Mor­pho­lo­gie (Land­kar­te) ist die PET/CT das aktuell ge­naus­te bild­ge­ben­de Ver­fah­ren für die Aus­brei­tungs­dia­gnos­tik bei bös­ar­ti­gen Lun­gen­tu­mo­ren.

Die Be­las­tung durch die Strah­lung ist we­gen der Schwe­re der Er­kran­kung we­ni­ger re­le­vant

Na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal be­steht da­her ei­ne ein­deu­ti­ge Emp­feh­lung für ei­ne PET/CT Un­ter­su­chung zur Dia­gnos­tik bei der Fra­ge nach der Aus­brei­tung ei­nes bös­ar­ti­gen Lun­gen­tu­mors.

Die Strah­len­ex­po­si­ti­on durch den in der PET ver­wen­de­ten ra­dio­ak­ti­ven Stoff ist ge­ring, man kann sie im Rah­men der bei Ih­nen zwin­gend not­wen­di­gen Aus­brei­tungs­dia­gnos­tik des Tu­mors ver­nach­läs­si­gen. Ver­zich­ten Sie auf die emp­foh­le­ne PET/ CT Un­ter­su­chung, so wird das Tu­mor­sta­di­um mög­li­cher­wei­se falsch be­ur­teilt, was auch ei­ne in­kor­rek­te The­ra­pie nach sich zie­hen kann. Der Scha­den wä­re in die­sem Fall deut­lich hö­her als das Ri­si­ko der Strah­len­ex­po­si­ti­on durch die Un­ter­su­chung.

Prof. Ge­rald An­toch ist Di­rek­tor der Kli­nik für Dia­gnos­ti­sche und In­ter­ven­tio­nel­le Ra­dio­lo­gie an der Uni­k­li­nik Düs­sel­dorf.

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