Schwei­gen oder ehr­lich sein?

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - Stel­len Sie sich ei­ne Stil­fra­ge im­mer wie­der? Schi­cken Sie sie uns per Mail an stil­fra­ge@rheinische-post.de.

Ge­hä­kel­te Topf­lap­pen in ge­schmacks­frei­en Far­ben, Kühl­schrank­ma­gne­te in Form von Tie­ren, frag­wür­dig duf­ten­de Par­füms oder Bü­cher, die bes­ser nie ge­schrie­ben wor­den wä­ren: Ge­schen­ke die­ser Gü­te­klas­se hat wohl je­der schon zu Weih­nach­ten be­kom­men. Die Fra­ge ist: Wie re­agiert man ad­äquat? Sagt man dem Schen­ker, dass das Prä­sent lei­der gar nicht dem ei­ge­nen Ge­schmack ent­spricht? Oder schweigt man Über­ra­schung und Be­stür­zung weg, lä­chelt, be­dankt sich und hofft auf Bes­se­rung im nächs­ten Jahr? Kei­ne ein­fa­che Ent­schei­dung.

Wir ge­hen mal vom Op­ti­mal­fall aus: Der Schen­ker möch­te dem Be­schenk­ten wirk­lich ei­ne Freu­de ma­chen, es han­delt sich nicht um ei­ne Pflicht­ga­be. Er pro­biert ernst­haft zu über­le­gen, was den Be­schenk­ten glück­lich ma­chen könn­te; er in­ves­tiert Zeit und Mü­he und Geld, um et­was aus sei­ner Sicht Pas­sen­des zu fin­den. Wenn es trotz­dem nicht klappt und das Ge­schenk nicht ge­fällt, bleibt die Ges­te ei­ne sehr lie­be und lieb­ge­mein­te. Völ­lig nach­voll­zieh­bar ist es dann, dem Schen­ken­den nicht das Herz bre­chen zu wol­len und zu schwei­gen.

Rich­ti­ger, ehr­li­cher wä­re es aber, sich für die Idee zu be­dan­ken, aus­zu­drü­cken, dass man die Ges­te ab­so­lut zu schät­zen weiß, aber auch, dass die­ses Ge­schenk dum­mer­wei­se lei­der nicht den ei­ge­nen Ge­schmack ge­trof­fen hat. Viel­leicht kann man es ja um­tau­schen und ge­mein­sam doch noch et­was Pas­sen­de­res fin­den.

Die­ses – zu­ge­ge­ben schon et­was mu­ti­ge – Vor­ge­hen hat meh­re­re wirk­lich char­man­te Aspek­te: In­dem er ehr­lich ist, zeigt der Be­schenk­te, dass er Ver­trau­en in die Be­zie­hung hat. Er weiß of­fen­bar, dass ein sol­ches Ge­spräch nichts Schlim­mes an­rich­ten kann. Schön ist au­ßer­dem, dass je­der – wenn auch auf die här­te­re Tour – im­mer noch ein biss­chen mehr über den An­de­ren er­fährt. Und dass da­durch die Chan­ce im­mer grö­ßer wird, dass man ein­an­der­ir­gend­wan­nGe­schen­ke­schenkt, die nicht nur wirk­lich von Her­zen kom­men, son­dern auch per­fekt pas­sen.

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