Ei­ne Frau trotzt den Kon­ven­tio­nen

Im Ge­schichts­dra­ma „Auf­bruch“kämpft die Prot­ago­nis­tin in den 60er Jah­ren um Gleich­be­rech­ti­gung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - FERNSEHEN - VON MAR­CO KREFTING

BER­LIN (dpa) Es ist wie ei­ne an­dert­halb­stün­di­ge Ge­sell­schafts­stu­die – ver­packt als Spiel­film: Hier die Un­ter­schicht, die auf ei­nem schlam­mig-stau­bi­gen Hof haust. Dort die Bour­geoi­sie, die wohl ge­klei­det und ge­bil­det bei Spi­ri­tuo­sen und Mu­sik in fei­nen Sä­len zu­sam­men­kommt. Zwi­schen den Wel­ten wan­delt Hil­la Palm: ei­ne jun­ge Frau, die mit ih­rer Fa­mi­lie ha­dert, ih­rer Fa­mi­lie trotzt.

Sie bil­det sich, geht aufs Gym­na­si­um. Als ein­zi­ges Mit­glied ih­rer Sip­pe spricht sie Hoch­deutsch – und hebt sich da­mit schon vom rhei­ni­schen Sing­sang der El­tern und der Groß­mut­ter ab. Der Film schließt an den Zwei­tei­ler „Teu­fels­bra­ten“von 2007 an, steht aber für sich.

Hil­la ist hin- und her­ge­ris­sen. Sie will aus der Welt aus­bre­chen, in der sie groß­ge­wor­den ist. Dem Pas­tor, der in der Ge­mein­de Geld für ih­re Schul­ge­büh­ren ge­sam­melt hat, dankt sie mit den Wor­ten: „Ich glau­be, Sie ha­ben mein Le­ben ge­ret­tet.“Mit ih­ren El­tern strei­tet sie sich über den so ganz an­de­ren Kar­rie­re­weg, bis der Va­ter zu­schlägt.

In der an­de­ren, der ge­ho­be­ne­ren Welt, lernt sie den rei­chen Spross Go­de­hard van Keu­ken ken­nen und lie­ben. Als er beim ers­ten Tref­fen mit ih­rer Fa­mi­lie Blu­men und Pra­li­nen mit­bringt, holt die Mut­ter für den Strauß die gu­te Va­se von der Fron­leich­nams­pro­zes­si­on und emp­fin­det die Ge­schen­ke „wie Weih­nach­ten“. Im schi­cken An­zug zwi­schen den Pfüt­zen wirkt der jun­ge Mann auf dem Hof hin­ge­gen völ­lig de­plat­ziert – mit ein­fa­chen Bil­dern zeigt Re­gis­seu­rin Her­mi­ne Hunt­ge­burth so die gro­ßen Un­ter­schie­de zwi­schen den Schich­ten.

An­na Fi­scher spielt er­neut Hil­la Palm – und das eben­so zwie­späl­tig, wie die ge­sam­te Ge­schich­te an­ge­legt ist. Mal wirkt sie wie ei­ne eman­zi­pier­te jun­ge Frau, die sich al­len Wi­der­stän­den zum Trotz ih­ren Weg bahnt. Mal wirkt sie noch wie ein nai­ves Mäd­chen, das mit ei­nem freund­li­chen Lä­cheln die Welt be­trach­tet. Ih­re Aus­sa­gen klin­gen wie aus­wen­dig ge­lernt, dann im Streit mit den El­tern wie die trot­zi­gen Wu­t­aus­brü­che ei­ner Pu­ber­tie­ren­den. Ob­wohl auch die Ne­ben­rol­len pro­mi­nent und stark be­setzt sind – et­wa mit Mar­ga­ri­ta Broich als Mut­ter und Ul­rich Noe­then als Va­ter – steht Hil­la klar im Mit­tel­punkt. „Auf­bruch“, ARD, Mi., 20.15 Uhr

FO­TO: WDR

Hil­la Palm (An­na Fi­scher) geht als ein­zi­ge in der Fa­mi­lie aufs Gym­na­si­um und spricht Hoch­deutsch – die Bil­dung soll ihr Ti­cket aus der En­ge des El­tern­hau­ses wer­den. Der Film „Auf­bruch“schil­dert ih­ren schwie­ri­gen Weg.

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