Be­wäh­rung für Be­trü­ger

Zwei Glad­ba­cher wa­ren ges­tern an­ge­klagt, Se­nio­rin­nen als fal­sche Was­ser­wer­ker her­ein­ge­legt und be­stoh­len zu ha­ben. Ei­ner er­schien nicht vor Ge­richt, dem an­de­ren war die Tat nicht nach­zu­wei­sen. Er wur­de we­gen an­de­rer Vor­wür­fe ver­ur­teilt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON IN­GRID KRÜ­GER

Ein 24 Jah­re al­ter Mön­chen­glad­ba­cher ist ges­tern we­gen Be­trü­ge­rei­en zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe von ei­nem Jahr ver­ur­teilt wor­den. Au­ßer­dem muss er ei­ne Geld­bu­ße von 1000 Eu­ro an das Kin­der­hos­piz Düs­sel­dorf zah­len. Die Staats­an­wäl­tin warf ihm Be­trug mit teu­ren Leih­wa­gen vor: Im April ver­gan­ge­nen Jah­res soll der 24-Jäh­ri­ge für ei­nen 33jäh­ri­gen Mit­tä­ter und an­de­re Be­tei­lig­te zwei teu­re Fahr­zeu­ge der Mar- An­ge­klag­ter ken Mer­ce­des und Au­di als Leih­wa­gen an­ge­mie­tet ha­ben, die spä­ter von ei­nen Po­len ver­kauft wer­den soll­ten. „Das ha­be ich ge­macht, ich ha­be die an­ge­mie­tet. Mir wur­den da­für 300 Eu­ro ver­spro­chen, die ich aber nie er­hal­ten ha­be“, er­klär­te der An­ge­klag­te ges­tern. „Wo die Au­tos jetzt sind, weiß ich nicht“, er­gänz­te der Mön­chen­glad­ba­cher. Da­mals sei er be­droht wor­den, wenn er et­was ver­ra­te.

Ei­gent­lich soll­te sich ne­ben ihm ges­tern auch sein 33-jäh­ri­ger Kom­pli­ze vor Ge­richt un­ter an­de­rem we­gen ge­werbs­mä­ßi­gen Be­tru­ges, Dieb­stahls und Amts­an­ma­ßung ver­ant­wor­ten. Vor der Tür des Ge­richts­saa­les A 32 sa­ßen be­reits die ers­ten Zeu­gen. Doch auf der An­kla­ge­bank hat­te nur der 24-Jäh­ri­ge mit sei­nem Ver­tei­di­ger Platz ge­nom­men. Der äl­te­re An­ge­klag­te ließ sich ent­schul­di­gen und schick­te ein At­test aus dem Kran­ken­haus Neu­werk. Woran er akut er­krankt sei, wur­de al­ler­dings auf dem At­test nicht mit­ge­teilt. Die Vor­sit­zen­de des Schöf­fen­ge­richts trenn­te das Ver­fah­ren ge­gen den er­krank­ten An­ge- klag­ten ab. Der 33-Jäh­ri­ge muss am 19. De­zem­ber im Ge­richts­saal er­schei­nen. Die be­reits er­schie­ne­nen Zeu­gen wur­den ge­be­ten, eben­falls er­neut zu kom­men.

Zum Le­bens­lauf mach­te der an­we­sen­de An­ge­klag­te be­reit­wil­lig An­ga­ben. Er ha­be kei­nen Be­ruf er­lernt, ar­bei­te aber zur­zeit in ei­nem La­ger. Er sei ver­hei­ra­tet, le­be mit sei­ner Frau und dem zwei­jäh­ri­gen Sohn zu­sam­men. „Von den al­ten Freun­den ha­be ich mich ge­trennt und bin um­ge­zo­gen“, er­klär­te der 24-Jäh­ri­ge und zeig­te sich so­fort ge­stän­dig.

Die Staats­an­wäl­tin warf ihm dar­über hin­aus auch Be­trug als fal­scher Was­ser­wer­ker vor. An den „Was­ser­wer­ker-Tricks“sei er je­doch nicht be­tei­ligt ge­we­sen, be­teu­er­te der jun­ge Fa­mi­li­en­va­ter. Nach den Leih­wa­gen-Be­trü­ge­rei­en ha­be er je­den Kon­takt zu dem plötz­lich er­krank­ten Mit­an­ge­klag­ten ab­ge­bro­chen. Er ha­be nur noch dar­an ge­dacht, für sei­nen klei­nen Sohn zu ar­bei­ten, ver­si­cher­te der An­ge­klag­te. Die an­geb­li­chen Was­ser­wer­ker hat­ten sich da­mals hoch­be­tag­te äl­te­re Da­men aus­ge­sucht. Ein Op­fer, ei­ne Se­nio­rin, konn­te al­ler­dings aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den nicht als

„Das ha­be ich ge­macht. Wo die Au­tos jetzt sind, weiß ich nicht“ Die Op­fer der fal­schen Was­ser­wer­ker er­kann­ten den 24-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten nicht wie­der

Zeu­gin zum Pro­zess zu kom­men. So er­in­ner­ten sich ges­tern Po­li­zei­be­am­tin­nen, was sie da­mals von den Op­fern ge­hört hat­ten. Ein Mann sei als an­geb­li­cher Was­ser­wer­ker in die Woh­nung ge­kom­men und ha­be die Tür für den Kom­pli­zen of­fen­ge­las­sen. Die Se­nio­rin wur­de in das Ba­de­zim­mer ge­schickt und so ab­ge­lenkt. Der zwei­te Ein­dring­ling durch­such­te die Woh­nung. Die Män­ner ver­schwan­den mit Schmuck für 500 Eu­ro. Al­ler­dings wur­de der 24-jäh­ri­ge An­ge­klag­te von den Op­fern nicht wie­der­er­kannt. Des­halb stell­te das Ge­richt ges­tern nach ei­ner Höchst­stra­fen­ver­ein­ba­rung den Was­ser­wer­kerBe­trug für den 24-Jäh­ri­gen ein. Ver­ur­teilt wur­de er we­gen des Be­tru­ges mit den Leih­wa­gen.

FO­TO: SHUTTERSTOCK/EDBOCKSTOCK

Mit dem Was­ser­wer­ker-Trick wer­den häu­fig Se­nio­rin­nen an der Woh­nungs­tür her­ein­ge­legt. Sie las­sen die Tä­ter un­ter fal­schem Vor­wand in die Woh­nung.

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