Öku­me­nisch be­wegt in der Ewi­gen Stadt

Ein Jahr nach der Wit­ten­berg­fahrt mach­te sich ei­ne 15-köp­fi­ge öku­me­ni­sche Rei­se­grup­pe nach Rom auf.

Rheinische Post Moenchengladbach - - STADTTEILE - VON AN­GE­LA RIETDORF

STADT­TEI­LE Vor ei­nem Jahr hat­te sich ei­ne 15-köp­fi­ge Grup­pe evan­ge­li­scher und ka­tho­li­scher Chris­ten von Mön­chen­glad­bach aus auf den Weg nach Wit­ten­berg ge­macht, ins Stamm­land der Re­for­ma­ti­on. In die­sem Ok­to­ber brach die glei­che öku­me­nisch be­weg­te Grup­pe nach Rom auf. Der Kon­trast hät­te grö­ßer kaum sein kön­nen – hier das be­schau­li­che, pro­vin­zi­el­le und ab­ge­le­ge­ne Wit­ten­berg, von wo aus Mar­tin Lu­ther die mit­tel­al­ter­li­che Welt in Auf­ruhr ver­setz­te, dort die Welt­stadt Rom, pracht­voll, in­ter­na­tio­nal und his­to­risch mit welt­wei­tem Füh­rungs­an­spruch ver­se­hen.

Auch Lu­ther war – da­mals noch im Auf­trag sei­nes Or­dens – in Rom ge­we­sen, hat­te die sie­ben Pil­ger­kir­chen be­sucht und Ablass su­chend die Sca­la sanc­ta, die hei­li­ge Trep­pe, die der Über­lie­fe­rung nach aus dem Haus von Pon­ti­us Pi­la­tus stammt, knie­end und be­tend er­klom­men. Spä­ter er­in­ner­te er sich: „So woll­te ich in Rom mei­nen Groß­va­ter aus dem Feg­feu­er er­lö­sen, ging die Trep­pe hin­auf, be­te­te auf je­der Stu­fe ein Va­ter­un­ser?… Als ich aber an die Spit­ze ge­lang­te, kam mir der Ge­dan­ke: Wer weiß, ob es wahr ist?“

Ob Lu­ther da­mals tat­säch­lich Rom schon ei­nen re­for­ma­to­ri­schen An­stoß er­hielt, ist um­strit­ten und wohl eher un­wahr­schein­lich. Aber er kehr­te aus Rom zu­rück und er­schüt­ter­te mit sei­nen 95 The­sen we­ni­ge Jah­re spä­ter die Kir­che und die Chris­ten­heit. Die nun schon 500 Jah­re wäh­ren­de Spal­tung war zwar nicht sein Ziel, wohl aber das Er­geb­nis sei­ner Re­for­ma­ti­ons­theo­lo­gie.

Ei­ne Spal­tung, die die Mön­chen­glad­ba­cher Chris­ten bei­der Kon­fes­sio­nen nicht mehr so ein­fach hin­neh­men wol­len. Des­halb folg­ten sie nicht nur Lu­thers Spu­ren in Rom, son­dern such­ten auch das Ge­spräch – zum Bei­spiel mit Mon­si­gno­re Dr. Mat­thi­as Türk, Mit­ar­bei­ter des Päpst­li­chen Rats zur För­de­rung der Ein­heit der Chris­ten.

Bei dem Tref­fen im Va­ti­kan wur­de zwei­er­lei deut­lich: Ja, der Dia­log wird ge­sucht und man ist in der Ämter­fra­ge, dem Punkt, der ei­nem ge­mein­sa­men Abend­mahl be­zie­hungs­wei­se ei­ner ge­mein­sa­men Eucha­ris­tie­fei­er von ka­tho­li­schen und evan­ge­li­schen Chris­ten am stärks­ten im We­ge steht, mit den schwe­di­schen Lu­the­ra­nern auf dem Weg zu ei­ner Ver­stän­di­gung. Und nein, so schnell wird es in Deutsch­land ge­mein­sa­me Mahl­fei­ern trotz­dem nicht ge­ben.

Das von Mit­glie­dern der Grup­pe ge­äu­ßer­te schmerz­lich emp­fun­de­ne Un­ver­ständ­nis für die quä­lend lang­sa­me öku­me­ni­sche Ent­wick­lung gera­de in die­sem Be­reich be­weg­te den rö­mi­schen Theo­lo­gen je­doch sicht­lich. Er ver­wies auf die Äu­ße­rung von Papst Fran­zis­kus beim Be­such in der lu­the­ri­schen Ge­mein­de in Rom. „Spre­chen Sie mit dem Herrn und schrei­ten Sie vor­an“, hat­te der Papst mit Blick auf das ge­mein­sa­me Abend­mahl ge­sagt. Und der Mon­si­gno­re, der sich zu­vor ge­wandt durch den Dschun­gel theo­lo­gi­scher Streit­punk­te und in­tel­lek­tu­el­ler Spitz­fin­dig­kei­ten be­wegt hat­te, füg­te ein we­nig über­ra­schend noch hin­zu: „Druck von un­ten ist heil­sam.“

Au­ßer­dem stan­den für die Mön­chen­glad­ba­cher noch Be­su­che bei den Val­den­sern, ei­ner aus dem zwölf­ten Jahr­hun­dert stam­men­den früh­re­for­ma­to­ri­schen Be­we­gung, und bei der christ­lich-so­zia­len Initia­ti­ve Sant’Eg­idio auf dem Pro­gramm.

Das öku­me­ni­sche Mit­ein­an­der ist in den Mön­chen­glad­ba­cher In­nen­stadt­ge­mein­den ge­leb­te Rea­li­tät. Für das kom­men­de Jahr ist ei­ne Part­ner­schafts­er­klä­rung ge­plant, um die Zu­sam­men­ar­beit noch stär­ker zu ver­an­kern.

FO­TO: KN

war schon zu Zei­ten Mar­tin Lu­thers ei­ne Welt­stadt.

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