Sinn­vol­le Vor­sor­ge­mög­lich­kei­ten – be­trach­tet aus vie­len Blick­win­keln

Zehn Ex­per­ten re­fe­rier­ten beim Fo­rums­tag im Kon­fe­renz­zen­trum der RP über Vor­sor­ge zu Leb­zei­ten – un­ter dem Leit­ge­dan­ken „Über den Tod ha­ben wir nie ge­spro­chen...bis wir muss­ten“. Rund 200 Be­su­cher lie­ßen sich um­fas­send in­for­mie­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON MA­RIO EMONDS

Ei­nen un­ge­wöhn­li­chen Ein­stieg in sein Re­fe­rat „Ei­ne Sor­ge we­ni­ger – dank gu­ter Be­stat­tungs­vor­sor­ge“wähl­te Oli­ver Wirth­mann, Ge­schäfts­füh­rer des Ku­ra­to­ri­ums Deut­sche Be­stat­tungs­kul­tur: „Der Tod ist ei­nes der letz­ten Ta­bus. Sie ha­ben Mut, sich mit die­sem The­ma zu be­fas­sen. Glück­wunsch da­zu!“Sehr flott ging es da­nach auch wei­ter. Tem­pe­ra­ment­voll, ker­nig und iro­nisch, oft mit Bei­spie­len aus der Au­to­welt, räum­te Wirth­mann mit weit ver­brei­te­ten Vor­stel­lun­gen rund um die Be­stat­tung auf, die er als Irr­tü­mer be­zeich­ne­te – so auch ei­ni­ge Al­ter­na­ti­ven zur klas­si­schen Fried­hofs­be­stat­tung. Bei­spiel See­be­stat­tung: „Vor­sicht – die wird oft wür­de­los voll­zo­gen.“Bei­spiel Wald­be­stat­tung: „Die bie­ten mitt­ler­wei­le auch vie­le Fried­hö­fe an.“Lei­den­schaft­lich plä­dier­te Wirth­mann für ei­ne wür­de­vol­le Be­stat­tung – und die ge­be es nun ein­mal nicht von der Stan­ge, son­dern fal­le stets in­di­vi­du­ell aus – eben­so die vor­he­ri­ge Be­ra­tung. Ei­ne Pau­schal­fra­ge könn­ten se­riö­se Be­stat­ter da­her gar nicht lei­den: „Was kos­tet bei Ih­nen ei­ne Be­er­di­gung?“Wirth­mann: „Da kriegt ein Be­stat­ter Pi­ckel im Ge­sicht.“

Um­ge­kehrt warn­te er aber auch vor schwar­zen Scha­fen im Be­stat­tungs­we­sen: „Wenn Ih­nen ein Be­stat­ter ver­si­chert, dass Sie sich kei­ne Sor­gen mehr zu ma­chen brau­chen, wenn Sie bei ihm ei­nen Ver­trag ab­schlie­ßen, ist das rei­ne Ver­ba­le­ro­tik. Sie ha­ben nicht al­le Pro­ble­me mit ei­nem Be­stat­tungs­ver­trag ge­löst.“

Für Ver­blüf­fung bei den Zu­hö­rern sorg­te auch ein wei­te­rer Vor­trag, der erst ein­mal nach tro­cke­ner Ma­te­rie klang. „Vor­sor­ge durch Tes­ta­ment und Erb­ver­trag“hat­te Dr. Ger­rit Wenz, No­tar im Land­ge­richts­be­zirk Düs­sel­dorf, sein Re­fe­rat über­schrie­ben. Er il­lus­trier­te an ei­nem Bei­spiel, dass ge­sun­der Men­schen­ver­stand und ei­ne kor­rek­te ju­ris­ti­sche Form nicht un­be­dingt Hand in Hand ge­hen. Da­zu skiz­zier­te er den Fall, dass ein Va­ter im Tes­ta­ment sei­nem Sohn das Haus ver­er­ben woll­te und sei­ner Toch­ter drei Ei­gen­tums­woh­nun­gen. Was erst ein­mal eben­so aus­ge­wo­gen wie glas­klar Oli­ver Wirth­mann Ge­schäfts­füh­rer des Ku­ra­to­ri­ums Deut­sche Be­stat­tungs­kul­tur for­mu­liert klingt. Wenz muss­te die­se Ein­schät­zung aber kor­ri­gie­ren: „Das geht so nicht. Ju­ris­ten den­ken in Erb­mas­se und Quo­ten, se­hen das Er­be stets als Gan­zes.“Zur Ver­an­schau­li­chung wähl­te er ein Bild: „Ein Er­be ist wie ei­ne Tü­te. Bis zum Tod hat der Erb­las­ser da die Hand dran. Ei­ne Zer­stü­cke­lung da­nach darf nicht sein.“

Über die bei­den In­stru­men­te Vor­sor­ge­voll­macht und Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung re­fe­rier­ten Mo­ni­ka Hof­meis­ter und Bet­ti- na Kutz­scher vom Ho­s­piz­ver­ein Düs­sel­dorf-Nord. „Re­spekt und Ver­trau­en ste­hen da­bei ganz oben – so­wohl bei dem­je­ni­gen, der die Voll­macht er­teilt, als auch bei dem­je­ni­gen, der die Voll­macht be­kommt“, sag­te Hof­meis­ter.

Der Be­voll­mäch­tig­te tra­ge ei­ne sehr gro­ße Ver­ant­wor­tung. „Un­ter­schät­zen Sie nicht die emo­tio­na­le Sei­te in sol­chen Druck­si­tua­tio­nen. Da müs­sen ja un­ter Um­stän­den sehr schwer­wie­gen­de Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wer­den“, er­läu­ter­te Kutz­scher. Oft wer­de da­her auch gar nicht der Ehe­part­ner als Be­voll­mäch­tig­ter ein­ge­setzt. „Vie­le trau­en ih­rem Part­ner ei­ne der­ar­ti­ge Auf­ga­be nicht zu, sa­gen, dass er in ei­ner sol­chen Stress­si­tua­ti­on da­für dann viel zu auf­ge­regt ist“, er­gänz­te Hof­meis­ter. Oft sei es da­her rich­tig, da­für ei­ne Per­son mit grö­ße­rer Dis­tanz zu wäh­len.

Be­stat­ter Claus Fran­ken­heim, Dr. Tho­mas Fran­ke von der Na­tio­nal-Bank, Rechts­an­walt Jens Gar­tung, Chris­toph Jou­ßen und In­go Jan­sen von der Qua­dri­log Be­ra­ter­grup­pe so­wie No­tar Dr. Han­nes Klühs wa­ren beim Fo­rums­tag die wei­te­ren hoch­ka­rä­ti­gen Re­fe­ren­ten.

„Der Tod ist ei­nes der letz­ten Ta­bus. Sie ha­ben Mut, sich mit die­sem The­ma zu be­fas­sen. Glück­wunsch da­zu!“

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