Ein wich­ti­ges un­wich­ti­ges Spiel

Mön­chen­glad­bach will sich in der Cham­pi­ons Le­ague in Bar­ce­lo­na Selbst­ver­trau­en für die Bun­des­li­ga ho­len.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON KARS­TEN KEL­LER­MANN

BAR­CE­LO­NA An der Ober­flä­che ist es pu­rer Lu­xus für Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. Ein Pflicht­spiel beim FC Bar­ce­lo­na in der Cham­pi­ons Le­ague, vor dem die Fak­ten­la­ge klar de­fi­niert ist: Al­le Ent­schei­dun­gen sind ge­fal­len in der Grup­pe, Bar­ca wird als Ers­ter ins Ach­tel­fi­na­le ein­zie­hen und die Bo­rus­sen als Drit­ter in die Eu­ro­pa Le­ague. Es klingt nach ei­nem Abend zum Ge­nie­ßen, eben weil das Spiel ein Mus­ter oh­ne sport­li­chen Wert ist. Aber ist es wirk­lich nur ein Lust­spiel? „Nein“, sagt Vi­ze-Prä­si­dent Rai­ner Bon­hof, „es gibt kein Spiel oh­ne Wert.“

Schon gar nicht für ein Team, das in der Bun­des­li­ga kri­selt und der Ab­stiegs­zo­ne mit nur 13 Punk­ten aus 13 Spie­len im­mer nä­her­kommt. So ein Team kann Spie­le gut ge­brau­chen, in de­nen es kei­nen gro­ßen Druck hat, um mal be­freit der Ar­beit nach­zu­ge­hen. „Wir kön­nen uns in Bar­ce­lo­na mit ei­nem gu­ten Spiel Selbst­ver­trau­en ho­len für die letz­ten drei Auf­ga­ben in der Bun­des­li­ga“, sagt Bon­hof. Wo­mit wir wie­der beim Lu­xus sind: Wer bei ei­nem der bes­ten Teams der Welt an­tritt, der wird nicht nur dar­an ge­mes­sen, ob er ge­winnt. Schon ein re­spek­ta­bler Auf­tritt kann ein po­si­ti­ves Ge­fühl ge­ben. Die­sen Lu­xus gibt es in der Bun­des­li­ga nicht mehr. Da müs­sen Er­geb­nis­se her, egal wie. Das Spiel bei Bar­ca, ne­ben­bei der Klub des ExG­lad­bach-Tor­warts Marc-An­dré ter Ste­gen, ist al­so kei­nes, das frei­schwebt in Zeit und Raum.

Es wird auch zu­nächst mal der vor­erst letz­te Auf­tritt in der Cham­pi­ons Le­ague sein – und die Bo­rus­sen wol­len wei­ter­hin ei­nen gu­ten Ein­druck hin­ter­las­sen. Bis zu 8000 Fans sind da, und die of­fi­zi­el­le Rei­se­grup­pe aus Glad­bach ist grö­ßer als bei al­len an­de­re bis­he­ri­gen Eu­ro­pa­rei­sen. Der Bar­ce­lo­na-Trip ist ei­ne Pres­ti­ge-An­ge­le­gen­heit.

Schon des­we­gen soll­te es kein De­ba­kel ge­ben, so wie es Bay­er Le­ver­ku­sen im März 2012 in Bar­ce­lo­na er- leb­te beim 1:7. „Das ist schon hän­gen­ge­blie­ben“, er­in­ner­te sich der da­ma­li­ge Bay­er-Trai­ner Ro­bin Dutt bei Sky. Ein Er­geb­nis die­ser Art wür­de für die Glad­ba­cher nach dem 1:4 beim BVB doch arg kon­tra­pro­duk­tiv sein und die Un­ru­he und den Druck vor dem Spiel ge­gen Mainz wei­ter er­hö­hen. Zu­dem wür­de das an­ge­knacks­te Selbst­ver­trau­en wei­ter be­schä­digt. „Wir fah­ren nicht ins Camp Nou, um ei­ne Klat­sche zu krie­gen. Wir wol­len nach­her in den Spie­gel schau­en kön­nen und sa­gen: Wir ha­ben al­les ge­ge­ben“, er­klärt Mön­chen­glad­bachs Stür­mer An­dré Hahn ent­spre­chend. Es wer­de für die meis­ten Bo­rus­sen das „größ­te Er­leb­nis“ih­rer bis­he­ri­gen Kar­rie­re sein, weiß Hahn. Doch sie dür­fen nicht in Ehr­furcht er­star­ren. „Wir wol­len et­was ho­len“, sagt Th­or­gan Ha­zard. Im­mer­hin geht es noch dar­um, ob die Bo­rus­sen in Los­topf eins oder zwei für das Sech­zehn­tel­Fi­na­le der Eu­ro­pa Le­ague lan­den – und ob sie zu­nächst aus­wärts oder da­heim spie­len.

Wie ein kla­rer Sieg im Camp Nou geht, da­von kann Bon­hof be­rich­ten. Als Pro­fi bei Bo­rus­sia hat er nie ge­gen Bar­ca ge­spielt (es ist das zwei­te Pflicht­spiel zwi­schen bei­den Klubs nach dem Hin­spiel), aber mit dem 1. FC Köln. „Im Uefa-Cup ha­ben wir 1980 zu Hau­se 0:1 ver­lo­ren, dort aber 4:0 ge­won­nen“, sagt Bon­hof.

Ei­ne Ko­pie der Sto­ry (Glad­bach ver­lor das Hin­spiel 1:2) ist schwer vor­stell­bar heu­te, zu­mal Bar­ca trotz des be­reits si­che­ren Spit­zen­plat­zes nicht al­le Stars scho­nen wird. Lio­nel Mes­si wird da­bei sein, das hat Trai­ner Lu­is En­ri­que ver­kün­det. Das gibt dem Abend na­tür­lich be­son­de­ren Glanz. So ist es zwar sport­lich ein Lust-Spiel, aber wer­ti­ger, als es an der Ober­flä­che wirkt.

FO­TO: DPA

Nur Au­gen für den Ball: Andre­as Chris­ten­sen (Mön­chen­glad­bach) und Ney­mar im Hin­spiel.

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