Si­meo­ne will Bay­ern wie­der är­gern

Mit At­lé­ti­co Ma­drid gas­tiert der ex­zen­tri­sche Trai­ner heu­te in Mün­chen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON PATRICK SCHERER

MÜN­CHEN/DÜS­SEL­DORF Gut mög­lich, dass der Ra­sen­pfle­ger in der Al­li­anz-Are­na ei­ne Zu­satz­schicht für die Coa­ching Zo­ne vor der Gäs­te­bank ein­ge­plant hat. Heu­te Abend herrscht in die­sem Recht­eck Die­go Si­meo­ne. Der Trai­ner von At­lé­ti­co Ma­drid wird dort er­neut sein ganz ei­ge­nes Schau­spiel vor­füh­ren. Ne­ben aus­schwei­fen­der Ges­tik und Mi­mik ste­hen Hüp­fen, Pi­rou­et­ten dre­hen und Si­desteps auf dem Pro­gramm. Auf in­ter­na­tio­na­lem Par­kett lebt kein Trai­ner deut­li­cher vor, was er von sei­nem Team er­war­tet: Vol­les En­ga­ge­ment über die ge­sam­te Spiel­zeit. Das gilt auch für das letz­te Grup­pen­spiel in der Cham­pi­ons Le­ague beim FC Bay­ern Mün­chen (20.45 Uhr). Auch wenn be­reits fest­steht, dass die Spa­nier als Grup­pen­ers­ter ins Ach­tel­fi­na­le ein­zie­hen wer­den und Bay­ern als Zwei­ter.

Er­neut ha­ben die Münch­ner al­so das Nach­se­hen. Wie im ver­gan­ge­nen Mai, als sich At­lé­ti­co auf­grund ei­nes Aus­wärts­to­res im Halb­fi­na­le der Kö­nigs­klas­se durch­ge­setzt hat­te. Wie in die­ser Sai­son, als den Bay­ern beim 0:1 im Esta­dio Vi­cen­te Cal­derón wie­der kein Tor ge­lang.

Si­meo­nes At­lé­ti­co schwingt sich zum Angst­geg­ner der Bay­ern auf. Mit der ge­eig­ne­ten Par­ti­sa­nen-Tak­tik lie­ßen die Ma­dri­der Car­lo An­ce­lot­tis Ar­tis­ten im Hin­spiel alt aus­se­hen. In ei­ner bes­tens aus­ge­leuch­te­ten bun­ten Welt des Hoch­glanz­fuß- balls kom­men die Spie­ler von At­lé­ti­co Ma­drid als leicht an­ge­schmud­del­te Au­ßen­sei­ter da­her, als Spiel­ver­der­ber vom Di­enst, als Ge­gen­ent­wurf zu den kan­ten­frei­en, glatt­ge­bü­gel­ten Stars bei den Bran­chen­füh­rern. Als bö­se Jungs, die den Künst­lern die Schau steh­len. Das To­re­ver­hin­dern hat Si­meo­ne sei­nen Jungs in die DNA ein­ge­schrie­ben. Be­leg: In der Li­ga gab es sai­son­über­grei­fend in 52 Spie­len nur 29 Ge­gen­tref­fer. Bei At­lé­ti­co ver­tei­digt das ge­sam­te Team, je­der geht herz­haft in die Zwei­kämp­fe.

Dass die Münch­ner mit die­ser Art der Kon­fron­ta­ti­on gro­ße Pro­ble­me ha­ben, zeig­te auch die 0:1-Li­ganie­der­la­ge in Dort­mund vor et­was mehr als zwei Wo­chen. Tho­mas Tu- chel ko­pier­te in wei­ten Tei­len den Spiel­stil At­lé­ti­cos.

Als Spie­ler mit über 100 Ein­sät­zen für Ar­gen­ti­ni­ens Na­tio­nal­mann­schaft ge­hör­te Si­meo­ne zu je­nen, die man lie­ber nicht auf dem Fuß­ball­platz tref­fen woll­te – au­ßer sie ge­hö­ren zur ei­ge­nen Mann­schaft. Er selbst be­schrieb sich als „Spie­ler mit dem Mes­ser zwi­schen den Zäh­nen“. Als Trai­ner gibt sich Si­meo­ne wie der Boss ei­ner Gang. Sei­ne Ban­de spielt ei­nen Fuß­ball, der zu­nächst das geg­ne­ri­sche Spiel zer­legt. Schön­heit zählt nicht, das Er­geb­nis ist ent­schei­dend. Das Pu­bli­kum von At­lé­ti­co liebt die­se Art des Fuß­balls. Da­mit hat sich der Ver­ein als drit­te Kraft im spa­ni­schen Fuß­ball ne­ben Lo­kal­ri­va­le Re­al und dem FC Bar­ce­lo­na eta­bliert.

Auf der Bank ne­ben­an sitzt heu­te der Ge­gen­ent­wurf zu Si­meo­ne: Car­lo An­ce­lot­ti. Das Schau­spiel des Ita­lie­ners an der Sei­ten­li­nie be­schränkt sich meist auf herz­haf­tes Zer­mal­men ei­nes Kau­gum­mis. Für den Ita­lie­ner ist das Du­ell heu­te nur ei­ne Durch­gangs­sta­ti­on. Das Spiel die­ne vor al­lem da­zu, „un­ser Selbst­ver­trau­en wei­ter auf­zu­bau­en“, sag­te er. „Es ist ein wich­ti­ges Spiel, aber die Leis­tung ist wich­ti­ger als das Er­geb­nis.“Auch des­halb kün­dig­te der Ro­ta­ti­ons-Freund „ei­ni­ge“per­so­nel­le Wech­sel an. Ne­ben Jé­rô­me Boateng feh­len nur die ver­letz­ten Kings­ley Co­man und Ju­li­an Gre­en, Xa­bi Alon­so und Hol­ger Bad­stu­ber ste­hen wie­der zur Ver­fü­gung.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.