Ge­richt be­stä­tigt Blat­ters Sper­re

Der ehe­ma­li­ge Fi­fa-Prä­si­dent darf sechs Jah­re kein Amt aus­üben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

ZÜRICH Vor ei­nem Jahr war Sepp Blat­ter doch noch mal in der Zen­tra­le des Fuß­ball­welt­ver­bands Fi­fa. Die Ethik­kom­mis­si­on des Ver­bands hat­te den Prä­si­den­ten vor­ge­la­den, den sie selbst we­gen ei­ner selt­sa­men Mil­lio­nen-Zah­lung an den Fuß­ball-Funk­tio­när Mi­chel Pla­ti­ni für 90 Ta­ge aus dem Ver­kehr ge­zo­gen hat­te. Am 21. De­zem­ber ver­kün­de­te die Kom­mis­si­on ihr ab­schlie­ßen­des Ur­teil: Blat­ter (80) und Pla­ti­ni (61) wer­den für acht Jah­re ge­sperrt. Blat­ters Sper­re wur­de spä­ter auf sechs, die Su­s­pen­die­rung des ehe­ma­li­gen Uefa-Prä­si­den­ten Pla­ti­ni auf vier Jah­re re­du­ziert. Ges­tern be­stä­tig­te der obers­te Sport­ge­richts­hof (CAS) das Ur­teil. Da­mit ist das Sys­tem Blat­ter am En­de.

Bis zu­letzt und ge­gen al­le Ver­nunft hat­te der frü­he­re Schwei­zer auf ei­ne Auf­he­bung der Sper­re ge­hofft. Die Wirk­lich­keit sprach längst ei­ne an­de­re Spra­che. Die Schwei­zer Jus­tiz er­öff­ne­te schon im Sep­tem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res ein Straf­ver­fah­ren we­gen des Ver­dachts der Un­treue ge­gen Blat­ter und Pla­ti­ni. Auch des­halb muss­ten die Top­funk­tio­nä­re vor die Ethik­kom­mis­si­on. Blat­ter hat­te be­reits den Ver­zicht auf ei­ne er­neu­te Kan­di­da­tur für das Prä­si­den­ten-Amt er­klärt, im Früh­jahr wähl­te die Fi­fa Gi­an­ni In­fan­ti­no zu sei­nem Nach­fol­ger. Da lag die einst­wei­len letz­te gro­ße Eh­rung für Blat­ter be­reits ein Vier­tel- jahr zu­rück. Noch 2015, pünkt­lich zum Auf­tritt vor der Ethik­kom­mis­si­on, hat­te ihn die Zei­tung „Welt­wo­che“oh­ne er­kenn­ba­ren An­flug von Iro­nie zum „Schwei­zer des Jah­res“er­nannt. Der Funk­tio­när sei „ein un­er­müd­li­cher und be­wun­derns­wer­ter Kämp­fer für ei­ne bes­se­re Welt“.

Ge­kämpft hat er in 40 Jah­ren als Spit­zen­kraft bei der Fi­fa (vier da­von als Prä­si­dent) vor al­lem um das ei­ge­ne Netz­werk aus Be­zie­hun­gen in die 209 Fi­fa-Län­der, ein Sys­tem aus Ge­ben und Neh­men, das un­ter tä­ti­ger Mit­hil­fe der US-Er­mitt­lungs­be­hör­den ent­tarnt wur­de. Die „New York Ti­mes“be­schrieb Blat­ters Fi­fa un­ter Be­ru­fung auf Er­mitt­ler­krei­se als „et­was, was man sonst nur von Ma­fia-Kar­tel­len und Dro­gen­kar­tel­len kennt“. Auf die­se be­son­de­re Wei­se ge­stal­te­te Blat­ter auch die Ge­schäfts­be­zie­hung zu Pla­ti­ni. 2011 über­wies der Ver­band auf Blat­ters Ge­heiß 1,8 Mil­lio­nen Eu­ro auf das Kon­to des da­ma­li­gen Uefa-Prä­si­den­ten. Ho­no­riert wur­den „Di­ens­te in den Jah­ren 1999 bis 2002“. Um wel­che Di­ens­te es sich han­del­te, und war­um die Über­wei­sung erst neun Jah­re nach Be­en­di­gung des Di­enst­ver­hält­nis­ses aus­ge­stellt wur­de, konn­ten die Funk­tio­nä­re nicht auf­klä­ren. Viel­leicht woll­ten sie es auch nicht. Pla­ti­ni fiel ir­gend­wann ein, er ha­be 2002 auf das Ho­no­rar ver­zich­tet, weil es dem Welt­ver­band wirt­schaft­lich schlecht ging. Das aber war ein Ei­gen­tor des frü­he­ren Welt­klas­se­fuß­bal­lers. Blat­ter selbst ver­kün­de­te je­den­falls 2002 ei­nen Ge­winn von 100 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Er­mitt­ler fan­den es schließ­lich be­mer­kens­wert, dass sich Pla­ti­ni 2011 bei den Uefa-Mit­glieds­ver­bän­den ve­he­ment für ei­ne Wie­der­wahl Blat­ters zum Fi­fa-Chef ein­ge­setzt hat­te. Sie glaub­ten of­fen­bar nicht an Zu­fäl­le.

Blat­ter glaubt sei­ner­seits an ei­ne Ver­schwö­rung. „Ich neh­me das Ur­teil zur Kennt­nis. Auf­grund des Ver­laufs des Pro­zes­ses war kein an­de­res Ver­dikt zu er­war­ten“, sag­te er. Vie­le Für­spre­cher hat er si­cher nicht mehr. Nur Wla­di­mir Pu­tin steht im treu zur Sei­te. „Das ist mal je­mand, dem man den Frie­dens­no­bel­preis ge­ben soll­te“, er­klär­te Russ­lands Prä­si­dent vor Jah­res­frist. Gro­ße Zu­stim­mung lös­te er da­mit nicht aus.

FO­TO: DPA

Ge­quäl­tes Lä­cheln: Sepp Blat­ter nach dem Ur­teil

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