Erik Za­bels Sohn träumt vom Tour-Start

Rick Za­bel ist wie sein be­kann­ter Va­ter Rad­pro­fi. In sei­nem neu­en Team vi­siert der 22-Jäh­ri­ge im Früh­jahr die Flan­dern-Rund­fahrt und Pa­ris-Rou­baix an. Sein gro­ßer Traum ist aber der Start bei der Tour de Fran­ce im ei­ge­nen Land.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON STE­FAN KLÜTTERMANN

DÜS­SEL­DORF Der klei­ne Rick reckt den rech­ten Arm in die Hö­he, mit der lin­ken Hand hält er sich bei Pa­pa Erik am Hals fest. Bei­de tra­gen ein grü­nes Tri­kot, Rick hat so­gar sei­ne Haa­re grün ge­färbt. Ge­mein­sam neh­men sie in Pa­ris die Eh­rung für den bes­ten Sprin­ter der Tour de Fran­ce ent­ge­gen. Es ist das sechs­te und letz­te Mal, dass Za­bel se­ni­or das Grü­ne Tri­kot auf den Champ­sÉ­ly­sées über­streift. Es ist der 29. Ju­li 2001. Erik Za­bel ist 31. Rick ist sie­ben.

Heut­zu­ta­ge hät­te Va­ter Za­bel, der 2013 lang­jäh­ri­ges Do­ping zu­ge­ge­ben hat­te, wohl deut­lich mehr Pro­ble­me, den Fi­li­us hoch auf die Schul­tern zu neh­men. Aus dem grün­haa­ri­gen Jun­gen ist längst ein 1,84 Me­ter gro­ßer Rad­pro­fi ge­wor­den. Auch Rick ist Sprin­ter, aber dass er des­halb be­son­de­re Tipps vom Va­ter für die ei­ge­ne Lauf­bahn er­hal­ten ha­be, dar­an kann sich der 22-Jäh­ri­ge nicht er­in­nern. „Er hat mir ei­gent­lich nicht wirk­lich kon­kre­te Tipps ge­ge­ben. Viel­mehr hat er im­mer zu mir ge­sagt, glau­be an Dich und vor al­lem ha­be Spaß, an dem was Du tust. Und weil Rad­sport mei­ne gro­ße Lei­den­schaft ist, ge­nie­ße ich auch mei­ne Sport­art sehr“, sagt Rick Za­bel im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Die­se Lei­den­schaft zum Rad­sport hat­te auch der Va­ter stets be­tont.

Vor kur­zem hat nun Soh­ne­mann Rick den nächs­ten Schritt in sei­ner Lauf­bahn ge­tan, er ist, wie Zeit­fahrWelt­meis­ter To­ny Mar­tin, zum neu for­mier­ten Top-Team Ka­tu­sha Al­pe­cin ge­wech­selt. Und dort will er 2017 nach Mög­lich­keit rich­tig durch­star­ten. „Mei­ne gro­ßen Zie­le sind die Früh­jahrs­klas­si­ker. Ich möch­te un­be­dingt bei der Flan­dern-Rund­fahrt und Pa­ris-Rou­baix am Start ste­hen“, sagt Za­bel, der als schnel­ler Mann vor al­lem als Hel­fer für den nor­we­gi­schen Ka­tu­sha-Ka­pi­tän Alex­an­der Kristoff ein­ge­plant ist. Aber na­tür­lich steht für Za­bel als Deut­schen im kom­men­den Jahr ein gro­ßes Er­eig­nis am Ho­ri­zont: „Ei­ne Teil­nah­me bei der Tour im ei­ge­nen Land wä­re ein ab­so­lu­ter Traum für mich, das wä­re un­glaub­lich. Aber ich bin neu im Team, da­her möch­te ich kon­kret noch nicht so weit den­ken“, er­klärt Za­bel.

In je­dem Fall ist er da­von über­zeugt, dass die Tour genau zum rich­ti­gen Zeit­punkt in der Hei­mat gas­tiert, denn die deut­schen Rad­pro­fis ha­ben zu­letzt wie­der po­si­ti­ve Schlag­zei­len fa­bri­ziert. „Na­tür­lich sind wir Deut­schen wie­der auf dem Vor­marsch. Tra­di­tio­nell ha­ben wir star­ke Zeit­fah­rer und Sprin­ter. John De­gen­kolb hat zwei gro­ße Sie­ge bei Rad­sport-Mo­nu­men­ten ge­won­nen, An­dré Grei­pel und Mar­cel Kit­tel ge­win­nen am lau­fen­den Band TourE­tap­pen. To­ny Mar­tin ist Welt­meis­ter im Zeit­fah­ren. Das zeigt, Deutsch­land ist ei­ne gro­ße Rad­sport-Na­ti­on“, sagt der 22-Jäh­ri­ge. Geht es nach Za­bel, dau­ert es nicht mehr lan­ge, und er wür­de in der Auf­zäh­lung der er­folg­rei­chen Kol­le­gen da­bei sein kön­nen. Die Vor­aus­set­zun­gen für den nächs­ten Kar­rie­re­schub schei­nen zu­min­dest gut, denn im mul­ti­na­tio­na­len Ka­tus­haTeam geht Deutsch fast schon als Amts­spra­che durch. „Mei­nen neu­en Team­kol­le­gen Nils Po­litt aus Köln kann­te ich vor­her schon sehr gut. Mit To­ny Mar­tin, Mar­co Ma­this, dem Ös­ter­rei­cher Mar­co Hal­ler so­wie dem Schwei­zer Re­no Hol­len­stein sind wir ei­ne gro­ße deutsch­spra­chi­ge Grup­pe. Auch im Be­treu­er­stab sind ei­ni­ge Deut­sche mit da­bei“, er­zählt Za­bel.

Für Ka­tu­sha wird der Tour-Start al­so qua­si zum Heim­spiel. Viel­leicht für Za­bel ju­ni­or ja auch.

FO­TO: IMAGO

29. Ju­li 2001: Erik Za­bel nimmt bei der Sie­ger­eh­rung der Tour de Fran­ce in Pa­ris das grü­ne Tri­kot für den bes­ten Sprin­ter der Rund­fahrt ent­ge­gen. Auf sei­nen Schul­tern: Soh­ne­mann Rick, da­mals sie­ben Jah­re alt.

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