Trau­er­klän­ge und fröh­li­cher Schwung

Im 2. Kam­mer­kon­zert der Sin­fo­ni­ker er­klan­gen zwei Wer­ke des Kom­po­nis­ten Dmi­tri Schosta­ko­witsch.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON DIRK RICHERDT

Im Sep­tem­ber wä­re der rus­si­sche Kom­po­nist Dmi­tri Schosta­ko­witsch 110 Jah­re alt ge­wor­den. An den Künst­ler, der in der sta­li­nis­ti­schen Ära mas­si­ven An­grif­fen der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei aus­ge­setzt war, er­in­ner­ten fünf Mu­si­ker im Thea­ter­stu­dio, zwei da­von Gäs­te der Nie­der­rhei­ni­schen Sin­fo­ni­ker. Fast 70 Zu­hö­rer wa­ren ge­spannt dar­auf, ein Streich­quar­tett (op. 110) und ein Kla­vier­quin­tett (op. 57) des we­gen „For­ma­lis­mus“in der So­wjet­zeit hef­tig kri­ti­sier­ten Pe­ters­bur­gers ken­nen­zu­ler­nen.

Mit dem jün­ge­ren der bei­den Kam­mer­stü­cke er­öff­ne­ten Emir Imerov und Chris­toph Schlom­berg (Vio­li­ne), Na­ta­scha Krumik (Vio­la) und Sil­ke Frantz (Cel­lo) die Ma­ti­nee im Stu­dio. Frantz in­for­mier­te, dass der Kom­po­nist das Streich­quar­tett c-Moll 1960 bei ei­nem Be­such der Stadt Dres­den schrieb. „Es ist ein sehr per­sön­li­ches Werk, in dem Schosta­ko­witsch an die Op­fer von Krieg und Fa­schis­mus er­in­nern woll­te“, er­zähl­te die Cel­lis­tin. Das Quar­tett be­ginnt mit der Ton­fol­ge d, es, c und h – die klin­gen­den Initia­len D. SCH des Kom­po­nis­ten, ein seit Bachs Zei­ten häu­fig an­ge­wand­tes Ver­fah­ren. Die Aus­drucks­welt des Stücks ist me­lan­cho­lisch, lei­se, kla­gen­de Zwi­schen­tö­ne prä­gen das auf ei­nem to­na­len Zen­trum fu­ßen­de Werk. Die Mu­si­ker ver­zich­te­ten weit­ge­hend auf Vi­bra­to, ga­ben so die ele­gi­sche Grund­stim­mung ad­äquat wie­der, die durch plötz­li­che Kon­trast­span­nun­gen mit grell-har­ter Ton­ge­bung er­wei­tert wur­de. Klez­mer-Mo­ti­ve und so­gar ei­ne Wal­zer­fi­gur konn­ten den be­trüb­ten Grund­klang nicht auf­he­ben.

Ganz an­ders das Kla­vier­quin­tett in g-Moll, mit dem Schosta­ko­witsch 1940 den Sta­lin­preis ge­wann: Hier ge­sell­te sich mit In­di­ra Fa­ra­bi ei­ne er­fah­re­ne Pia­nis­tin von hör­bar be­glau­big­ter Ken­ner­schaft zu den vier Strei­chern. Die fünf Sät­ze des sehr kom­plex ge­bau­ten Quin­tetts er­öff­ne­ten ei­ne höchst viel­ge­stal­ti­ge Aus­drucks- und mu­si­ka­li­sche For­men­welt. An­klän­ge an Bach (Fu­ge) und dank­bar ver­teil­te so­lis­ti­sche Auf­ga­ben sorg­ten für span­nen­de Hör­ein­drü­cke. Es gab viel Ap­plaus – und nach ei­ner Zu­ga­be wie­der­hol­ten sie das wit­zi­ge Scher­zo.

„ Schosta­ko­witsch woll­te an die Op­fer von Krieg und Fa­schis­mus er­in­nern“

Sil­ke Frantz Cel­lo

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