Aus Essen ka­men im­mer Im­pul­se für die CDU

Die zweit­größ­te Stadt des Ruhr­ge­biets war im­mer ein wich­ti­ger Stand­ort für Par­tei­ta­ge der Christ­de­mo­kra­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON MAR­TIN KESS­LER

ESSEN Sie war ei­ne glück­li­che Sie­ge­rin, die 46-jäh­ri­ge An­ge­la Mer­kel, als sie in Essen vor 16 Jah­ren als ers­te Frau zur Bun­des­vor­sit­zen­den der CDU ge­wählt wur­de. Doch am Abend ih­res Sie­ges such­te sie nicht das Bad in der Men­ge der De­le­gier­ten, son­dern be­such­te mit ih­rer Par­tei­freun­din Chris­ta Tho­ben ein ab­ge­le­ge­nes Es­se­ner Lokal, wo sich die bei­den an ei­nem Hin­ter­tisch ei­ni­ge Glä­ser Wein ge­neh­mig­ten. Die zweit­größ­te Stadt des Ruhr­ge­biets war im­mer ein wich­ti­ger Stand­ort für CDU-Par­tei­ta­ge. „Hier wur­den zen­tra­le Fra­gen der Par­tei ent­schie- den“, er­in­nert sich der frü­he­re CDU-Mi­nis­ter­prä­si­dent Nord­rheinWest­fa­lens, Jür­gen Rütt­gers.

Be­gon­nen hat­te es 1985, als sich die Christ­de­mo­kra­ten zum ers­ten Mal in der Ruhr-Me­tro­po­le tra­fen. Da­mals ging es um die Fa­mi­li­en­po­li­tik, die die CDU un­ter dem da­ma­li­gen, um­trie­bi­gen Ge­ne­ral­se­kre­tär Hei­ner Geiß­ler zum zen­tra­len Mar­ken­zei­chen der Par­tei ma­chen woll­te. Wahl­frei­heit hieß da­mals das Schlag­wort, das Frau­en die Wahl zwi­schen Be­rufs­tä­tig­keit und Kin­der­er­zie­hung über­las­sen woll­te. Fa­mi­li­en­ar­beit soll­te als gleich­be­rech­tig­te Tä­tig­keit ne­ben der Kar­rie­re eta­bliert und vom Staat mit ei­nem Er­zie­hungs­geld un­ter­stützt wer­den. Heu­te wit­zelt Par­tei­che­fin Mer­kel: „Wahl­frei­heit ist da­mals von den CDU-Män­nern so ver­stan­den wor­den, dass sie wäh­len kön­nen, was ih­re Frau­en ma­chen.“

Im Jahr 2000 ging von Essen ei­ne klei­ne Re­vo­lu­ti­on aus. Aus­ge­rech­net die oft als Män­ner­par­tei ver­schrie­ne CDU wähl­te als ers­te de­mo­kra­ti­sche Par­tei in Deutsch­land ei­ne Frau zur Vor­sit­zen­den. Gleich­be­rech­ti­gung war oh­ne­hin das gro­ße The­ma auf die­sem Par­tei­tag. Der jun­ge Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im In­nen­mi­nis­te­ri­um, Gün­ther Krings, war da­mals in Essen noch nicht da­bei. Aber die Wahl Mer­kels präg­te auch sei­nen po­li­ti­schen Wer­de­gang. „Mich be­ein­druckt, wie die Par­tei­vor­sit­zen­de zen­tra­le The­men wie die in­ne­re oder so­zia­le Si­cher­heit be­setzt, wie sie sich und die CDU mo­ti­viert.“Als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter und Staats­se­kre­tär hat­te er nur die Ost­deut­sche als Vor­sit­zen­de. Beim Par­tei­tag 2016 in Essen schließt sich die­ser Kreis. Mer­kel schickt sich an, bei ei­nem Wahl­sieg und vier wei­te­ren Jah­ren Re­gie­rung den ewi­gen Kanz­ler Hel­mut Kohl ein­zu­ho­len, un­ab­hän­gig vom Dämp­fer, den sie mit dem zweit­schlech­tes­ten Er­geb­nis ih­rer Lauf­bahn als CDU-Che­fin in der Ruhr­ge­biets­stadt er­hielt.

In­halt­lich be­deu­tet der Par­tei­tag in Essen ei­nen Rechts­ruck der fast in die lin­ke Mit­te ge­rück­ten CDU. Die ge­plan­te Ver­schär­fung des Asyl­rechts, das Teil­ver­bot der Voll­ver­schleie­rung und die strik­te Ab­sa­ge an Steu­er­er­hö­hun­gen sind ein An­ge­bot an den kon­ser­va­ti­ven und li­be­ra­len Flü­gel. Dass die in­ne­re und äu­ße­re Si­cher­heit al­le an­de­ren The­men über­strahlt, trug eben­falls da­zu bei.

Vi­el­leicht ist Essen auch ein Sym­bol da­für, dass die Christ­de­mo­kra­ten wie­der zu ih­rer klas­si­schen Li­nie als kon­ser­va­ti­ve Volks­par­tei fin­den, mit der „links­li­be­ra­len“Mer­kel an der Spit­ze.

BOUF­FIER (CDU)

FO­TO: DPA

Glei­cher Ort, ähn­li­che The­men: CDUPar­tei­tag 1985 in Essen.

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